"Märtyrer der Liebe"

Vor mehr als 250.000 Menschen ist der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Romero am Samstag in San Salvador seliggesprochen worden. Papst Franziskus würdigte Romero in einer Grußbotschaft als einen der "besten Söhne der Kirche".

Seligsprechung | San Salvador - 23.05.2015

Vor mehr als 250.000 Menschen ist der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Romero am Samstag seliggesprochen worden. An der Zeremonie in San Salvador nahmen auch mehrere Staats- und Regierungschefs sowie zahlreiche kirchliche Würdenträger teil. Geleitet wurde die Messe vom Präfekten der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato.

Papst Franziskus würdigte Romero in einer Grußbotschaft als einen der "besten Söhne der Kirche". Er habe als Märtyrer den Glauben und die christliche Barmherzigkeit mit seinem Leben bis zum Extrem bezeugt. "In schwierigen Zeiten des Zusammenlebens hat es Monsignore Romero vermocht, seine Herde zu führen, zu verteidigen und zu schützen, treu im Glauben und in Gemeinschaft mit der Kirche", so der Papst.

Bereits Stunden vor Beginn der Zeremonie waren die Menschen zu Tausenden auf den Platz Salvador del Mundo im Zentrum der Hauptstadt geströmt. Sie skandierten "Romero, Romero" und sangen religiöse Lieder. Auf Transparenten und Fahnen war zu lesen: "Märtyrer der Liebe" und "Heiliger von Amerika".

Nach der Zeremonie wurde ein überlebensgroßes Porträt Romeros enthüllt. Acht Geistliche trugen in einem Glasschrein das blutverschmierte Hemd Romeros über den Platz, das viele Menschen mit der Hand zu berühren versuchten. Trotz heftiger Regenfälle hatten bereits am Freitagabend in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes tausende Menschen an einer Lichterprozession für Romero teilgenommen.

Romero war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von Unbekannten erschossen worden. Durch seinen Einsatz für die Rechte der Armen hatte der Erzbischof den Hass reaktionärer Kreise auf sich gezogen. Als Auftraggeber des Mordes stehen Militärs im Verdacht; die Hintergründe der Tat wurden nie ganz aufgeklärt.

Im anschließenden Bürgerkrieg zwischen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillagruppen kamen bis 1992 rund 75.000 Menschen ums Leben. Experten hoffen, dass die Seligsprechung von Romero das politisch noch immer tief gespaltene Land eint. "Jetzt kann der Prozess der Versöhnung weitergehen", sagte der Leiter des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka.

Anfang Februar hatte Papst Franziskus Romero als Märtyrer anerkannt und damit den Weg für eine Seligsprechung freigemacht. Das Verfahren war 1990 in San Salvador eröffnet und später im Vatikan fortgesetzt worden. Es wurde mehrfach blockiert, weil Romero Beteiligten des Verfahrens als Repräsentant der Befreiungstheologie verdächtig erschien. Zudem war theologisch zu klären, ob Romero aufgrund seiner Glaubensüberzeugungen oder wegen seiner politischen Parteinahme gegen die damalige Regierung getötet wurde. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) gab den Prozess im Dezember 2012 wieder frei. Durch Papst Franziskus erhielt er kurz nach dessen Wahl im März 2013 einen neuen Anschub. (stz/dpa/KNA)

Linktipp: "Ein politischer Märtyrer"

Es ist eine Seligsprechung, auf die viele lange gewartet haben. Am Samstag ist es nun so weit: Der Märtyrer Oscar Romero wird in El Salvador seliggesprochen. Das ist nicht nur für die Menschen vor Ort ein großes Ereignis, sondern auch für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Zu Gast beim feierlichen Gottesdienst ist deswegen auch dessen Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka.

Zum Artikel

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017