"Baut eine brüderliche Welt"
Papst Franziskus ruft Jugend zu Einsatz auf – und Eltern zur Werteerziehung

"Baut eine brüderliche Welt"

Papst Franziskus hat die Bedeutung der Jugend für die Entwicklung in der Welt hervorgehoben. Jugendliche seien "ein mächtiger Antrieb für die Kirche und für die Gesellschaft", sagte Franziskus am Mittwoch bei einer Messe in der Wallfahrtsbasilika im brasilianischen Aparecida. Eltern und Erzieher müssten auch immaterielle Werte vermitteln, um die Jugendlichen "zu Erbauern einer solidarischeren und brüderlicheren Nation und Welt" zu machen.

Aparecida - 24.07.2013

Franziskus, der ein schlichtes weißes Messgewand trug, nannte Spiritualität, Großherzigkeit, Solidarität, Ausdauer und Brüderlichkeit als zentrale Werte. Diese hätten ihre Wurzel im christlichen Glauben. "Es ist wahr, dass heute alle, und auch unsere Jugendlichen, ein wenig den Reiz der vielen Götzen spüren, die sich an Gottes Stelle setzen und Hoffnung zu geben scheinen: Geld, Erfolg, Macht, Vergnügen", sagte er. Der Papst warnte vor diesen "vergänglichen Götzen" und rief zu einer Rückkehr zum wahren Glauben auf.

"Gott überrascht die Menschen"

Die Menschen sollen positiv auf die Welt blicken und nie die Hoffnung verlieren. "Ein Christ ist frohgemut, er ist niemals traurig." Gott triumphiere stets über das Böse und überrasche die Menschen immer wieder, so Franziskus. Die Messe wurde über Monitorwände auf den Vorplatz übertragen, wo sich bei Regenwetter Zehntausende versammelt hatten. Er unternahm den Abstecher zu dem international bedeutenden katholischen Marienheiligtum im Rahmen des Weltjugendtages in Rio de Janeiro.

Den Wallfahrtsort Aparecida bezeichnete Franziskus als "Mutterhaus eines jeden Brasilianers". "Heute bin ich hierhergekommen, um Maria, unsere Mutter, um ein gutes Gelingen des Weltjugendtags zu bitten und ihr das Leben der lateinamerikanischen Bevölkerung zu Füßen zu legen", sagte er. Der Papst erinnerte auch an die Generalversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates in Aparecida 2007.

Das Treffen war von seinem Vorgänger Benedikt XVI. eröffnet worden. Er selbst hatte als Kardinal Jorge Bergoglio maßgeblich die Abschlusserklärung mitformuliert. "Tatsächlich kann man sagen, dass das Dokument von Aparecida gerade aus der Verflechtung zwischen der Arbeit der Hirten und dem einfachen Glauben der Pilger hervorgegangen ist", sagte Franziskus.

Weihe des Pontifikats unter den Segen der Gottesmutter

Der Papst feierte die Messe nach einem kurzen privaten Gebet vor dem Gnadenbild der Madonna. Dort berührte er das Glas der Vitrine und legte einen Blumenstrauß nieder. Diese Gesten quittierte die Menge vor den Monitoren mit lautem Applaus. Vor dem Schlusssegen stellte er seine Amtszeit unter den Segen der Gottesmutter von Aparecida. Ähnlich hatte er schon im Mai sein Pontifikat der Madonna von Fatima in Portugal geweiht.

Wegen schlechten Wetters legte Franziskus die 200 Kilometer von Rio de Janeiro mit Flugzeug und Hubschrauber zurück. Ursprünglich wollte er die gesamte Strecke im Helikopter fliegen. Auch die Abreise aus seiner Unterkunft wurde eine halbe Stunde vorverlegt.

Für den Nachmittag (Ortszeit) ist zurück in Rio die Einweihung einer neuen Abteilung in einer Entzugsklinik vorgesehen. Das 1985 gegründete "Hospital Sao Francisco" bietet Therapieplätze für inzwischen rund 500 Suchtpatienten. Zwei von ihnen wollen Franziskus bei seinem Besuch aus ihrer Lebensgeschichte berichten. Danach kehrt der Papst in sein Quartier am Wohnsitz des Erzbischofs von Rio zurück.

Mit den Teilnehmern des Weltjugendtages will der Papst erstmals am Donnerstagabend zusammenkommen. Am Strand von Copacabana ist eine religiöse Willkommensfeier geplant. (luk/KNA/dpa)

Stichwort: Aparecida

Aparecida ist der bedeutendste Marienwallfahrtsort Brasiliens. Bis zu elf Millionen Menschen pilgern jedes Jahr in die 150 Kilometer nordöstlich von Sao Paulo gelegene Kleinstadt. In ihrem Zentrum steht eine mehr als 40.000 Menschen fassende Wallfahrtskirche, in der die Gläubigen an einer kleinen Statue der Gottesmutter beten. Das portugiesische Wort "Aparecida" bedeutet "Die Erschienene". Fischer sollen diese schwarze Madonna im Jahr 1717 in zwei Teilen aus einem Fluss gezogen haben. Anschließend erzielten sie der Überlieferung nach einen reichen Fang. Diesem ersten Marienwunder folgten weitere Berichte; es begann eine Verehrung der rund 40 Zentimeter hohen Figur. Zunächst wurde eine Kapelle, später eine große Kirche errichtet. Seit 1955 ist eine neue Basilika in Bau, die Papst Johannes Paul II. 1980 besuchte und weihte. Vier Jahre später erklärte die Brasilianische Bischofskonferenz die Kirche zum Nationalheiligtum. Sie ist bis heute nicht komplett fertiggestellt. 2007 tagte in Aparecida die Vollversammlung des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM. Im Abschlussdokument, das vom heutigen Papst Franziskus mitverfasst wurde, beschlossen die Bischöfe eine kontinentale Mission, die unter anderem kleine Gemeinschaften fördern und der Herausforderung durch evangelikale Sekten begegnen will. (luk/KNA)