Schavan ist titellos

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) verliert ihren Doktortitel. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf entschied am Dienstagabend, "die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen". Bei der geheimen Abstimmung gab es zwölf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung.

Plagiatsaffäre | Düsseldorf - 06.02.2013

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) verliert ihren Doktortitel. Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf entschied am Dienstagabend, "die schriftliche Promotionsleistung von Frau Schavan für ungültig zu erklären und ihr den Doktorgrad zu entziehen". Bei der geheimen Abstimmung gab es zwölf Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung.

Eine neue Lebensmöglichkeit. Die wird die CDU-Politikerin jetzt möglicherweise suchen müssen. Denn nachdem der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf ihr am Dienstagabend den Doktortitel aberkannt hat, dürfte die 57-Jährige als Bundesforschungs- und -Bildungsministerin schwerlich zu halten sein - auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), als deren Vertraute sie gilt, ihr mehrfach das Vertrauen aussprach.

Weit aus dem Fenster gelehnt

Schavan hat den Plagiatsvorwurf beharrlich zurückgewiesen. Allerdings räumte sie ein, dass ihr in ihrer 1980 vorgelegten Doktorarbeit "Flüchtigkeitsfehler" unterlaufen seien. Im Mai 2012 hatte ein anonymer Blogger die Affäre ins Rollen gebracht und Schavan vorgeworfen, an verschiedenen Stellen ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht genannt zu haben. Besondere Dynamik bekam der Fall, weil die Ministerin sich zuvor in der Plagiatsaffäre um den CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg weit aus dem Fenster gelehnt hatte: Sie erklärte, dass sie sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich" für Guttenberg schäme. An diesen Worten wird Schavan gemessen.

Die 57-Jährige ist die einzige Ministerin mit Theologiestudium im Kabinett von Merkel. Als frühere Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) kennt sie die katholische Kirche aus dem Effeff. Während die ostdeutsche Naturwissenschaftlerin Merkel die Partei behutsam modernisierte, steht die Theologin Schavan besonders für Werteorientierung: "Unser C ist nicht Dekoration, es gehört zum Kompass. Beliebigkeit ist kein guter Ratgeber." Das hinderte Schavan allerdings nicht, sich mit den katholischen Bischöfen anzulegen: Bei Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik (PID) steckte sie deshalb massive Schelte der Kirchenoberen ein.

Joker für viele Ämter

Schavan, 1955 im rheinischen Jüchen bei Neuss geboren, studierte von 1977 bis 1980 in Bonn und Düsseldorf katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. Anschließend begann sie ihre berufliche Laufbahn bei der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk in Bonn. Nach weiteren Stationen übernahm sie 1991 die Leitung des Begabtenförderungswerks.

Lange galt Schavan in der CDU als Joker, der für viele Ämter gut war. 1995 wurde sie Kultusministerin in Baden-Württemberg. Dort krempelte sie die Schullandschaft um und gewann Profil im Kopftuchstreit. Wolfgang Schäuble holte sie in die Führung der Bundespartei, wo Schavan - unverheiratet und kinderlos - mit dem besten Abstimmungsergebnis eine seiner vier Stellvertreter wurde. 2005 wurde sie Bundesbildungsministerin.

Mit ihrer Doktorarbeit zum Thema "Person und Gewissen" wurde sie 1980 promoviert. Darin plädiert sie für die Autonomie des Gewissens sowie für die Verantwortung des Einzelnen. "Ein treu zu seiner Kirche stehender Katholik" müsse in seine "gewissenhafte Prüfung" die objektiven Normen des katholischen Lehramtes mit einbeziehen, heißt es dort. Dennoch dürfe er aber zu einer "von der lehramtlichen Entscheidung abweichenden Auffassung kommen", die er dann auch vertreten und praktizieren dürfe.

Schavan hat Klage angekündigt

Offen ist nun, wie es politisch mit Schavan weitergeht. Beim Bundesparteitag der CDU in Hannover hatte sie sich von ihrem Amt als stellvertretende CDU-Vorsitzende zurückgezogen. Doch Ende Januar nominierte die CDU in Ulm die Ministerin mit einem Rekordergebnis wieder für den Bundestag. Ihre Lust auf Politik sei ungebrochen, sagte sie unlängst. Erst einmal wird sie gegen die Aberkennung des Doktortitels kämpfen: Noch am Dienstagabend kündigte sie Klage gegen die Entscheidung an.

Von Christoph Arens (KNA)

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