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Zukunft auf dem Mars?

Die Menschheit scheint ganz zufrieden zu sein auf der Erde, seit der amerikanische Astronaut Eugene Cernan, Kommandant von Apollo 17, im Dezember 1972 auf dem Mond zurück in sein Raumschiff gestiegen ist. Seither war kein Mensch mehr auf einem fremden Himmelskörper. Den Weltraum erforschen Wissenschaftler von der Erde aus mit ferngesteuerten Robotern wie dem Mars-Rover Curiosity.

Wissenschaft | Bonn - 04.04.2014

Die Menschheit scheint ganz zufrieden zu sein auf der Erde, seit der amerikanische Astronaut Eugene Cernan, Kommandant von Apollo 17, im Dezember 1972 auf dem Mond zurück in sein Raumschiff gestiegen ist. Seither war kein Mensch mehr auf einem fremden Himmelskörper. Den Weltraum erforschen Wissenschaftler von der Erde aus mit ferngesteuerten Robotern wie dem Mars-Rover Curiosity.

Nicht alle sind damit zufrieden. Private Unternehmen arbeiten daran, Menschen ins All zu schicken. Schon jetzt man für etwa 30 bis 35 Millionen US-Dollar die internationale Weltraum-Station ISS besuchen. Die niederländische Stiftung Mars One geht einen Schritt weiter: Sie möchte Menschen auf den Mars schicken – nur mit einem Ticket für den Hinflug.

Aufwendiges Casting

Zurzeit werden die ersten Teilnehmer der Marsmission in einem aufwendigen Casting-Verfahren ausgewählt. 2015 soll der Voraustrupp mit dem Training beginnen. So bereiten sich die künftigen Astronauten darauf vor, wie sie auf sich allein gestellt ihre Mars-Kolonie aufbauen. Nahrung, Medikamente, Reparaturen: Um all das müssen sie sich dann selbst kümmern, ohne Hilfe von der Erde – und ohne die Möglichkeit, die Mission abzubrechen.

Eine mondhelle Nacht mit unzähligen Sternem am Firmament.
Eine mondhelle Nacht mit unzähligen Sternem am Firmament. Sah so der Himmel aus, der die Sterndeuter aus dem Morgenland auf den Weg rief?
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Eine Rückkehr der zunächst vier Astronauten, die 2024 auf dem roten Planeten ankommen sollen, ist nach dem gegenwärtigen Stand der Technik nämlich nicht möglich. Die Kolonie, die sie aufbauen, soll ab 2033 eine dauerhafte Heimat für mehr als 20 Menschen sein. Doch noch weiß niemand, wie Menschen ein dauerhaftes Leben unter den unwirtlichen Bedingungen auf dem Mars meistern. Kommunikation mit der Erde funktioniert, aber nicht in Echtzeit: Funksignale brauchen zwischen drei und 22 Minuten.

Die Gefahren der Reise haben zu einem deutlichen Widerspruch geführt - aus den Vereinigten Arabischen Emiraten: Eine religiöse Behörde hat in einer Fatwa Muslimen die Teilnahme an der Marsmission verboten.

Jesuit: Man kann Mars nur verstehen, wenn dort Menschen leben

Aber wie sind solche Vorhaben aus christlicher Perspektive zu bewerten? Seit dem 16. Jahrhundert betreibt die Kirche in Castel Gandolfo eine eigene Sternwarte. Von Beginn an waren es Jesuiten, die in dem südöstlich von Rom gelegenen Städtchen ihren astronomischen Studien nachgingen. Einer von ihnen ist der Jesuit Bruder Guy Consolmagno, ein Astrogeologe. Als Ordensmann erforscht er Meteoriten und Asteroide.

Er braucht nur einen kurzen Anstoß, und schon redet er mit großer Begeisterung über das ungewöhnliche Thema. Den Plan selbst sieht er differenziert. Einerseits schätzt er den wissenschaftlichen Nutzen einer bemannten Marsmission. Kein Roboter könne menschliche Geologen ersetzen: "Wahrscheinlich werden wir den Mars nicht verstehen können, ohne dass Menschen dort leben und arbeiten."

Und natürlich gebe es Risiken - auch für den fremden Planeten: "Menschen sind sehr unordentlich, ständig verbreiten sie alle Sorten von Mikroorganismen", sagt Consolmagno - und meint das vollkommen ernst: Wenn Mars-Fahrer Spuren von Leben finden würden, könnten sie nie ganz sicher sein, ob sie die Organismen nicht selbst von der Erde eingeschleppt hätten. 50 bis 100 Jahre an technischem Fortschritt brauche es noch, schätzt der Jesuiten-Astronom, bis solche Probleme gelöst seien. Bis dahin sollte der rote Planet lieber aus der Ferne mit Robotern erforscht werden.

Kolumbus und Vasco da Gama

Seit ihrer Gründung zog es die Jesuiten an die Grenzen der Welt. Es überrascht daher nicht, dass Bruder Consolmagno die ethischen Probleme der geringer einschätzt als die islamische Glaubensbehörde. Er vergleicht das Risiko mit den großen Entdeckungsfahrten der frühen Neuzeit, mit Kolumbus und Vasco da Gama.

Deren Missionen seien auch sehr gefährlich gewesen, durch Krankheiten, Hunger und Angriffe der Eingeborenen. "Da kann man kaum behaupten, dass eine Reise zu einer bewohnbaren Kolonie auf dem Mars viel gefährlicher ist." Die Möglichkeit für die Rückreise ist für Bruder Consolmagno nur eine Frage des technischen Fortschritts. Doch so wichtig ist ihm die Rückkehr nicht. Er sieht es philosophisch: "Selbst wenn ein Raumschiff zur Erde zurückkehren könnte, würde es zu einer Erde zurückkehren, die nicht mehr der Ort ist, den die Reisenden verlassen haben."

Seelsorge auf dem Mars?

Für die Seelsorge sei es nicht relevant, ob man auf der Erde oder anderswo im All ist: So wie in der Physik das kosmologische Prinzip besage, dass überall dieselben Naturgesetze gelten, so nimmt Bruder Consolmagno auch an, dass das für religiöse und moralische Wahrheiten auch gelte. "Egal wo wir in Gottes Schöpfung sind: Die Menschen werden immer unter der Schwäche leiden, die wir Christen Erbsünde nennen, sie werden immer das Gebet brauchen und Gottes Liebe."

Eine theologische Problematik gebe es dann aber doch im Weltraum, sagt der Jesuit mit einem Augenzwinkern: Das seien die der Feiertage, die vom (irdischen) Mondkalender abhingen, so wie Ostern. Auch für Muslime sei das schwierig. Schließlich werde im Ramadan das Ende des täglichen Fastens nach dem Mondaufgang bestimmt – nicht ganz einfach auf einem Planeten mit gleich zwei Monden. Ob er selbst dabei sein will? Das ist natürlich eine Frage, schmunzelt der Jesuit, die sich viele Astronomen stellten. "Aber meistens nur abends bei einem Bier."

Von Felix Neumann

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