Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher
"Unseriös, unkollegial und unchristlich"

Bonner Finanzskandal: Schumacher kritisiert Erzbistum Köln

"Unseriös, unkollegial und unchristlich" - so sei der Umgang des Erzbistums Köln mit ihm gewesen, sagt Wilfried Schumacher. Der ehemalige Bonner Stadtdechant gibt zu, im Finanzskandal in der Münsterpfarrei Fehler gemacht zu haben. Doch jeder verwendete Euro habe der Kirche gedient.

Bonn - 09.02.2019

Im Finanzskandal um die Bonner Münsterpfarrei widerspricht der frühere Dechant Wilfried Schumacher seinem Dienstherren, dem Erzbistum Köln. Im Gespräch mit dem Bonner "General-Anzeiger" (Samstag) wertete er den Umgang des Erzbistums mit ihm als "unseriös, unkollegial und unchristlich".

Zwar räumte der 69-Jährige buchhalterische Fehler ein. Doch habe "jeder einzelne Euro, der aus der Treuhandkasse ausgegeben wurde", kirchlichen Zwecken gedient. Schumacher war im Mai 2018 von seinen Ämtern als Stadtdechant und Münsterpfarrer zurückgetreten.

Er wies die Darstellung zurück, ohne Genehmigung des Erzbistums Baumaßnahmen veranlasst zu haben. Das Erzbistum erklärte, dadurch seien der Gemeinde Kirchensteuerzuschüsse entgangen. Die Zuschüsse aus Köln, so Schumacher, seien trotz genehmigter Bauschritte nicht geflossen; dies habe die Finanzkrise am Münster verschärft.

Bezüglich seiner Dienstaufsicht verwies der frühere Münsterpfarrer auf seine Funktion als Seelsorger; die kaufmännische Arbeit habe nicht im Vordergrund gestanden. Auch hätten ihn Mitarbeiter nicht voll über die Lage informiert. Allerdings übernehme er eine "funktionale Verantwortung" für die Finanzmisere.

Zuletzt hatte das Erzbistum Köln mitgeteilt, der Schaden in der Bonner Münsterpfarrei belaufe sich auf insgesamt rund 3,5 Millionen Euro. Zuvor war von zwei Millionen Euro die Rede gewesen, die Schumacher aus dem Substanzvermögen verwandt habe, um Löcher im Etat der Pfarrei zu stopfen. Zweckgebundene Mittel und auch Spenden seien für Ausgaben im allgemeinen Haushalt ausgegeben worden. Auch der Umgang mit treuhänderischen Mitteln sei "in vielen Fällen nicht nachvollziehbar".

Laut der Prüfung im Auftrag des Erzbistums wäre das Bonner Münster bis Mai 2019 zahlungsunfähig geworden. Man habe derweil Maßnahmen zur Konsolidierung ergriffen und Ausgleichszahlungen für den Haushalt geleistet. (rom/KNA)