2. Juli: Mariä Heimsuchung

Eine heilsame Begegnung

Visitatio

Bonn - 06.01.2015

Die Heimsuchung oder das lateinische Wort "Visitatio" (Besuch) bezeichnet die Begegnung von Maria und Elisabeth, die Lukas in seinem Evangelium (1,39-56) schildert. Maria ist, so würde man heute wohl sagen, ungeplant schwanger. Sie hatte es sicherlich nicht leicht: jung, ohne die Sicherheit einer Ehe und eines geregelten Lebens. Wir wissen nicht, wie es ihr gegangen ist, nachdem der Erzengel Gabriel ihr die Botschaft ihrer Schwangerschaft verkündet hatte.

Vielleicht hat sie begonnen zu zweifeln? Die Bibel schreibt nichts darüber, aber wir können uns gut vorstellen, dass all das Maria durchaus zu schaffen machte und sie unter dem Unverständnis ihrer Umwelt litt. In dieser Situation macht sie sich auf und sucht Unterstützung und moralischen Beistand bei ihrer Cousine, die auch mit dem unerwarteten Eingreifen Gottes in ihr Leben umgehen muss. Denn auch Elisabeth ist schwanger, obwohl sie schon sehr alt ist.

In beiden Fällen bringt die Schwangerschaft den Frauen viel Ungewöhnliches. Beide Frauen müssen damit fertig werden, dass sie eigentlich anderes geplant hatten. Und beiden Frauen gelingt es, zu den Plänen Gottes aus ganzem Herzen Ja zu sagen. So können sie zu wichtigen Mitarbeiterinnen Gottes werden.

Player wird geladen ...
Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um den Begriff Maria und seine Bedeutung im christlichen Glauben.  katholisch.de

Voll Freude über Gottes Heilshandeln jubelt Maria: "Meine Seele preist die Größe des Herrn ..." Dieser Lobgesang, das sogenannte "Magnificat" nach dem ersten lateinischen Wort des Lobpreises, gehört spätestens seit dem heiligen Benedikt von Nursia (480-547) zum kirchlichen Abendgebet und wird seitdem rings auf dem Erdenrund zu Beginn des Abends gebetet (Text siehe unten).

Im Magnificat ist eines der wichtigsten Themen der christlichen Theologie ausgedrückt, nämlich, dass Gott auf der Seite der Armen und Verachteten ist, so wie es die beiden Frauen am eigenen Leib erfahren haben. Wegen seiner hohen Bedeutung ist es kein Zufall, dass dieser Lobpreis im Stundengebet der Kirche, in der Vesper, vorkommt, und so jeden Tag gebetet wird. Im Magnificat kommt zum Ausdruck, dass Gott das Leben will und mit denen ist, die trotz Schwierigkeiten auf ihn vertrauen, so wie Maria und Elisabeth.

Seit 1568 Fest der ganzen Kirche

Ursprünglich stammt das Fest Mariä Heimsuchung wohl aus dem Orient, 1263 führte der heilige Bonaventura das Fest im Franziskanerorden am 2. Juli ein (acht Tage nach der Geburt Johannes des Täufers). Es breitete sich im ganzen Abendland aus. 1568 wurde das Fest auf die ganze römisch-katholische Kirche ausgedehnt.

Nach dem römischen Kalender wird das Fest seit 1969 am 31. Mai gefeiert, vor dem Geburtstag Johannes des Täufers, wie es im biblischen Bericht bei Lukas auch erwähnt ist. (Lk 1,26). Im deutschen Sprachraum ist jedoch mit Rücksicht auf die Volksfrömmigkeit der alte Termin 2. Juli beibehalten worden.

In Deutschland nannte man den Tag früher auch Mariasiep. Der Tag gilt als Wetterwende. Die Wortbildung basiert auf "siepe = triefen"; fällt an Mariä Heimsuchung Regen, regnet es 40 Tage lang. Zur Abwehr von Blitzeinschlägen wurden früher an Mariä Heimsuchung Haselzweige an die Fenster gehängt. (msc)

Magnificat

"Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehn. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig."

Diesen Artikel teilen:

Folgen Sie katholisch.de via     Facebook     Twitter     YouTube     Newsletter

Impressum  |  Über uns  |  Datenschutzerklärung  |  © 2016