Boom auf dem Jakobsweg
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Rund 215.000 Pilger strömen 2013 nach Santiago de Compostela

Boom auf dem Jakobsweg

Der Boom auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist ungebrochen. Kurz vor Jahresende und zwei Jahrzehnte nach der Erhebung zum UNESCO-Weltkulturerbe ist klar: 2013 wird als eines der pilgerreichsten Jahre in die Geschichte eingehen. Nie zuvor trafen außerhalb der "Heiligen Jahre" - wenn also der Jakobus-Tag 25. Juli auf einen Sonntag fällt - so viele Pilger in der Apostelstadt im Nordwesten Spaniens ein.

Madrid - 29.12.2013

Die Mitarbeiter im Pilgerbüro unweit der Kathedrale hatten alle Hände voll zu tun, um rund 215.000 Pilgerurkunden auszustellen. Einzig im vorläufig "Heiligen Jahr" 2010 kamen mehr Pilger an (272.412); der Vorjahreswert 2012 (192.488) wurde deutlich in den Schatten gestellt.

Die "Compostela"-Zertifikate bekommen traditionell jene, die mit den Stempelfolgen im Pilgerausweis nachweisen können, mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago gewandert oder geritten zu sein oder die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt zu haben. Was für eine Renaissance die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg in den vergangenen Jahrzehnten gefeiert hat, verdeutlicht der Blick in die Statistik. 1977 wurden 31 Compostela-Urkunden ausgestellt; von Anfang bis Ende der 80er Jahre stieg die Zahl von 209 auf 5.760.

In diesem Jahr waren die meisten Pilger einmal mehr auf dem Hauptweg unterwegs, der sich vom französischen Vorpyrenäen-Städtchen Saint Jean-Pied-de-Port über Pamplona, Burgos und Leon über eine Länge von knapp 780 Kilometern bis Santiago de Compostela spannt. Eine verstärkte Zugkraft verzeichnen der sogenannte Nordweg, der in weiten Teilen parallel zur spanischen Atlantikküste verläuft, und der "Portugiesische Weg" von der portugiesisch-spanischen Grenze ab Tui.

Im August kamen mehr als 1.500 Pilger pro Tag

Im Hochsommer brachen so unerwartete Lawinen von Wallfahrern über das Pilgerbüro in Santiago de Compostela herein, dass kurzfristig mehrere Zusatzkräfte zur Ausgabe der Urkunden herangezogen werden mussten. Im Schnitt waren es bei insgesamt fast 47.000 Ankömmlingen im August mehr als 1.500 pro Tag. Diese mussten sich auf Wartezeiten von bis zu zwei Stunden einstellen. Die Schlangen wanden sich weit in die vorliegende Altstadtgasse hinaus, was viele Pilger nach Wochen der Entbehrungen und Erschöpfung als ernüchternd empfanden - ganz abgesehen davon, dass die Urkundenverteilung ein eher trockener bürokratischer Vorgang ist.

Eine Straße, die an der Kirche in Görlitz vorbei führt. Im Fordergrund die Wegmarkierungen der Pilgerstrecke.

So wie hier in Görlitz weisen jetzt auf 350 Kilometern zwischen Bautzen und Hof Schilder mit der Jakobsmuschel Pilgern den Weg nach Santiago de Compostela.

In den Pilgerherbergen Santiagos ging im Sommer nichts mehr. Die Stadt machte den Anschein, als würde sie aus allen Nähten platzen. Wer um zwölf Uhr mittags an der Pilgermesse teilnehmen und einen Sitzplatz im Querschiff haben wollte, um den berühmten Weihrauchwerfer "Botafumeiro" zu sehen, war gut beraten, mindestens zwei Stunden vorher einzutreffen.

Die Hauptpilgermonate auf dem Jakobsweg spannen sich von Ostern bis Oktober. Wer klimatische Unwägbarkeiten in Kauf nimmt und sich bewusst ist, dass nur ein Teil der Pilgerherbergen jahresdurchgängig öffnet, kann aber jederzeit pilgern. So trafen im Januar 805 Pilger in Santiago de Compostela ein, im Februar 1.382, im November knapp 5.000. Bei den Herkunftsländern der Wallfahrer bleiben die Spanier selbst mit Abstand federführend, bei den ausländischen Nationalitäten die Deutschen, Franzosen und Italiener. Auffällig in diesem Jahr war die Zunahme von Pilgern aus Südkorea.

Bei den offiziell beurkundeten Wallfahrern entfallen etwa 85 Prozent auf Wanderer und 14 Prozent auf Radler. Der geringe Rest sind Reiter und Rollstuhlfahrer. Letztere müssen nach Auskunft des Pilgerbüros keine Mindestdistanz, sondern nur ein kleineres Stück zurückgelegt haben, um die Urkunde zu erhalten. Die rund 215.000 "Compostela"-Urkunden 2013 belegen nur einen Teil des Zulaufs auf dem Jakobsweg. Hinzu kommen mehrere Millionen Besucher jährlich in die Stadt selbst. Dabei steht das nächste "Heilige Jahr" erst wieder 2021 an.

Von Andreas Drouv (KNA)