Der Poster-Papst

Verschmitztes Lächeln, grau meliertes Haar, freundlich winkend – nein, wir reden nicht von Richard Gere, sondern von Papst Franziskus. Der strahlt seit neuestem von zahlreichen Ausgaben der neuen Panini-Zeitschrift "Mein Papst" herab. Die Illustrierte lockt mit exklusiven Home-Stories, Hintergrundgeschichten zu Rom und - ganz im Stil der klassischen Frauenzeitschrift – mit Rezepten und Rätseln. Immerhin soll sich die Illustrierte nach Auskunft von Panini an die deutsche Frau ab 40 richten.

Medien | Bonn - 29.03.2015

Verschmitztes Lächeln, grau meliertes Haar, freundlich winkend – nein, wir reden nicht von Richard Gere, sondern von Papst Franziskus. Der strahlt seit neuestem von zahlreichen Ausgaben der neuen Panini-Zeitschrift "Mein Papst" herab. Die Illustrierte lockt mit exklusiven Home-Stories, Hintergrundgeschichten zu Rom und - ganz im Stil der klassischen Frauenzeitschrift – mit Rezepten und Rätseln. Immerhin soll sich die Illustrierte nach Auskunft von Panini an die deutsche Frau ab 40 richten.

"Volksnah, menschlich, seriös" – so will der in Stuttgart ansässige Verlag den Pontifex präsentieren. Konsequent lautet die Schlagzeile auf der Titelseite der ersten Ausgabe, die seit knapp zwei Wochen erhältlich ist, daher "Der Papst der Herzen - Franziskus ist einer von uns!". Gleich der erste Artikel behandelt den Wohnsitz des Papstes, der das Gästehaus Santa Marta dem Apostolischen Palast vorzieht. Neu ist diese Info freilich nicht. Die Redaktion versteht es trotzdem, die altbekannte Tatsache mit Hilfe von zahlreichen Bildern und Grafiken interessant und lesenswert aufzubereiten.

Überhaupt lebt "Mein Papst" – das sich selbst "Die erste Illustrierte über Papst Franziskus" nennt – von seinen Bildern, die nach Informationen des Verlags "vorwiegend exklusiv" sind. Ob Franziskus am Schreibtisch, im gelben Regencape auf den Philippinen oder beim Angelus-Gebet: der Papst wird zum Pop-Star. Übrigens findet man den Heiligen Vater auch wie zu besten Bravo-Zeiten in der Mitte des Heftes auf ein Poster gedruckt (von beiden Seiten!). Mehr Papst Franziskus geht also eigentlich nicht.

Das scheinen auch die Macher zu wissen und ergänzen das Heft daher um eine Geschichte über Papst Benedikt XVI. In einem Interview kommt die Köchin Kidia Bastianich zu Wort, die den emeritierten Pontifex 2008 in New York bekochte. Ausführlich kann sie von der "wichtigsten Erfahrung" ihres Lebens berichten und detailliert beschreiben, was und wie viel Benedikt XVI. gegessen hat (ein "leichtes, frühlingshaftes Menü" und den Teller voll Brühe hat er auch geschafft). Als besonderes Schmankerl darf sie dann noch einen Menü-Vorschlag für Franziskus vorstellen, der um die entsprechenden Rezepte zum Nachkochen ergänzt wird.

Viele Hintergrundinfos und Erklärinhalte

"Mein Papst" ist die deutsche Adaption der italienischen Wochenzeitschrift "Il mio Papa", die dort seit einem Jahr erscheint – übrigens nicht die einzige Papstillustrierte des Landes. Das deutsche Magazin hat einen Umfang von 72 Seiten und erscheint in einer Auflage von 250.000 Stück in Ballungsgebieten und vorwiegend katholischen Regionen. In Italien erschien die erste Ausgabe des "Originals" in doppelt so hoher Stückzahl. Aktuelle Zahlen gibt es nicht; vermutlich sind sie aber niedriger.

Wie viele Fans Papst Franziskus in Deutschland hat, die dann auch tatsächlich ein Magazin über ihn erwerben, bleibt abzuwarten. Lernen kann mit der Zeitschrift aber jeder etwas. Denn reine Effekthascherei kann man Panini trotz der boulevardesken Aufmachung nicht vorwerfen. Die Illustrierte versucht in vielen Artikeln Hintergrundinfos und Erklärinhalte anzubieten. Woher stammt das Wort Karfreitag? Was ist die Chrisammesse? Wie läuft der Kreuzweg am Karfreitag im Rom ab? Und kannten Sie schon die vatikanische Staatsbahn? Eben.

Wie kommt die Papst-Illustrierte an? Katholisch.de hat sich in Bonn umgehört.

Gut, ob die Handschriftanalyse des Heiligen Vaters tatsächlich wertvolle und vor allem stichhaltige Informationen über seinen Charakter beinhaltet, sei dahingestellt (Achtung! Spoiler-Alarm: Die runden Buchstaben deuten auf einen "äußerst geselligen Menschen" hin). Beständiger ist da schon wieder die Lebensgeschichte von Franziskus, die auf mehrere Hefte aufgeteilt wird. Der erste Teil beleuchtet das Konklave 2013 und lässt so kurz nach dem zweiten Jahrestag der Wahl von Jorge Maria Bergoglio zum Papst noch einmal die Stimmung auf dem Petersplatz lebendig werden.

Anderer Blick auf den Katholizismus

Bei einer ersten Umfrage in der Bonne Fußgängerzone (siehe Video) waren die Reaktionen auf "Mein Papst" noch etwas verhalten. "Also beim Frisör würde ich das lesen", sagte eine Befragte. Man hatte fast den Eindruck, manchen sei es unangenehm, mit der Illustrierten gesehen zu werden. Doch das muss es nicht. Sicher, die Aufmachung ist bunt und niederschwellig gehalten. Aber das tut in für die Kirche turbulenten Zeiten auch mal gut. Sie ermöglicht einen anderen Blick auf den Katholizismus, der sich ja ohnehin nicht scheut, wort- und bildreich aufzutreten.

Für die nächste Ausgabe, die am 15. April erscheint, ist ein Interview mit Franziskus angekündigt ("Ich bin ein ganz normaler Mensch"). Und – womit wir wieder beim klassischen Frauenzeitschrift-Thema wären – ein Artikel zum Thema "Audienz beim Papst – Die richtige Kleidung für einen wichtigen Anlass". Das einzige, was "Mein Papst" dann noch fehlt, sind die typischen Panini-Aufklebbildchen.

Von Sophia Michalzik

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