Vatikan hatte ehemaligen Großmeister zum Verzicht aufgefordert

Medien: Festing nimmt doch an Malteser-Wahl teil

Matthew Festing, in der Uniform der Malteser.
Bild: KNA

Der von Papst Franziskus abgesetzte frühere Großmeister des Malteserordens, Matthew Festing (67), will offenbar doch an der Wahl eines neuen Ordensleiters teilnehmen. Das berichten mehrere Medien am Donnerstag. Unklar ist dabei, inwiefern das zuvor vom Vatikan ausgesprochene Verbot der Teilnahme aufgehoben wurde.

Laut dem italienischen "Corriere della Sera" nehme Festing entgegen der vatikanischen Weisung an der Wahl teil. Er sei dazu am Mittwochabend in Rom eingetroffen und stehe auch für eine weitere Kandidatur bereit. Die Zeitung zitiert Festing mit den Worten: "Ich habe die Aufforderung mit großer Traurigkeit und Überraschung gelesen. Ich verstehe nicht, was ich Schwerwiegendes getan habe." Nach Informationen der Zeitung hielt der Vatikan an seiner Aufforderung fest, Festing solle der Wahl fernbleiben, stellte ihm aber eine Gewissensentscheidung frei.

Ordensquellen: Vatikan hat Teilnahme erlaubt

Ebenfalls am Donnerstag berichtete der "National Catholic Register", der Vatikan habe die Teilnahme des ehemaligen Großmeisters am sogenannten Großen Staatsrat der Malteser ausdrücklich zugelassen. Dies hätten Quellen innerhalb des Ordens bestätigt. Demnach hätte die Abwesenheit des Professritters Festing die Wahl laut der Satzung ungültig gemacht. Festing habe dies selbst auch gegenüber dem "Corriere" bestätigt.

Mitte April hatte der päpstliche Sonderdelegat, Erzbischof Angelo Becciu, Festing in einem Brief aufgefordert, der Wahl fernzubleiben. Seine Anwesenheit könne ansonsten "alte Wunden aufreißen" und verhindern, dass das "Ereignis in einer Atmosphäre des Friedens" abgehalten werden könne. Die Entscheidung sei mit Papst Franziskus abgestimmt, so Becciu.

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Der Malteserorden hat turbulente Monate erlebt: Erst schmeißt der Großmeister den Ordenskanzler raus, dann muss er selbst den Hut nehmen. Am Wochenende soll wird nun neu gewählt. Doch es kann eine Besonderheit geben.

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Der Staatsrat der Malteser wählt am Samstag in Rom einen neuen Großmeister. Nach Informationen der römischen Zeitung "Il Messaggero" soll Franziskus an diesem Donnerstag 20 führende Malteserritter zu einer Sitzung ins vatikanische Gästehaus Santa Marta einberufen haben. Hierbei wolle er die Malteser für die Wahl eines übergangsweisen Leiters gewinnen, der den Orden für ein Jahr bis zum Abschluss der Reformen leiten soll, so das Blatt.

Der Brite Festing war im Januar auf Druck von Franziskus zurückgetreten. Übergangsweise übernahm der Österreicher Ludwig Hoffmann-Rumerstein (80) die Leitung des Ordens. Hintergrund war ein Konflikt mit dem Vatikan über die Amtsenthebung des deutschen Ordenskanzlers Albrecht von Boeselager durch Festing im Dezember.

Papst setzt Sonderbeauftragten für Orden ein

Franziskus hatte Boeselager nach einer Untersuchung des Vorgangs wieder in sein Amt eingesetzt. Festing hatte Boeselager vorgeworfen, die Verteilung von Kondomen in Mynamar nicht unterbunden zu haben, obwohl er davon gewusst habe. Im Hintergrund des Konflikts stehen jedoch tiefgreifende Verwerfungen innerhalb des Ordens. Der Papst ernannte Erzbischof Becciu zum Sonderbeauftragten für den Orden und ordnete Reformen an. (kim/KNA)