Das ist die "neue" Kathedrale des Erzbistums Berlin
Ersatzstandort für sanierungsbedürftige St. Hedwig vorgestellt

Das ist die "neue" Kathedrale des Erzbistums Berlin

Die Berliner Hedwigs-Kathedrale muss saniert werden. Ab dem 1. September ist sie deshalb geschlossen. Sowohl die Gemeinde als auch Erzbischof Heiner Koch müssen für ihre Gottesdienste umziehen.

Berlin - 04.07.2018

Mit Blick auf die geplante sanierungsbedingte Schließung der Hedwigs-Kathedrale hat das Erzbistum Berlin am Mittwoch den Ersatzstandort der Bischofskirche vorgestellt: die St.-Joseph-Kirche im Stadtteil Wedding. In dem Gotteshaus an der Müllerstraße sollen ab September alle Gottesdienste der Hedwigs-Gemeinde sowie die zentralen Messen mit Erzbischof Heiner Koch gefeiert werden, erklärte Dompropst Tobias Przytarski vor Journalisten.

St. Joseph ist eine neuromanische Basilika mit Jugendstilelementen und zwei Türmen. Sie ist wie viele katholische Kirchen Berlins in die Häuserfront eingegliedert. In der Kirche wird besonders des hingerichteten Priesters und Hitler-Gegners Max Josef Metzger (1887-1944) gedacht, der während des Zweiten Weltkriegs in der Gemeinde lebte.

"Hier im Wedding ist das pralle Leben"

Man habe sich für die Joseph-Kirche als Ersatzstandort entschieden, weil das von 1907 bis 1909 errichtete Gotteshaus mit rund 450 Sitzplätzen ausreichend groß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sei, so Przytarski. "Ich bin froh und der Gemeinde sehr dankbar, dass wir hier Platz gefunden haben." Der multikulturelle Stadtteil Wedding sei ein ganz anderer Ort als der angestammte Platz der Kathedrale in Mitte. "Hier im Wedding ist das pralle Leben", betonte der Dompropst. Er hoffe, dass die Hedwigs-Gemeinde ebenfalls mit umziehe und möglichst viele Gemeindemitglieder auch nach St. Joseph kämen; "aber das wissen wir natürlich noch nicht".

Laut Pfarrer Ladislao J. Alarcón werden ab September an Sonntagen fünf Gottesdienste in St. Joseph stattfinden, bisher sind es drei. Außerdem solle die Kirche an diesen Tagen ganztägig geöffnet sein. "Ich bin gespannt, wie sich das Miteinander mit dem Domkapitel und der Hedwigs-Gemeinde gestalten wird, aber ich freue mich darauf", so Alarcón.

Die St.-Joseph-Kirche im Berliner Stadtteil Wedding ist in den kommenden Jahren der Ersatzstandort für die Hedwigs-Kathedrale.

Damit die St.-Joseph-Kirche die Erfordernisse einer Kathedrale erfüllt, müssen nach Angaben des Erzbistums bis September noch einige kleinere Maßnahmen erfolgen. Unter anderem werde in einem Seitenschiff ein Podest für die Chöre der Hedwigs-Kathedrale errichtet. Außerdem sei geplant, die Lautsprecheranlage der Hedwigs-Kathedrale auch in St. Joseph zu nutzen. Das Domkapitel werde für seine Erfordernisse die gesamte Sakristei und einige weitere Räume an dem Ersatzstandort nutzen.

Die Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz wird am 1. September für die geplante Sanierung geschlossen. Das Gotteshaus werde dann leergeräumt und die Ausstattungsgegenstände würden eingelagert, erklärte Przytarski. Gleichzeitig würden mit dem Aufbau eines Gerüsts für die Sanierung der Kuppel und der provisorischen Schließung der Unterkirche im Inneren erste Baumaßnahmen starten. Ziel sei es, zum 1. November 2023 – dem 250. Weihetag der Hedwigs-Kathedrale – wieder in das Gotteshaus zurückkehren zu können. Die Kosten für die Sanierung sollen 43 Millionen Euro betragen, die Umgestaltung des benachbarten und ebenfalls sanierungsbedürftigen Bernhard-Lichtenberg-Hauses soll 17 Millionen Euro kosten.

Bischofsgräber bleiben in der Hedwigs-Kathedrale

Przytarski kündigte an, dass die Kathedrale auch nach der Schließung für einige besondere Anlässe noch einmal geöffnet werde. So übertrage die ARD am 24. Dezember die Christmette "auf der Baustelle". Zudem sei dort im November ein "Essen mit Bedürftigen" zum "Welttag der Armen" und eine Ausstellung geplant.

Wie der Dompropst weiter erläuterte, sollen die Bischofsgräber auch während der Bauphase in der Hedwigs-Kathedrale verbleiben. Lediglich das Grab des seliggesprochenen Dompropsts und Hitler-Gegners Bernhard Lichtenberg solle für die Zeit der Sanierung in die Kirche Maria Regina Martyrum (Maria Königin der Märtyrer), die Gedenkkirche der deutschen Katholiken für die Opfer des Nationalsozialismus, verlegt werden. "Wir können uns nicht erlauben, dass Lichtenberg-Grab mehrere Jahre zu verschließen. Die Gläubigen wollen das Grab weiter besuchen", sagte Przytarski. Das Grab solle am 5. November, dem 75. Todestag Lichtenbergs, an den neuen Standort überführt werden. (stz)