"Die Nachricht bestürzt mich"

Angesichts des Missbrauchsverdachts gegen den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen hat sich dessen Nach-Nachfolger, Bischof Norbert Trelle, in einem Brief an die Gemeinden des Bistums gewandt.

Missbrauch | Hildesheim - 08.11.2015

Angesichts des Missbrauchsverdachts gegen den ehemaligen Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988) hat sich dessen Nach-Nachfolger, Bischof Norbert Trelle, in einem Brief an die Gemeinden des Bistums Hildesheim gewandt. Katholisch.de dokumentiert den Brief des Bischofs im Wortlaut:

Liebe Schwestern und Brüder!

Sie alle haben in den letzten Tagen vom Missbrauchsvorwurf gegen Bischof Heinrich Maria Janssen gehört oder gelesen. Der betroffene Mann hat angegeben, Ende der 1950-er und Anfang der 1960-er Jahre als Junge vom damaligen Hildesheimer Bischof sexuell missbraucht worden zu sein. Der bischöfliche Beraterstab zu Fragen sexuellen Missbrauchs hat die Schilderungen des Mannes geprüft und hält sie für plausibel.

Die Nachricht über diesen Missbrauch bestürzt mich. Das Leid, das dem Mann nach dessen Aussage zugefügt worden ist, erfüllt mich mit tiefer Trauer.

Als der Missbrauch in diesem Frühjahr angezeigt worden ist, hat der Betroffene um strikte Vertraulichkeit gebeten. Diesem Wunsch wurde zunächst entsprochen. Nachdem es in dieser Woche eine konkrete Presseanfrage gegeben hat, habe ich mich jedoch entschieden, Sie, liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Bistums, direkt zu informieren.

Viele von Ihnen werden erschüttert sein, diese Nachricht zu hören. Vor allem diejenigen von Ihnen, die Bischof Heinrich Maria Janssen noch selbst kennengelernt haben und ihm persönlich begegnet sind, werden Verstörung und Trauer empfinden.

Vor fünf Jahren haben wir uns entschieden, bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch mit Transparenz und Klarheit vorzugehen. Diesem Grundsatz fühle ich mich auch in diesem Fall verpflichtet, auch wenn uns dadurch das Thema "Sexueller Missbrauch" in seiner ganzen Tragweite wieder einholt. Dennoch halte ich diesen Weg für den einzig richtigen und verantwortbaren.

Der Missbrauchsvorwurf wird in den nächsten Tagen und Wochen in unseren Gemeinden und vor allem bei den Menschen, die sich Bischof Janssen eng verbunden fühlen, Fragen und Bestürzungen auslösen. Ihnen allen sage ich Unterstützung und Begleitung zu. Der Geschäftsführer des Beraterstabs zu Fragen sexuellen Missbrauchs, Domkapitular Martin Wilk, hat sich bereiterklärt, die Anfragen zu koordinieren.

Von Herzen bitte ich Sie um Ihr Gebet, dass wir in dieser für unser ganzes Bistum schwierigen Situation beieinander bleiben.

Mit freundlichen Grüßen und herzlichen Segenswünschen

Norbert Trelle
Bischof von Hildesheim

Linktipp: Erstmals Missbrauchsvorwurf gegen deutschen Bischof

Zum ersten Mal richten sich gegen einen Bischof in Deutschland Missbrauchsvorwürfe. Der frühere und 1988 verstorbene Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen soll in den 1950er- und 1960er-Jahren einen Jungen missbraucht haben.

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