Deutschlands katholische Bischöfe haben es auch nicht leicht. Wenige Tage, nachdem sie sich durchgerungen hatten, kirchlichen Angestellten in Zweitehe oder in homosexuellen Partnerschaften in der Regel nicht zu kündigen, kam eine neue Forderung aufs Tapet: Sie sollen alle – auch homosexuelle - Formen nichtehelicher Lebensgemeinschaften respektieren, manche auch segnen. Einstimmig hat das "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK), dies beschlossen, vielstimmig antworten und schweigen seither die Bischöfe.
Als erster hat Bischof Oster aus Passau repliziert und dem ZdK Abwendung von der kirchlichen Lehre bescheinigt. Ähnlich äußerte sich Kardinal Marx, signalisierte aber Bereitschaft zum Dialog. 5 der 27 Bischöfe pflichteten Oster bei und lobten seine klaren Worte. Die übrigen 20 Oberhirten äußerten sich, aus welchen Gründen auch immer, zunächst nicht. Ob sie nun klar ablehnen oder interpretierbar schweigen – die Bischöfe sind in einer vertrackten Lage. Sie verteidigen eine kirchliche Morallehre, die von vielen deutschen Katholiken nicht mehr verstanden und nicht geteilt wird. Das ZdK hingegen folgt der Zarah-Leander-Doktrin und summt: "Liebe kann nicht Sünde sein".
Im Film "Der Blaufuchs", in dem das Lied 1938 Weltpremiere hatte, ging es indirekt um die Rechtfertigung von Ehebruch und Zweitehe. Und Bruno Balz, dem schwulen Texter des Liedes, ging es vermutlich noch um mehr: Um seine eigene, damals als sündhaft geltende Sexualität. Dass körperliche Liebe (außer mit Kindern) nicht Sünde sein kann, ist in Westeuropa inzwischen herrschende Meinung. Diesem zivilisatorischen Fortschritt - vielleicht ist es aber auch bloß eine Rückkehr zur vorchristlichen Moral - folgt nun auch das ZdK.
Und die Bischöfe? Sie finden weder in der Bibel noch in Rom das Rüstzeug für eine Ehe-Theologie des 21. Jahrhunderts. Das letzte große Lehrschreiben zum Thema Sex trägt den Titel "Humanae vitae" (1968). In ihm wird noch der unaufgebbare Zusammenhang zwischen Sex und Fortpflanzung behauptet. Seit diese Einheit nur mehr von einer Minderheit akzeptiert wird, stehen die Bischöfe objektiv vor einer großen Herausforderung. Eine katholische Sexualmoral auf der Basis der sündenfreien sexuellen Selbstverwirklichung ist vorerst nicht in Sicht.
Der Autor
Ludwig Ring-Eifel (Twitter: @LudwigRingEifel) ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
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