Bis zu fünf Jahre Gefängnis für Abtreibung
Polens Regierungspartei will Gesetz noch einmal verschärfen

Bis zu fünf Jahre Gefängnis für Abtreibung

Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo hat sich für ein beinahe vollständiges Abtreibungsverbot ausgesprochen. Außer bei Gefahr für das Leben der Frau sollen Abtreibungen künftig hart bestraft werden. Die Bischöfe unterstützen die Pläne.

Warschau - 01.04.2016

Das bereits jetzt vergleichsweise strenge polnische Abtreibungsgesetz erlaubt Schwangerschaftsabbrüche bei Missbildung oder unheilbarer Krankheit des Fötus, bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Frau sowie nach einer Vergewaltigung oder Inzest. Abtreibungsgegner wollen demnächst beginnen, die erforderlichen 100.000 Unterschriften zu sammeln, um die Volksinitiative beim Unterhaus des Parlaments, dem Sejm, einreichen zu können.

Kaczynski sagte: "In diesem Fall stehe ich als Katholik hinter der Lehre, die die Bischöfe verkünden." Er gehe davon aus, dass die große Mehrheit der Abgeordneten oder sogar die ganze Fraktion den Vorschlag unterstützen werden. Szydlo betonte, dass die PiS-Abgeordneten bei diesem Thema frei nach ihrem Gewissen entscheiden sollten. Für die Abtreibungsdiskussion brauche es politische Klugheit und die "vernünftige Stimme der Bischofskonferenz".

Bischöfe: Das fünfte Gebot muss eingehalten werden

Das Präsidium der Bischofskonferenz fordert in einem am Mittwoch veröffentlichten Hirtenbrief einen "vollen rechtlichen Schutz von ungeborenem Leben". Man dürfe sich nicht mit der jetzigen Gesetzeslage aus dem Jahr 1993 zufriedengeben, die in bestimmten Fällen Abtreibungen zulasse. Das fünfte Gebot "Du sollst nicht töten." müsse eingehalten werden. Der Hirtenbrief wird am Sonntag aus Anlass des "Tages der Heiligkeit des Lebens" landesweit in den Gottesdiensten verlesen.

Das menschliche Leben müsse von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geschützt werden, heißt es in dem Schreiben. "Wir bitten die Parlamentarier und die Regierenden, Gesetze und Programme zu initiieren, die Eltern kranker Kinder und Behinderter sowie bei Empfängnis infolge einer Vergewaltigung konkret helfen", schreiben der Episkopats-Vorsitzende Erzbischof Stanislaw Gadecki, sein Stellvertreter Erzbischof Marek Jedraszewski und Generalsekretär Weihbischof Artur Mizinski.

2014 rund 1.800 Abtreibungen in Polen registriert

2014 wurden in Polen nach Angaben des staatlichen Gesundheitsfonds NFZ 1.812 Abtreibungen registriert. Schätzungen von Frauenrechtlerinnen zufolge treiben jährlich rund 100.000 Polinnen illegal ab, viele davon in der Slowakei und in Tschechien. (bod/KNA)