3.000 Muslime fordern Hinrichtung von Asia Bibi
Auch pakistanische Regierung steht in der Kritik

3.000 Muslime fordern Hinrichtung von Asia Bibi

Seit vielen Jahren ist Asia Bibi wegen angeblicher Gotteslästerung in Haft. Regelmäßig fordern radikale Muslime ihre Hinrichtung, wie auch jetzt wieder. Doch es gibt Hoffnung für die Christin.

Islamabad - 16.11.2017

Die seit mehr als acht Jahren in einem pakistanischen Gefängnis inhaftierte Asia Bibi ist erneut bedroht worden. Mehr als 3.000 Muslime forderten in Islamabad die Hinrichtung der Christin, berichtete die "agenzia fides", das Presseorgan der Päpstlichen Missionswerke, am Dienstag. Erst im vergangenen Jahr "hatten etwa 150 radikalislamische Religionsführer vor der Verhandlung des Falles von Asia Bibi die Regierung aufgefordert, das Todesurteil zu vollstrecken", zitiert "agenzia fides" den christlichen Menschenrechtsanwalt Sardar Mushtaq Gill. "Islamischer Fundamentalismus ist in der Öffentlichkeit zunehmend präsent", so Gill, der selbst persönlich bedroht wurde.

Das katholische Hilfswerk "missio" erinnerte derweil an die Situation von Asia Bibi und richtete einen Appell an die Politik. "Wir fordern die kommende Bundesregierung zudem auf, sich in Pakistan dafür einzusetzen, dass der Missbrauch der Blasphemiegesetze gesetzlich verfolgt wird. Muslimische und katholische pakistanische Bürger versuchen gerade gemeinsam, eine solche Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen", so Prälat Klaus Krämer, der Präsident von "missio".

Bei der Kundgebung gegen die pakistanische Regierung in Islamabad verlangten die Demonstranten neben der Hinrichtung von Asia Bibi auch den Rücktritt von Justizminister Zahid Hamid und die Freilassung der Anführer von zwei radikalislamischen Gruppen. Bereits in der vergangenen Woche hatten islamistische Prediger zu Gewalt gegen die Familie des Ministers oder der Gotteslästerung beschuldigte Personen aufgerufen.

Hintergrund der Proteste war eine Änderung der Eidesformel für Kandidaten in öffentlichen Ämtern. Die traditionelle islamische Formulierung wurde durch eine neutrale ersetzt, die es auch Nicht-Muslimen ermöglichen sollte, den Eid zu leisten. Die Demonstranten sehen darin eine Beleidigung des Islam. Nach Einspruch beim Obersten Gerichtshof von Islamabad, wurde das Gesetz vom Gericht zunächst ausgesetzt.

Asia Bibi wurde im November 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Im Juli 2015 setzte der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe aus und ermöglichte so eine erneute Anhörung. Im letzten Jahr unterzeichneten mehr als eine halbe Million Menschen aus aller Welt eine Petition zu Gunsten der Christin. Jüngst machte ihr Anwalt Khalil Tahir Sandhu Hoffnung auf eine baldige Freilassung: "Ich bin überzeugt, dass sie in zwei oder drei Monaten frei sein wird", sagte er in einem Interview im Oktober. (rom)

17.11.2017, 9.45 Uhr: ergänzt um den Appell von "missio". /rom