Deutliches Zeichen an die Kritiker

Stefan Orth über die Reformbemühungen von Papst Franziskus

Standpunkt | Bonn - 26.10.2017

Dr. Stefan Orth ist stellv. Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Er gehört zu den ungewöhnlichen Vorgängen im Pontifikat des gegenwärtigen Papstes. Franziskus rügt öffentlich seinen wichtigsten Mitarbeiter in Fragen der Liturgie. Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Gottesdienstkongregation, hatte nach dem päpstlichen Motu Proprio "Magnum principium" über die Verlagerung von Kompetenzen an die Bischofskonferenzen bei der Übersetzung liturgischer Bücher via Internet sinngemäß erklärt, dass sich nichts Wesentliches geändert habe. Dem hat Franziskus jetzt widersprochen.

In mancher Hinsicht erinnert der Vorgang an die bis heute andauernden Auseinandersetzungen um das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia". Dem Papst geht es offenkundig um eine, wenn auch nur moderate Weiterentwicklung lehramtlicher Positionen. Aber es gibt auch genügend Interpreten, die darauf bestehen, dass mit diesem Dokument alles beim Alten geblieben sei. Sie würden es freilich nicht so vehement tun, wenn sie nicht genau wüssten, dass Franziskus Veränderungen anstrebt.

Der Papst versucht, weiterhin möglichst viele seiner Kritiker mit einzubeziehen. Der Preis dafür: Es geht nur mit Trippelschritten voran. Franziskus ist da ein langer Atem zu wünschen. Umso wichtiger sind Signale, die belegen, dass der Papst sehr genau weiß, wo er hin will. Nach der Nicht-Verlängerung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der Glaubenskongregation hat er jetzt gegenüber Kardinal Sarah ein weiteres überraschend deutliches Zeichen gesetzt.

Ein Problem bei allen Reformbemühungen sind jene ehemals dezidiert "papsttreuen" Netzwerke im Internet, die lautstark gegen jede Neuinterpretation katholischer Lehre agieren. Dass Kurienmitarbeiter zu diesen Plattformen auf Distanz gehen sollten, hat Franziskus in diesem Fall – ganz nebenbei – auch klargestellt.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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