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Fußwaschung zur Seelenrettung

Monika Metternich über Papst Franziskus und seine Zeichen

Standpunkt | Bonn - 22.03.2016

Drei Jahre nach seiner Wahl zum Papst lohnt es sich immer wieder, zurück ins Vorkonklave zu schauen auf seine dortige Stellungnahme, die  wahlentscheidend wurde. Er sprach darin  von "Veränderungen und Reformen, die notwendig sind für die Rettung von Seelen". Eine um sich selbst kreisende Kirche bezeichnete er als schlimmes Übel.

Seither kann man  in seinem Stil einen geistlichen Klimawandel feststellen, der sich, grob gesagt, von einem von manchen missverstandenen  "Formalismus"  hin zum ganz  konkreten Glaubenstun bewegt. Zuweilen wird der Papst  aber  dabei  gehörig  missverstanden.  Unvergessen die Begeisterung einer deutschen Politikerin, die Papst Franziskus "einen unverkrampften Umgang mit dem anderen Geschlecht" attestierte, weil er am Gründonnerstag auch Frauen  die Füße gewaschen hatte. Auf die andere Seite derselben Schublade gehört der Anwurf,  "das Waschen und Küssen von Frauenfüßen" sei unangemessen und unanständig.

Papst Franziskus geht es bei seiner Änderung der entsprechenden Rubrik für die Fußwaschung am  Gründonnerstag hingegen darum, deren liturgische Modalitäten so zu verbessern, dass sie "voll die Bedeutung der Geste ausdrücken, die Jesus beim Letzten Abendmahl setzte". Deren Kern steht unter dem großen Wort  "Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben". Die Betonung dabei liegt auf "wie". Es besagt: Schaut mir zu, wie ich, der Sohn Gottes, es mache, und macht es dann genauso.

Dieses "wie" verkürzen  nun manche  Katholiken darauf, dass Jesus doch klar  nur Männern die Füße gewaschen habe. So müsse das auch bleiben. Andere lesen in  der päpstlichen  Änderung eine überfällige Anerkennung von Frauen oder gar ein  Morgenrot für die  Öffnung des Priesteramtes der Frau. Dem Papst liegen jedoch beide Engführungen fern. Er denkt bereits den Karfreitag und Ostern mit. Bei der Fußwaschung gehe es um  nichts Geringeres als um "Selbsthingabe bis zum Tod, zum Heil der Welt, Christi grenzenlose Liebe".  Eine Liebe, die das ganze Volk Gottes gestalten, durchwirken, verändern  und bis in die äußerste Peripherie  ausstrahlen  soll. Dieses Volk  besteht aus Männern und  Frauen, Klerikern, Ordensleuten  und Laien, Armen und Reichen, Gesunden und Kranken -  die alle zur konkreten Nachfolge Christi berufen sind. Und zwar nicht, um "Anerkennung" zu behalten oder zu gewinnen, sondern Anteil an Christus. 

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Monika Metternich

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