CASAMAGICA "Himmelskleid": Animierte Innenraumprojektion Mariendom Linz/Donau.
Bild: © KNA
Künstler bringen den Kölner Dom zum Leuchten

Der Dom wird strahlen

Licht im Dunkel: Ein Programmpunkt des Eucharistischen Kongresses in Köln Anfang Juni wird eine Lichtinstallation im Dom sein. Von Mittwoch bis Samstag (5.- 8. Juni) werden die Lichtkünstler Sabine Weißinger und Friedrich Förster zu Musik das Thema Eucharistie in einer Lichtschau (das Bild zeigt eine ähnliche Schau im Linzer Mariendom) in der Kathedrale darstellen. Im Interview erzählt Weißinger, welcher Vorbereitungen die Lichtinstallation bedarf und welcher Reiz darin steckt, den Dom in ein Lichtkunstwerk zu verwandeln.

Tübingen/Köln - 30.05.2013

Frage: Frau Weißinger, "lux eucharistica" scheint beim Eucharistischen Kongress ein naheliegender Name für ein Kunstwerk. Was steckt dahinter?

Weißinger: Der Titel war zu einem ein Vorschlag und Wunsch des Projektbüros des Eucharistischen Kongresses. Darüber hinaus ist Licht aber ein ganz elementares und positives Symbol der christlichen Religion. Insofern passte es bei unserer künstlerischen Arbeit mit Licht sehr gut zusammen.

Frage: Sie greifen in der Installation, so die Ankündigung, Motive aus der Architektur des Doms, aber auch die Formensprache zur Eucharistie auf - was heißt das genau?

Weißinger: Wir arbeiten mit zwei Elementen. Zum einen gibt es Lichtprojektionen, die Motive zeigen. Zum anderen einfache Lichtstrahlen. So werden wir zum Beispiel die klassischen Motive der Eucharistie, etwa die Ähren, die Weinranken, Wasser und Fische an die Wände projizieren. Diese werden zu Beginn der Lichtinstallation recht deutlich zu sehen sein und dann im Laufe der Veranstaltung zu abstrakteren Darstellungen.

Frage: Gibt es etwas, das sie mit ihrer Installation beim Betrachter gerne auslösen würden?

Weißinger: Die Besucher sind natürlich bereits auf das Thema Eucharistie eingestimmt und nehmen auch den Dom in diesem Zusammenhang war. Insofern wird das Verständnis von Eucharistie bei der Wahrnehmung der Betrachter sicherlich eine Rolle spielen. Wir wollen aber keine Botschaft festlegen, die die Zuschauer in der einstündigen Schau verstanden haben sollen.

Sabine Weißinger
Bild: © KNA

Lichtkünstlerin Sabine Weißinger...

Frage: Ein Gotteshaus als Kunstobjekt? der Kölner Dom wird es durch ihre Hand bereits zum zweiten Mal. Steckt dahinter ein besonderer Reiz?

Weißinger: Es ist insofern ein Reiz, da wir es mit einer großartigen Architektur zu tun haben. Zudem hat das Gebäude für sehr viele Menschen, sowohl im religiösen als auch im kulturellen Sinne Bedeutung. Das macht die Arbeit besonders.

Frage: Sie haben zuvor bereits Installationen an den Pyramiden in Ägypten und auch am New Yorker Bahnhof gemacht. Geht man an diese Projekte anders heran als bei einer Kirche?

Weißinger: Natürlich hat es eine andere Thematik. Grundsätzlich gelten für uns aber bei allen Projekten Ernsthaftigkeit und das gleiche professionelle Engagement.

Frage: Wie gehen Sie denn allgemein an ein Projekt wie «lux eucharistica» heran, wie entsteht das Kunstwerk?

Weißinger: Man schaut sich natürlich das Gebäude an. Nun kannten wir den Kölner Dom und seine klassische gotische Architektur bereits recht gut von unserem letzten Projekt. Die Kathedrale selbst ist ja eine Idee des gebauten himmlischen Jerusalem. Als religiöse Architektur hat sie formale Gegebenheiten, die bei unserer Arbeit auf alle Fälle eine Rolle spielen. Darüber hinaus gehört zur Installation ja auch Musik. Diese Musikstücke haben wir uns intensiv angehört, und dann lehnt man sich zurück und sieht bereits vor sich, welche Farben und Formen dazu passen. Das Ergebnis ist daher ein Zusammenspiel aus Architektur, Musik und Thema.

Friedrich Förster
Bild: © KNA

... und ihr Partner Friedrich Förster.

Frage: Wie viele Projektmitarbeiter haben Sie bei einer Installation dieser Größe?

Weißinger: Der Kern sind immer wir zwei. Zusätzlich haben wir einige spezielle Programmierer in unserem Team. Und in diesem Fall kommen noch einzelne Mitarbeiter vom Dom hinzu. Dann gibt es noch einige Helfer, die ab und zu dabei sind. Die Kerncrew sind etwa fünf Leute.

Frage: Wie lange war Ihre Vorbereitungszeit für die Installation?

Weißinger: Erste Gespräche gab es vor etwa einem Jahr. Im Herbst folgte dann die Ausschreibung für das Projekt, die Ende Januar entschieden war. Und seit etwa drei Monaten arbeiten wir an der intensiven Ausarbeitung.

Frage: Sie können erst wenige Tage vor der Eröffnung des Kongresses mit dem Aufbau anfangen - haben Sie Angst, dass etwas schief geht? Zum Beispiel ein Stromausfall?

Weißinger: Die Aufbauzeiten sind ziemlich knapp, das stimmt. Grund ist, dass der Dom für viele andere Dinge genutzt wird. Wir können ab Sonntag für erste Hintergrundarbeiten in den Dom und werden so viel wie möglich zuhause vorarbeiten. Trotzdem werden wir in den Vorbereitungstagen wohl die Nacht zum Tage machen müssen.

Frage: Und dann wird Ihre Arbeit nach wenigen Tagen bereits wieder abgebaut. Viele Besucher bedauern das vermutlich, Sie auch?

Weißinger: Es ist immer ein bisschen traurig, wenn es vorbei ist. Aber wir beschäftigen uns meistens mit temporären Dingen, und es ist auch immer wieder schön, wenn eine Sache beendet ist und Platz für Neues entsteht. Vielleicht steigert es auch den Wert der Erinnerungen, wenn es Kunst endlich ist.

Frage: Wenn Sie wählen könnten, welches Projekte würden Sie sich nach dem Kölner Dom wünschen?

Weißinger: Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht führt es uns bald in die USA, und natürlich gibt es ein paar architektonische Höhepunkte. Es würde uns aber auch freuen, in anderen gotischen Kirchen oder Kathedralen ähnliche Projekte wie jetzt im Kölner Dom umzusetzen. Es wird sich zeigen, ob das klappt.

Das Interview führte Anna Mertens (KNA)