Söder will Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität

Nach seinem umstrittenen Kreuz-Erlass will Markus Söder (CSU) nun über Identität reden - und zwar "integrativ, einladend und nicht ausgrenzend". Auch die beiden großen Kirchen sollen dabei sein. Erste Reaktionen gibt es bereits.

Gesellschaft | München - 17.05.2018

Nach dem Wirbel um die neue Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden plant Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nun einen Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes. "Natürlich haben wir eine klare Haltung, aber wir sind offen für das Gespräch", sagte Söder der Deutschen Presse-Agentur in München. "Das soll mit einem großen Runden Tisch erfolgen, der sich über einen längeren Zeitraum austauscht."

Dazu einladen will Söder Vertreter der beiden großen Kirchen; er denkt aber auch an Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, etwa der jüdischen Gemeinden, sowie an Vertreter aus der Wissenschaft, von Brauchtum und Kultur. "Ausdrücklich soll es auch ein Gesprächsangebot an Kritiker sein." Der CSU sei es wichtig, "dass wir mehr miteinander reden anstatt nur übereinander. Das ist ein Angebot einer Diskussion über Selbstvergewisserung: Was bringt ein Land zusammen?", sagte der Ministerpräsident und kündigte an: "Wir wollen über unsere Identität reden, und zwar integrativ, einladend und nicht ausgrenzend. Wir wollen offen intellektuell und emotional diskutieren."

Startschuss nach den Pfingstferien

Losgehen soll es nach den Pfingstferien, also im Juni, mit ungefähr 20 bis 30 Teilnehmern. Nach dem ersten Runden Tisch soll es dann voraussichtlich einzelne Gesprächskreise geben. "Wir wollen keinen klassischen Gipfel mit formalen Positionen, sondern einen offenen Austausch, mit persönlichen Wertungen und Empfindungen", erklärte Söder. "Es geht um das offene Wort - und Zuhören. Für mich ist auch wichtig zuzuhören." Von den beiden großen Kirchen will Söder möglicherweise mehrere Vertreter einladen. "Denn erkennbarerweise gibt es auch innerhalb der Kirchen unterschiedliche Strömungen", erklärte er.

Kardinal Reinhard Marx ist bereit für Gespräche mit der CSU und Ministerpräsident Markus Söder.
 katholisch.de

Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett kürzlich beschlossen, dass im Eingangsbereich jeder Landesbehörde ein Kreuz aufgehängt werden soll. Dies war zum Teil - auch in Kirchenkreisen - als Instrumentalisierung des Kreuzes für Wahlkampfzwecke kritisiert worden. Kritik aus den Kirchen hatte Söder auch mit der Äußerung ausgelöst, das Kreuz sei "nicht ein Zeichen einer Religion", sondern ein "Bekenntnis zur Identität" und zur "kulturellen Prägung" Bayerns. Später stellte er klar, das Kreuz sei "in erster Linie ein religiöses Symbol", gehöre "aber auch zu den Grundfesten des Staates".

Was halten die Kirchen vom Runden Tisch?

Zu den Kritikern zählte auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er hatte Söder vorgeworfen, "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" ausgelöst zu haben. "Wenn das Kreuz nur als kulturelles Symbol gesehen wird, hat man es nicht verstanden", so der Erzbischof von München und Freising damals. Ausdrücklichen Zuspruch hatte es dagegen etwa vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer gegeben.

Zu Söders Idee vom Runden Tisch sagte Marx' Sprecher Bernhard Kellner nun auf Anfrage: "Es ist gut, wenn man ins Gespräch kommt, am besten immer so früh wie möglich." Der Kardinal habe ja schon gesagt, dass die katholische Kirche Gespräche wünsche, fügte er hinzu. Nun bleibe abzuwarten, "wie sich der Runde Tisch konstituieren soll". ZdK-Präsident Thomas Sternberg begrüßte den Vorschlag ebenfalls grundsätzlich. Er habe aber Zweifel, dass das Einlenken von Söder in der Kreuz-Debatte das angespannte Verhältnis zwischen CSU und Kirchen befriede. "Vertrauen wächst erst aus dauerhafter Verlässlichkeit - dafür sind die Fristen noch viel zu kurz", sagte Sternberg der "Augsburger Allgemeinen". Der Sprecher des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes, Michael Mädler, sagte auf Anfrage, bisher wisse man davon nur aus den Medien. Solange keine offizielle Einladung vorliege, werde sich die Landeskirche nicht äußern. (bod/dpa/KNA)

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