So will Margot Käßmann den Ruhestand verbringen

Als "Luther-Botschafterin" stehen Margot Käßmann noch arbeitsreiche Monate bevor. Doch die Theologin denkt bereits an die Zeit danach - und plant ihren nahenden Ruhestand.

Evangelische Kirche | München - 19.04.2017

Margot Käßmann (58), evangelische Theologin, will im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen. Sie freue sich besonders darauf, Zeit mit ihren Enkelkindern zu verbringen, sagte sie der Zeitschrift "Frau im Spiegel". Ihren Lebensmittelpunkt werde sie dann nach Usedom verlegen, so die frühere Hannoversche Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, die derzeit als Botschafterin des Reformationsjahres unterwegs ist.

Reformator Martin Luther würde den Menschen nach Einschätzung Käßmanns heute sagen, dass sie eine Orientierung brauchten. "Wahrscheinlich könnte Luther nicht begreifen, dass Menschen in Deutschland - in dem Land, in dem er die Bibel in die Volkssprache übersetzt hat - diese Bibel überhaupt nicht kennen." Er würde wohl appellieren, nachzulesen, sich zu informieren und selbst zu denken, so die frühere Bischöfin.

Der Glaube prägt Käßmanns Familie

Der Glaube sei in ihrer Familie ein wichtiges Thema, sagte die Theologin weiter. Sie habe ihre drei Enkel selbst getauft. Ihr gebe es ein gutes Grundgefühl, dass die Kinder "auch im Segenskreis von Gott" stehen. Sie selbst bete oft abends - auch für andere. "Manchmal habe ich das Gefühl, du kannst einem Menschen gar nicht helfen, aber Fürbitte halten."

Gerade in den schwierigen Zeiten zweifle ich nicht.

Margot Käßmann über ihren Glauben

Sie kenne auch Zweifel, bekannte Käßmann. Es gehöre dazu, immer wieder Fragen zu stellen. "Aber gerade in den schwierigen Zeiten zweifle ich nicht, weil ich nicht glaube, dass Gott Krankheit oder Unglück als Strafen bringt. Sondern dass Gott dir die Kraft gibt, mit dem Leid oder den Herausforderungen fertig zu werden." Insofern bedaure sie es, dass Menschen die Kirche verlassen: Der Mensch brauche "Wurzeln, Halt, Traditionen und Rituale". Wer Entschleunigung suche, könne "das in Gottesdiensten einfacher haben" als durch Wellness-Programme. (KNA)

Linktipp: "An Luther kommt niemand vorbei"

Nach dem ersten Drittel des Reformationsjahres zieht Margot Käßmann eine Zwischenbilanz. Dabei erklärt sie auch, warum sie die Einheit von Katholiken und Protestanten langweilig fände. (Artikel von März 2017)

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