Gegengewicht gelebter Hoffnung

Die Bistümer feiern die Auferstehung Jesu Christi, der den Tod besiegt hat. Dieser Sieg der Hoffnung stand im Zentrum der Osterpredigten: Das Schicksal der Flüchtlinge nannten viele Bischöfe ein Zeichen der Erlösungsbedürftigkeit der Welt.

Ostern | Bonn - 27.03.2016

Es ist das höchste Fest der Christenheit – Ostern. Die Bischöfe der deutschen Diözesen feiern mit ihren Bistümern die Auferstehung Jesu Christi, der den Tod besiegt hat. Dieser Sieg über den Tod stand im Zentrum der Predigten in der Osternacht und am Ostersonntag: Das Schicksal der Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt, Terror und Gewalt in Europa und im nahen Osten nannten viele der Oberhirten als Zeichen der Erlösungsbedürftigkeit der Welt.

Bistum Augsburg

Bischof Konrad Zdarsa hat im Augsburger Dom das Osterereignis als Grund zur Freude für die ganze Gemeinschaft der Kirche bezeichnet. "Heute ist dieser Tag, an dem durch das Holz des Kreuzes Freude in alle Welt gekommen ist."

Der christliche Glaube bewahre uns davor, leichtfertig über das Kreuz, über das Leid der Menschen, über Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit, über allen Hass und alle Gewalt hinwegzugehen, so Bischof Konrad. Dies gelte ganz und gar unabhängig von unserer persönlichen Situation oder vom Zustand, in dem sich die Kirche und die Gesellschaft gerade befinden mögen. Das Geschehen in Belgien sei grauenhaft gewesen, blickte der Bischof auf die Attentate in Brüssel zurück. Aber man dürfe auch Zweifel daran haben, ob es in Sinne unseres Auferstehungsglaubens war, die Weihe der Heiligen Öle in der Brüsseler Kathedrale abzusagen. Da gebe es doch nur eine Reaktion für Christen: "Auf die Knie und die Hände erhoben zum Gebet!"

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Bistum Aachen

Diözesanandministrator Weihbischof Karl Borsch hat in seiner Predigt in der Osternacht im Hohen Dom zu Aachen herausgestellt, was dieses Fest bedeutet: "Es geht um das Leben, das durch den Tod hindurchgegangen ist".
Er griff dabei Fragen auf, die viele Menschen bewegen, gerade auch mit Blick auf die vergangenen Tage: "Was mache ich, wenn mir mitten im Leben der Tod begegnet – in der Familie, im Freundeskreis, in den Nachrichten?" Die Antwort auf diese Fragen sei Ostern, aber das Fest sei "keine einfache, keine glatte" Antwort. Denn mit Ostern sei der Tod nicht einfach erledigt. Die Wunden Jesu seien auch am Auferstandenen zu sehen gewesen. Ostern sei die Vollendung des Lebens Jesu. "Ostern kommt Sein ganzes Leben zum Ziel – durch das Kreuz und durch den Tod hindurch" sagte der Weihbischof in seiner Predigt.

Erzbistum Bamberg

In seiner Osterpredigt hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dazu aufgerufen, auch in Zeiten von Kriegen und Terror die Hoffnung und das Gottvertrauen nicht zu verlieren. "Gott behält das letzte Wort und spricht es; das ist an Ostern offenbar worden." Nicht die Feigheit des Pilatus und die Angst der Hohepriester um ihre Macht, nicht die Bosheit der Henker und der Wankelmut der Menge hätten gesiegt, sondern Gott, der seinen Sohn auferweckt hat. Die Auferstehung Jesu befreie von Resignation und Pessimismus und gebe Kraft, sich für das Gute einzusetzen.

Am Leben des Auferstandenen schenke die Taufe Anteil. Sie gebe den Getauften Glaube, Hoffnung und Liebe, die Resignation, Pessimismus und Egoismus, Korruption und Raffgier besiegen, betonte der Oberhirte, der in der festlichen Osternachtfeier auch eine Erwachsenentaufe spendete.

Auch der Getaufte könne im persönlichen Leben Krankheit, Enttäuschungen, Rückschläge, Leid und Katastrophen erfahren und registriere die Kriege, den Terror, Flucht und Vertreibung. "Aber in all dem und über all dem strahlen der Glaube an Gott und das Vertrauen darauf, dass letztlich alles gut werden wird, nicht weil wir gut sind, sondern weil Gott alles zum Guten lenkt." Dafür bürge die Auferstehung Christi nach Leid und Kreuz.

Erzbistum Berlin

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wendet sich in einem Schreiben an seine Diözesanen und freut sich über die freundliche Aufnahme in Berlin, wo er seit einem halben Jahr Bischof ist.

In seinem Schreiben zitiert er den Göttinger Hirnforscher Gerald Hütter: "Menschen sind keine von irgendwelchen Genen auf Konkurrenz und Selbstbehauptung programmierte Roboter, sondern Kinder der Liebe" – um diese Liebe gehe es, so Koch. Er fragt: "Hat unser Herz wirklich vergessen, dass es einen Gott gibt, der immer wieder die Sehnsucht nach Liebe in unser Herz hineinsenkt, die Sehnsucht zu lieben und geliebt zu werden? Die Sehnsucht, dass die Liebe gerade zu den Menschen, die wir von Herzen lieben, im Tod nicht aufhört und auch die Menschen, die mir am Herzen liegen, nicht aus dieser Liebe Gottes herausfallen, sondern wir vielmehr in Liebe verbunden bleiben? Haben wir ganz vergessen, dass wir diesen Gott der Liebe, der uns ins seiner Liebe auch im Tod noch trägt, vergessen haben?"

Gottes Liebe ist stärker als der Tod

Für den Berliner Erzbischof Heiner Koch ist das Fest der Beweis dafür, dass die Liebe stärker ist als der Tod. In seinem Gastbeitrag für katholisch.de blickt Koch auf die Auferstehung Jesu und deren fundamentale Bedeutung für unser Leben.

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Bistum Eichstätt

Ostern zeigt nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke eine neue Perspektive für Mensch und Welt auf, nämlich eine "Zukunft in Gott". Den Menschen erwarte mehr und Größeres als ein "Ablaufen seines Verfallsdatums", sagte der Bischof beim Pontifikalamt am Ostersonntag im Eichstätter Dom. Der Osterglaube stehe gegen ein "business as usual". Wo allerdings der Auferstehungsglaube schwinde, nehme blinde Geschäftigkeit überhand, wachse die Sorge um das menschliche Verfallsdatum ins Krankhafte.

Mit ihrem Engagement für die Mitmenschen und die Welt würden Christen Mitwirkende am Ostergeschehen, betonte Hanke. Der Osterglaube gebe allem, was der Mensch denke, tue und vor allem Gutes tue, einen erweiterten Horizont: "Unsere Fürsorge für den Nächsten, unsere Solidarität mit den Notleidenden, die Offenheit und Gastfreundschaft für den Fremden und Asylsuchenden wie für die Schwestern und Brüder nebenan, das Miteinander in unseren Beziehungsnetzen bleiben dann nicht soziale und humanitäre Handlungen", so Hanke.

Bistum Erfurt

Bischof Ulrich Neymeyr predigte über das älteste erhaltene Osterzeugnis im ersten Korintherbrief des Hl. Apostels Paulus überliefert: "Christus ist am dritten Tag auferweckt worden gemäß der Schrift und erschien dem Kephas dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich." Zwei Aspekte dieses Bekenntnisses hebt der Bischof heraus: Gott steht in Jesus Christus zu seiner Schöpfung, und dass Jesus seinen Jüngern deutlich macht, dass sein Tod am Kreuz nicht das Ende ist, sondern vielmehr der Beginn der Vollendung. 

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Bistum Essen

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ruft Ostern dazu auf, sich stärker den notwendigen Veränderungen in Kirche und Gesellschaft zu stellen und sich offen für Neues zu zeigen. Das Ostergeschehen sei ein Weckruf zu neuem Mut, sagte Overbeck. "Wir dürfen uns nicht in Angst verkriechen, nicht in Abschottung, nicht in Grenzschließungen." Die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu wahrzunehmen, bedeute einzustimmen in das Veränderungspotenzial, "das Gott uns Menschen im Leben schenkt und das auch vor dem Leiden und dem Tod keinen Halt macht", so der Ruhrbischof. 

Erzbistum Freiburg

Die Botschaft von Ostern kann nach den Worten von Erzbischof Stephan Burger "durch nichts und niemanden weg gebombt werden." Diese Botschaft nehme Christen zugleich in die Pflicht, "dem menschlichen Elend abzuhelfen, ob bei uns oder in den Krisengebieten dieser Erde", erklärte der Erzbischof in seiner Osterpredigt im Freiburger Münster. Er sagte wörtlich: "Diese Botschaft kennt keine Unterschiede nach Herkunft oder Volkszugehörigkeit. Und sie endet auch nicht an Stacheldrahtzäunen und Staatsgrenzen."

Diese Osterbotschaft ist nach Überzeugung von Erzbischof Stephan Burger an alle gerichtet, die guten Willens sind: "Diese Botschaft verändert auch heute immer noch die Welt, wo Menschen es noch nicht aufgegeben haben, sich für andere einzusetzen. Diese Botschaft des Lebens will unser ganzen Leben prägen und das über den Tod hinaus." Diese Botschaft lasse "bei aller Beschwernis" immer noch Christen in Syrien beziehungsweise im Nahen Osten ausharren. Diese Botschaft gebe Menschen im Amazonasgebiet immer noch Kraft und Mut, sich mit bestehenden

Unrechtsverhältnissen eben nicht abzufinden. "Diese Botschaft ermutigt bis heute die Schwestern von Mutter Theresa, sich dem einsamen Sterben auf den Straßen und Elendsvierteln in so manchen Metropolen dieser Welt entgegenzustellen", nannte Erzbischof Stephan Burger als weiteres Beispiel.

Bistum Fulda

"Wohin geht der Mensch, der sich von Gott verabschiedet hat? Wo landet eine Gesellschaft, die sich immer mehr von Werten und Grundsätzen trennt, die das christlich-jüdische Welt- und Menschenbild ihr geschenkt hat?" Diese Fragen stellte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in einem feierlichen Pontifikalamt am Ostersonntag im Fuldaer Dom. "Ich befürchte, der Mensch ohne Gott wird immer mehr sein eigenes Experiment. Alles wird ihm technisch machbar, am Ende produziert dieser Mensch sich selbst." Der Oberhirte erinnerte daran, dass eine britische Wissenschaftlerin vor kurzem die Erlaubnis erhalten habe, das Erbgut menschlicher Embryonen gezielt zu verändern. Diese brisante Forschung sei eine "logische Voraussetzung für den nächsten Schritt der Medizin", bei dem es möglich sein werde, das Erbgut von Lebewesen beliebig zu manipulieren. "Alles wird technisch produzierbar, am Ende gar der Mensch, der sich selbst produziert." Der Bischof beklagte die Tendenz einer Gesellschaft, die sich anschicke, nicht nur nach den Schwächen eines Menschen zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie auszusondern. Die Auswahl zwischen "Wertvollen" und "Unwerten" sei weit unter der Würde des Menschen. "Gott allein garantiert die Würde der Schwachen ohne jedwede Bedingung."

Bistum Görlitz

Seine Predigt widmete Bischof Wolfgang Ipolt besonders dem Täufling Robert Kraus, der durch seine Verlobte zum katholischen Glauben fand und durch Bischof Wolfgang die Sakramente der Taufe, Firmung und Eucharistie empfing. "Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand Christ wird in heutiger Zeit. Unter den vielen Möglichkeiten, einen Sinn im Leben zu finden, hat Herr Kraus eine gewählt." so Bischof Wolfgang. Bezugnehmend auf die Erneuerung des Taufversprechens aller Gläubigen betonte Bischof Wolfgang, dass dieses Bekenntnis ohne Einschränkungen ist und tatsächlich ein Wagnis sei. "Christus ist von den Toten auferstanden Er spricht uns auch heute an und wir können ihm so antworten wie es Petrus einmal getan hat. ‚Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens‘ Ja, mehr noch: du bist das Leben selbst! Das glauben wir."

Erzbistum Hamburg

Erzbischof Stefan Heße machte in seiner Predigt im St.-Marien-Dom die Terroranschläge von Brüssel zum Thema: "Dieses österliche Lebenskonzept unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was unsere Gesellschaft gerade in den letzten Tagen durch die Brüsseler Ereignisse aufgeschreckt hat. Als Christen wollen wir so etwas gerade nicht! Wir stehen zu unserer europäisch-christlichen Tradition und wollen alles tun, um sie weiter zu gestalten, um sie weiter zu leben! Wir wollen die österliche Dimension in das alltägliche Leben einbringen und es so bereichern – zum Wohle aller Menschen."

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Erzbistum Köln

Kardinal Woelki predigte in der Osternacht darüber, was es bedeutet, für Gott zu leben, ein österlicher Mensch zu sein: "Jeder Tag enthält für uns diesen Willen Gottes. Es geht um die Dinge, die jeder von uns ohnehin zu tun hat. Aber sie aus dem Glauben heraus zu tun, sie in der Hingabe Jesu zu tun, das heißt, den Willen Gottes zu erfüllen, das heißt, als österlicher Mensch zu leben. Jemand, der in einem Büro arbeitet, lebt so zum Beispiel für Gott, wenn er das Bearbeiten seiner Akten, Anträge und Papiere als Auftrag Gottes heute an ihn versteht. Er lebt so für Gott, wenn er den hinter den Anträgen stehenden Menschen zu sehen versucht. Eine Ärztin, ein Krankenpfleger leben für Gott, wenn sie im Kranken den leidenden Herrn zu erkennen und ihm zu dienen versuchen. Eltern leben für Gott, wenn sie arbeiten, kochen, waschen, putzen, einkaufen, Zeit, Geduld, Mühe investieren, weil Gott ihnen Kinder anvertraut hat. Die Öffnung des Alltäglichen auf Gott hin, das Verstehen des Alltäglichen von Gott her, das ist der springende Punkt."

Bistum Limburg

Auferstehung ist nach den Worten von Weihbischof Manfred Grothe, dem Apostolischen Administrator im Bistum Limburg, die Verheißung, dass Gott vollenden wird, was der Mensch ihm als Stückwert, an Zerbrochenem, an Halbfertigem übergeben wird. "Zum menschlichen Leben gehört, dass es nie ganz sein kann, perfekt und vollendet. Immer bleibt es fragmentarisch, bleibt es Stückwerk. Diese Erfahrung macht jeder", sagte Grothe in seiner Predigt am Ostersonntag im Hohen Dom zu Limburg. Jeder, der lebt, merke über kurz oder lang, dass er nicht perfekt ist. Mit jedem Lebensjahr, das hinzukomme, vertiefe sich dieses Erleben und Erkennen.

Bistum Magdeburg

Christen seien zum "Widerstand gegen die Mächte des Todes, gegen leibliche wie seelische Verkümmerung, gegen alles was Leben schändet, verletzt und zerstört" verpflichtet, erklärte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige am Ostersonntag in Magdeburg. "Die Not der Welt" gehe die Menschen "etwas an, sogar enorm viel."

Engherzigkeit und Ichbezogenheit könne nur überwinden, wer den "Himmel im Blick" behalte, betonte Feige. Gott gebe den Menschen niemals auf. Wer sein Wort höre und es im Glauben annehme, der kann "vielleicht nicht nur beruhigter sterben, sondern auch hoffnungsvoller leben." Auch wenn die Menschen "unberechenbar und verführbar" blieben, seien sie jederzeit fähig, sich vorteilhaft zu entwickeln und "zu neuer Hoffnung aufzubrechen."

Bistum Mainz

Kardinal Karl Lehmann predigte im Hohen Dom zu Mainz am Ostersonntag über die Bedeutung der Auferstehung: "Kein Wort des Glaubens ist frei von Missverständnissen. Auch wer hohe Worte gebraucht, darf nicht sicher sein, ob er sie auf Anhieb richtig versteht. Im Gegenteil, je sublimer und frömmer unsere religiösen Worten sind, umso mehr können sie uns auch verleiten und verführen. Deshalb ist es auch mit dem Hinweis auf Auferstehung und ewiges Leben noch nicht getan. Darum ist es wichtig, wie wir davon reden. Dies gilt besonders auch für die Rede von Jesu Tod und Auferstehung." Der Bischof von Mainz weiter: "Wir spüren heute, besonders auch in diesen Tagen, das Bleigewicht und die Ambivalenz unseres Lebens, eben die Verborgenheit des Heils. Wir dürfen jedoch nie vergessen, was uns dazu Dietrich Bonhoeffer sagt: 'Die Nacht ist noch nicht vorüber, aber es tagt schon.' Jesus Christus, das Licht, hat die Finsternis vertrieben. Dies können wir an Ostern erkennen."

Erzbistum München und Freising

Kardinal Reinhard Marx hat die Christen angesichts der aktuellen Bedrohungen durch Terror und Gewalt wie der anhaltenden Herausforderung durch die hohe Zahl der Flüchtlinge dazu aufgerufen, ein gelebtes Zeugnis der österlichen Botschaft abzulegen. "Als Kirche dürfen wir nicht die Hoffnungslosigkeit der Welt verdoppeln, sondern sollen Zeugen der Hoffnung werden", sagte der Erzbischof von München und Freising in seiner Predigt am Ostersonntag im Münchner Liebfrauendom. "Die Welt braucht ein Gegengewicht gelebter Hoffnung! Gerade jetzt sollen Christen aufstehen gegen die Angst, gegen die Rhetorik der Abgrenzung und Restauration und sich zeigen als Vorhut der Zukunft Gottes." Wie schon Papst Benedikt XVI. gesagt habe: "Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos."

Dass sich angesichts der nicht zuletzt nach den terroristischen Anschlägen in Brüssel wieder einmal beherrschenden Bilder der Gewalt, des Hasses und der Angst Erschütterung und Hilflosigkeit breit machten, sei "durchaus verständlich", sagte Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Allerdings seien sie keine wirkliche Antwort. "In einer reinen Verteidigungshaltung jedenfalls wird man sich vielleicht absichern und überleben, aber Leben gewinnen für die Zukunft werden wir so sicher nicht."

Netzschau: Ostern in den Bistümern

Video-Grußworte vom Bischof, Segenswünsche und wahre Lämmer – so feiern die deutschen Bistümer Ostern im Netz.

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Bistum Münster

Bischof Felix Genn hat Christen zur Offenheit gegenüber Flüchtlingen gemahnt. Christen bräuchten keine Angst haben, "überfremdet oder sogar islamisiert" zu werden, sagte der katholische Geistliche in seiner Predigt am Ostersonntag. Wer aus dem Glauben an die Auferstehung lebe, der könne jedes Gespräch mit Menschen anderen Glaubens aufnehmen - indem er Respekt vor der Überzeugung des anderen habe und gleichzeitig Zeugnis vom eigenen Glauben gebe.

Er erinnerte an den christlichen Auftrag der Nächstenliebe. "Deshalb können wir es ertragen, dass Fremde in unser Land, in unsere Stadt, in unsere Nachbarschaft kommen. Wir brauchen uns nicht vor Menschen abzuschirmen, die in purer Not bei uns ein besseres Leben suchen", sagte Genn laut Predigtmanuskript im St.-Paulus-Dom in Münster.

Bistum Osnabrück

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat in seiner Osterbotschaft dazu aufgerufen, angesichts von Terror und Gewalt in der Welt nicht zu resignieren. "Das Osterfest verbietet uns, die Hoffnung aufzugeben, damit wir fähig bleiben, eine menschenwürdige Gesellschaft mitzubauen", sagte Bode in der Osternachtfeier im Osnabr ücker Dom am Karsamstagabend (26. März). Die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi zeige sich dort, "wo Menschen die Nöte der anderen mitgehen, Zeit und Worte schenken". Sie zeige sich an Krankenbetten und in der Sterbebegleitung durch Menschen, "die bleiben". Wer an diese Botschaft glaube, der glaube auch an eine Barmherzigkeit den Menschen gegenüber, "die bei uns Schutz suchen", betonte Bode. 

Erzbistum Paderborn

"Es gibt eine Liebe, die den Schrecken und die Macht des Todes überwindet, und das nicht erst nach diesem Leben", sagte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Predigt.

Er stellte die Frage nach der Bedeutung der Auferstehung im konkreten Hier und Jetzt an den Beginn seiner Predigt. "Spielt Auferstehung erst nach dem Tod eine Rolle? Immerhin gibt es doch auch ein 'Leben vor dem Tod'. Und dieses Leben kennt nun einmal nicht nur frohe Seiten", sagte er. Dies gelte beispielsweise für kranke, verzweifelte, heimatlose oder trauernde Menschen. Viele stünden ratlos an den Abgründen ihres persönlichen Lebensweges und würden in eine beängstigende Leere starren. "Was ist mit denen, denen nicht nach Singen zu Mute ist und die den Stachel des Todes direkt in ihrem Leben zu spüren bekommen? Können wir da nur hinweisen auf den Trost eines Lebens nach dem Tod?", fragte Erzbischof Becker.

Bistum Passau

Wir feiern den Übergang vom Tod zum Leben, wir feiern Auferstehung des Herrn und wir feiern Auferstehung unsres Herzens", sagte der Passauer Bischof Stefan Oster, der in seiner Osternachtspredigt auf die Bedeutung des Herzens einging. Unser Herz sei ein Abgrund, und zwar im Guten wie im Schlechten. In der Bibel ist das Herz "der innerste Personkern, das was den Menschen ausmacht, der innere Ort, wo unser Denken, unser Wollen, unser Fühlen zusammen kommen und wo Entscheidungen fallen, dort, wo das Gewissen sitzt. Dort, wo wir Verbindung mit Gott haben können und wo wir lieben lernen", so Oster.

Bistum Regensburg

An Ostern richtet sich Bischof Rudolf Voderholzer an die erwachsenen Neugetauften: "Der Glaube an ein Leben nach dem Tod gibt Kraft für die Gestaltung und den Einsatz des Lebens vor dem Tod." Der größtmögliche Gegensatz zu einem Leben aus dem Glauben ist die Zerstörung des Lebens durch Terrorakte mit frevelhafter Berufung auf den Willen Gottes."

Bistum Rottenburg-Stuttgart

Die Botschaft von der Auferstehung Christi hat Bischof Gebhard Fürst als kraftvolle Hilfe gegen Angst bezeichnet. In seiner Predigt am Ostersonntag in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard sagte er, der Ostermorgen bedeute Neuanfang nach der Katastrophe des Kreuzes. Ostern könne in aller menschlichen Begrenztheit "Ängste lösen und zu neuer Freiheit ermächtigen".

Auch in einer hochtechnisierten und sich rasant verändernden Welt gehöre Furcht zum Alltag, sagte der Bischof. Die Verletzlichkeit der Menschen werde durch den Terror der vergangenen Tage erneut deutlich. Das Licht der Osterkerze mit der Botschaft Christi "Fürchtet euch nicht" vermittle dagegen Gottes Ja zum Leben. "Ostern tilgt den Karfreitag nicht aus", betonte der Bischof. Ostern kippe aber die Machtverhältnisse und ermögliche einen Neuanfang. Das unbedingte Ja Gottes könne aus Menschen, die sich oftmals nur noch als Überlebende empfinden, wahrhaft Lebende machen.

Terror, Ungerechtigkeit und Fanatismus dürften nicht die Basis unseres Alltags zerstören, mahnte der Bischof. "Die Osterkerze steht in der Mitte der Kerzen, die auf dem Marktplatz in Brüssel für die Opfer von Terror und Gewalt brennen." Der Bischof mahnte, die Menschen an der griechisch-mazedonischen Grenze bei Idomeni nicht in ihrer Verzweiflung zu lassen. "Hier muss Europa zusammenstehen, nach Lösungen suchen, die die Würde der Menschen auf der Flucht gewährleisten."

Bistum Speyer

"Ostern ist das Fest des Sieges des Lebens über den Tod, der Liebe über den Hass, der Hoffnung und des Mutes über die Angst", betonte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seiner Predigt am Ostersonntag auch im Blick auf die Terroranschläge in Brüssel. "Ostern ist die größte Ermutigung, die es geben kann, dem Terror der Gewalt und der Macht des Todes zu widerstehen."

Bischof Wiesemann feiert die Osternacht im Speyerer Dom
Bischof Karl-Heinz Wiesemann feiert die Osternach im Hohen Dom zu Speyer.
 Bistum Speyer

Der Terror ziele darauf ab, "uns in unseren Lebensgrundlagen zu erschüttern und unsere zivilisierte Gesellschaft in der Wurzel zu destabilisieren", beschrieb Wiesemann die Strategie der Terroristen. Der Terror wolle Menschen radikalisieren, alle Räume der Verständigung, der Versöhnung, der Offenheit verschließen und Menschen durch die Unberechenbarkeit der Anschläge in einen permanenten Zustand der Unsicherheit und Angst versetzen. "Diese Strategie geht auf, wenn auch bei uns die Angst zum politisch bestimmenden Faktor wird. Wenn auch wir in unserer Gesellschaft, die aus unterschiedlichen Kulturen und Religionszugehörigkeiten zusammengesetzt ist, uns gegenseitig unter Generalverdacht stellen", warnte Wiesemann.

Zwar gebe es viele Menschen, die die Werte unserer Gesellschaft verteidigten und sich nicht in die Logik der Angst, des Hasses und der Gewalt hineinzwingen lassen wollten. Trotzdem gebe es aber auch die "Angst der Menschen, die wir sehr ernst nehmen müssen – und sie nicht denen überlassen dürfen, die daraus Profit ziehen wollen", so der Bischof.

Bistum Trier

Bei allem Unverständnis und Hass, bei aller Gewalt und Verachtung, die es in dieser Welt gibt, braucht es ein Übermaß an Gesprächsbereitschaft, an Respekt, an Vertrauen, an Versöhnungsbereitschaft - kurz: an Liebe, um die Welt auf Dauer zu verändern. Das hat Bischof Stephan Ackermann in seiner Predigt in der Osternacht im Trierer Dom gesagt. Er griff damit die Aussage eines franziskanischen Ordensmannes auf, der Sinn der menschlichen Existenz sei es, die Liebe zu leben. "Im Licht von Ostern betrachtet, ist der Satz weder naiv noch romantisch, sondern die einzig wahre Alternative", betonte Ackermann.

Davon zu sprechen, die Liebe zu leben, erscheine zunächst romantisch, weltfremd, unterkomplex und naiv, räumte Ackermann ein. Man sehe doch, dass das nicht funktionierte. So werfe die zurückliegende Woche Fragen auf: "Wo kommen wir hin, wenn wir nicht Grenzen ziehen, wenn wir nicht dem Bösen Einhalt gebieten, wenn wir uns nicht wehren, uns nicht schützen als Individuen und als Gesellschaft?" Auch die großen öffentlichen Diskussionen der vergangenen Monate kreisten letztlich um diese Frage: "Wo kommt unsere Nächstenliebe an ihre Grenzen und ihr Ende?"

Bistum Würzburg

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat Ostern als das Fest der Hoffnung bezeichnet. Es sprenge alle Aussichtslosigkeit, alle Resignation vor dem Leben, alle Angst vor der Zukunft und sogar alle Todesfurcht, sagte Hofmann am Sonntag im Würzburger Kiliansdom. Doch es scheine, dass bei vielen Menschen im Lande die Frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu und damit der Glaube an die eigene Auferstehung nicht mehr ankomme. Es sei zum Teil "absurd und beschämend", was Menschen heute unter Ostern verstünden.

Zum Volltext der Predigt

(fxn mit Material von KNA)

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