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Brückenbauer zwischen Ost und West

Johannes Nepomuk wurde um 1345 in Pomuk, südlich von Pilsen, geboren. Er ist der Patron der Brücken und gilt als Hüter des Beichtgeheimnisses - aus einem besonderen Grund.

Johannes Nepomuk | Bonn - 28.02.2015

Johannes Nepomuk wurde um 1345 in Pomuk, südlich von Pilsen, geboren. Vom 16. Mai, seinem Gedenktag, bis Ende Mai finden ihm zu Ehren vor allem in Tschechien und im süddeutschen Raum Prozessionen und Lichterschwimmen statt, etwa in Würzburg und Bamberg. Initiiert werden die Prozessionen und das Lichterschwimmen von den Ackermann-Gemeinden - ein Zusammenschluss innerhalb der katholischen Kirche.

Er wurde im Jahr 1946 von Heimatvertriebenen aus Böhmen, Mähren und Schlesien gegründet und setzt sich für den Frieden und die Gestaltung der Nachbarschaft deutscher Katholiken mit Glaubensbrüdern und in Tschechien und der Slowakei ein. Unter dem Motto "Wir bauen Brücken" leistet zum Beispiel die Ackermann-Gemeinde der Erzdiözese Bamberg praktische Friedensarbeit im Dienste der Völkerversöhnung vor allem mit Ostmitteleuropa. Jedes Jahr findet in Bamberg Mitte Mai eine Nepomuk-Feier mit Lichterschwimmen auf dem Alten Regnitzkanal unter Mitwirkung tschechischer Geistlicher statt. Auch andere Ackermann-Gemeinden im süddeutschen Raum pflegen diesen Brauch.

Johannes Nepomuk studierte Theologie an der Universität in Prag und später Kirchenrecht in italienischen Padua. Im Jahr 1380 wurde er zum Priester geweiht und im Anschluss zum Generalvikar des Prager Erzbischofs Johannes von Jentzenstein ernannt. Es war keine leichte Amtszeit für den neuen Generalvikar. Denn es herrschten Uneinigkeiten zwischen Staat und Kirche.

Johannes Nepomuk zog den Zorn König Wenzels IV. auf sich. Dieser ließ den Generalvikar am 20. März 1393 festnehmen, foltern und von der Moldaubrücke ins Wasser stürzen. Johannes Nepomuk ertrank. Der Legende nach spielte in diesem Zusammenhang die Beichte der Königin eine Rolle. Wenzel mutmaßte einen Ehebruch und verlangte von Johannes Nepomuk die Verletzung des Beichtgeheimnisses. Als dieser sich weigerte, war sein Schicksal besiegelt.

Gedenktag: 16. Mai

Patron von Böhmen und des Hauses Habsburg sowie der Priester und Beichtväter, der Brücken, der Schiffer, Fößer und Müller.

Historisch belegt ist allerdings eine andere Version: König Wenzel wollte sich die Besitztümer des reichen böhmischen Klosters Kladrau zu eigen machen und die Wahl eines Abtes verhindern. Im Auftrag des Erzbischofs Johannes von Jentzenstein reiste Generalvikar Johannes Nepomuk nach Kladrau, um die Wahl des Abtes durchzuführen und so die Pläne von Wenzel zunichte zu machen. Der berechnende Hintergedanke des Königs war nämlich, sich an den Gütern des Klosters Kladrau zu bereichern. Denn nur so hätte er ein neues böhmisches Bistum gründen und dadurch seine Macht festigen können. Dies vereitelte Johannes Nepomuk mit der Abtwahl – und musste dafür mit dem Leben bezahlen.

Dass Katholiken in Prag Johannes Nepomuk aus der Moldau bergen und im Prager Dom bestatten konnten, ist der Legende nach einem Wunder zu verdanken. Denn die Leiche soll inmitten eines Strahlenkreuzes mit Sternen in der Moldau gelegen haben. Im Angedenken an diese Legende ist der Brauch des Lichterschwimmens um den Gedenktag des Heiligen entstanden. Eine andere Legende erzählt, dass König Wenzel die Leiche von Johannes Nepomuk noch vor der Totenmesse geraubt habe. Doch während der Gebete für den Verstorbenen soll der Dom von einem unbekannten Duft erfüllt worden sein, der durch die Türen hereinkam. Dieser führte die Gläubigen bis zu der Stelle, an der König Wenzel Johannes Nepomuk hatte begraben lassen. Die frommen Prager brachten den Leichnam zurück zum Dom und beerdigten ihn dort.

"Heiliger Sankt Nepomuk, treib' uns die Wassergüss' zurück"

Auch Statuen und Bilder weisen auf die Lichter in der Moldau hin. Denn Johannes Nepomuk wird oft mit einem Sternenkranz dargestellt. Auf anderen Bildern hält er den Finger am Mund – als Zeichen seiner Verschwiegenheit. Er ist der Patron der Brücken, der Schiffer, Flößer und Müller, gilt als der Hüter des Beichtgeheimnisses und soll bei allen möglichen Wassergefahren helfen. So heißt es in einer alten Bauernregel: "Heiliger Sankt Nepomuk, treib' uns die Wassergüss' zurück." Im Jahr 1721 wurde Johannes Nepomuk selig- und acht Jahre später von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. Innerhalb kurzer Zeit avancierte er zu einem der volkstümlichsten Heiligen der Barockzeit in Europa. Es wurden Johannes-Nepomuk-Bruderschaften gegründet, Wallfahrtsorte entstanden.

Auch heute noch gibt es zu Ehren des Heiligen Prozessionen, etwa in Erbes-Büdesheim im Bistum Mainz. Jahr für Jahr findet dort am Sonntag nach dem 16. Mai eine Wallfahrt zum heiligen Johannes von Nepomuk statt. In der Erbes-Büdesheimer Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde ein Altar zu Ehren von Johannes Nepomuk errichtet. Pfarrer Lenes aus dem benachbarten Heimersheim hatte im Jahr 1886 aus Böhmen eine Reliquie des Heiligen nach Erbes-Büdesheim gebracht.

Linktipp: Von Böhmen in die Neue Welt

Es gibt einen Heiligen, der nach Johannes Nepomuk benannt ist: Sein Vater kam aus Franken, die Mutter war Tschechin. Und doch ist der Heilige Johann Nepomuk Neumann (1811-1860) eine herausragende Gestalt des amerikanischen Katholizismus. Er wurde wegen Priesterüberschusses in Europa US-Missionar. Ein Porträt.

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Viele Brückenstatuen in aller Welt erinnern an den beliebten Volksheiligen. Die berühmteste steht auf er der Karlsbrücke in Prag, errichtet im Jahr 1683. Touristen berühren sie oft bei einem Prag-Besuch. Denn das soll Glück bringen und eine Rückkehr nach Prag versichern, wie Stadtführer ihren Gästen gern erzählen. An der Stelle, an der Johannes Nepomuk in die Moldau gestürzt wurde, befindet sich im steinernen Geländer der Karlsbrücke ein Metallkreuz mit fünf Sternen. Auch das soll Glück bringen. Wer seine Hand so darauf legt, dass jeder Finger einen der Sterne berührt, darf damit rechnen, dass ein geheimer Wunsch in Erfüllung geht.

Mit der Zeit entstand ein regelrechter Nepomuk-Brückenbilder-Boom – auch in Deutschland. Statuen von Johannes Nepomuk stehen zum Beispiel auf der alten Mainbrücke in Würzburg, auf der Oberen Brücke in Bamberg, auf der Ahrbrücke in Rech, auf der Rheinmauer hinter der Clemenskirche in Köln. Der Nepomuk-Boom inspirierte sogar den großen Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe zu einem Gedicht:

Auf großen und auf kleinen Brucken
stehen vielgestalt'ge Nepomuken:
von Erz, von Holz, gemalt, von Stein,
kolossisch groß und puppisch klein.
Jeder hat seine Andacht davor,
weil Nepomuk auf der Brucken
sein Leben verlor.

Von Margret Nußbaum

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