Ex-Priester soll Kinder missbraucht haben

Der Beschuldigte war wohl schon seit 2008 kein Priester mehr, soll sich aber als ein solcher ausgegeben und als Seelsorger ausgeholfen haben. Nun wurde er wegen sexuellen Übergriffen angezeigt.

Missbrauch | Deggendorf - 12.10.2016

Wegen des dringenden Tatverdachts des Kindesmissbrauchs sitzt ein 52-jähriger ehemaliger Priester in Deggendorf seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Es soll sich laut Bistum Regensburg um einen aus dem Klerikerstand entlassenen Priester handeln, der vor kurzem an einem Kind sexuelle Übergriffe vorgenommen haben soll. Die Mutter des Kindes habe Anzeige erstattet.

Nach Darstellung des Bistums hat sich der Beschuldigte während eines mehrmonatigen Aufenthalts in einer Pfarrei in Niederbayern Anfang 2015 "das Vertrauen einer dortigen Familie erschlichen". Den zuständigen Pfarrer habe der laisierte Geistliche aus der polnischen Erzdiözese Stettin-Cammin "über seine Identität und seine kirchliche und strafrechtliche Vorgeschichte getäuscht" und so aushilfsweise als Seelsorger tätig werden können. Bereits im März 2014 habe das Bistum wie auch andere deutsche Diözesen vor dem Mann und dessen unberechtigtem Auftreten als Priester öffentlich gewarnt.

Weiter Kontakt zu Gemeindemitgliedern gehalten

Am 6. Oktober 2015 sei dann erneut eine Warnung an alle Pfarreien vor dem Mann verschickt worden. Daraufhin habe ihn der betroffene Pfarrer zum Verlassen seiner Gemeinde aufgefordert. Dieser sei ins Bistum Passau weitergezogen, habe aber ohne Wissen des Pfarrers mit einzelnen Gemeindemitgliedern weiter engen Kontakt gehalten. Vor kurzem habe sich eine Mutter aus der Gemeinde an den Pfarrer gewandt und von sexuellen Übergriffen des Beschuldigten auf ihr Kind berichtet. Auf Drängen des Pfarrers habe die Frau wenige Tage später Anzeige erstattet.

Das Regensburger Ordinariat reagierte "schockiert über die Taten", die dem ehemaligen Geistlichen vorgeworfen werden. Es habe erstmals am 28. September durch einen Anruf der Polizei erfahren, dass sich der Mann 2015 mehrere Monate in der Diözese aufgehalten habe, und welche Vorwürfe gegen ihn erhoben würden. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, sei auf Bitten der Polizei bis zur offiziellen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Stillschweigen vereinbart worden.

Nach Medienberichten soll der ehemalige Priester aus dem Raum Mainz stammen und 2008 aus dem Klerikerstand entlassen worden sein. Mit einem gefälschten Ausweis habe er sich danach noch jahrelang als Priester ausgegeben und auch Spenden eingesammelt. In Süddeutschland sei er als Seelsorger aufgetreten, unter anderem im Raum Erding und in Taufkirchen/Vils. (KNA/jhe)

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