Zwischen Jubel und Weltuntergang

Gudrun Sailer über den Diakonat der Frau

Standpunkt | Bonn - 13.05.2016

Und wieder ein Stein ins Wasser geworfen. Franziskus hat in berüchtigt freier Rede gesagt, er wolle eine Kommission einsetzen, die den Diakonat der Frau prüfen soll. Im Rückblick, wohlgemerkt: Welche Aufgaben genau hatten die Diakoninnen der alten Kirche? Wie war die Sache mit der Handauflegung, also der Weihe? Der Papst antwortete auf die Frage deutscher Ordensoberinnen, die mit 900 anderen Oberinnen aus aller Welt zur Audienz kamen. Franziskus selbst entwickelte im Reden die Idee von der Studiengruppe, man konnte ihm beim Denken zuhören, erzählte eine Ordensoberin, die dabei war.

Nun leben wir nicht hinter den sieben Bergen und wissen, dass die Wörter "Frauen" und "Weihe", im selben Atemzug genannt, für Denkblockaden sorgen. Die kann der Papst zunächst auch dann nicht lösen, wenn er eine sachliche Klärung eines historischen Sachverhalts wünscht und sagt: gehen wir nochmals alles durch, hören wir einander zu, wägen wir ab. In der katholischen Kirche gibt es zu Recht vielschichtige Empfindlichkeiten. Auch eine Einladung zur Vertiefung vom Papst - diesem Papst - bringt manche in Wallung. Eine deutsche Zeitung titelt eher ahnungslos: Kann eine Frau bald Papst werden? Woraufhin die einen jubeln, die anderen Weltuntergang wittern, und alle laut werden. Denkblockaden eben.

Der Diakonat ist die erste von drei Weihestufen, Stufe zwei und drei sind Priester und Bischof. Schon Papst Benedikt XVI., der Vielgeschmähte, hat mitgeholfen, den Diakonat aus dem Dreiklang zu entkoppeln. Diakone dienen dem Volk Gottes, Priester und Bischöfe aber handeln als "Vertreter Christi des Hauptes", wie es im Kirchenrecht seit 2009 heißt. Franziskus weiß, dass Frauen mehr Sichtbarkeit in der Kirche wünschen und brauchen. Sein Nein zu einer Klerikalisierung von Frauen hat er mehrmals wiederholt. Aber erst gestern ist er zum ersten Mal direkt auf die Frage des Diakonats eingegangen: indem er Vertiefung wünscht.

Sollte es eine Untersuchungskommission geben, wie der Papst sie plaudernd ersonnen hat, wäre sie an der Glaubenskongregation angesiedelt oder direkt dem Papst unterstellt. Vielleicht findet Franziskus auch einen anderen, eher synodalen Weg, spielt die Frage also zurück an die Ortskirchen. Klar ist nur: es wird lange dauern und nicht von einzelnen Päpsten oder Kardinälen entschieden (von Frauen zu schweigen). Die Fragen der Kirche hängen weniger an Personen als am Heiligen Geist. Und der wirkt über Personen, aber in der Zeit.

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Radio Vatikan".

Hinweis

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Von Gudrun Sailer

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