Ein Weihnachtsmann im Porträt.
Bild: © KNA
Wie eine Vierjährige ihren ersten Nikolausbesuch übersteht

"Der ist supernett"

Der Nikolaus entpuppt sich als Weihnachtsmann und das Mädchen bricht in Tränen aus: Zunächst läuft nicht alles glatt, als die vierjährige Tochter zum ersten Mal auf den Mann mit dem weißen Bart trifft. Ein Erfahrungsbericht der Mama.

Von Janina Mogendorf |  Bonn - 07.12.2015

Durch den Kindergarten vorgebildet "Der Nikolaus kommt mit Eiskönigin Elsa in seinem Glitzer-Schlitten, der von ganz vielen Rentieren gezogen wird, die so heißen, weil sie so schnell rennen können", machte sich unsere Tochter noch bis spät in den Nikolausnachmittag hinein Gedanken, ob es der gute Mann denn schaffen würde, so ganz ohne Schnee.

Als wir um 17 Uhr im dunklen - aber gänzlich unverschneiten - Eifeldorf unserer Freunde ankamen, konnten wir jedoch Entwarnung geben. Wir sahen im Vorbeifahren nicht nur einen, sondern gleich ein Dutzend Nikoläuse, die sich auf dem Dorfplatz auf einen langen Abend vorbereiteten. Töchterlein verschlief diese Eindrücke dankenswerterweise in ihrem Kindersitz, sonst wären wir sicher schon zu diesem Zeitpunkt in Erklärungsnot geraten.

Ob der Nikolaus das Haus findet?

Angekommen, begrüßte uns die Tochter des Hauses mit einem kurzen Winken, bevor sie ihre Nase wieder an der Küchenfensterscheibe plattdrückte. "So sitzt sie schon seit Stunden", grinste ihre Mutter. "Sie hat Angst, der Nikolaus könnte unser Haus nicht finden." So ganz alleine war sie mit dieser Sorge nicht, wie sich bald herausstellte. "Ich habe ihm eine Mail geschrieben und bis heute nichts von ihm gehört", erzählte unsere Freundin weiter. "Ich hoffe, er kommt auch."

Linktipp: Der Heilige, den jeder kennt

Einer der beliebtesten Heiligen ist Nikolaus. Seinen Gedenktag am 6. Dezember kennt wohl buchstäblich jedes Kind. Und das Brauchtum drumherum ist aus der Vorweihnachtszeit nicht wegzudenken.

Während ich noch alarmiert versuchte, mir für diesen dramatischen Fall eine gute Geschichte auszudenken und vorsichtig bei den Vätern anfragte, ob sie denn zur Not im Bademantel und mit Watte im Gesicht… donnerte es plötzlich an die Tür. Schneller kann man zwei wild tobende Vierjährige im Höhenflug nicht erden.

Mit tellerrunden Augen saßen sie still nebeneinander auf der Wohnzimmercouch, während wir Mütter hektisch zum Eingang liefen, um unsere vorbereiteten Geschenke im Jutesack des Nikolauses zu versenken. Wir öffneten die Tür und davor stand… der Weihnachtsmann! "Mist", dachte ich insgeheim. "Jetzt habe ich meiner Tochter eine Woche lang die Unterschiede zwischen Weihnachtsmann (rot, weißer Bommel, Konsum) und Nikolaus (Bischofsmütze, Hirtenstab, Heiliger) eingetrichtert. Das wird Fragen geben!"

Ein immerwährendes Nikolaustrauma?

Aber zunächst einmal gab es von Seiten der Mädels keinen "Piep", als der weihnachtsmännliche Nikolaus sich am Wohnzimmertisch aufbaute, seine Lesebrille hervorholte und begann, aus seinem goldenen Buch vorzulesen. Vor den Kameras der beiden Väter, regnete es Lob und Tadel zu gleichen Teilen und während die Freundin meiner Tochter erhobenen Hauptes jegliche Anschuldigung zurückwies, wurde die Stimme unserer Kleinen immer wackeliger.

Spätestens bei "Ich weiß, dass du auch gerne mal Tränen einsetzt, um zu bekommen, was du willst", begannen selbige zu fließen und ich zog sie schützend und mit schlechtem Gewissen auf meinen Schoß. Ich hatte diese Angaben wohl nach einem etwas anstrengenden Tag zusammengestellt. Aber jetzt, so mit grollender Altherren-Stimme vorgetragen, klang das alles doch etwas drastischer, als es war. Nicht, dass sie nun für immer ein Nikolaustrauma davonträgt, dachte ich besorgt.

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Video: © Bistum Essen

Mit einer kleinen Bastelhilfe aus dem Bistum Essen kann man einen Weihnachtsmann ganz schnell in einen Nikolaus umwandeln.

Während ich gerade zu einem fröhlich-eindringlichen "Nikolaus, Nikolaus, pack die Taschen aus…" anhob, rief auch mein Mann von hinten besänftigend "Na, so schlimm ist es auch wieder nicht". Spätestens da bekam auch der Gabenbringer mit, dass er nun besser seines Amtes walten sollte. Er brach die Strafpredigt ab und griff mit einem beherzten "Da wollen wir doch mal sehen, was ich Euch mitgebracht habe" in die Tiefen seines Jutesacks. Hervor kam… eine Weinflasche.

"Der Nikolaus weiß alles, und zaubern kann der auch"

Auf die verständnislosen Blicke seiner beiden Schützlinge hin, sagte er schnell: "Ach, äh, die ist für den Paul von nebenan." Mit Söckchen, Spängchen und Glitzer-Ballerinas sorgte er aber doch noch für glückliche Gesichter bei den Kleinen und erleichterte bei den Großen. Beim Gehen sprach der Nikolaus  uns Erwachsene an: "Wie ist es mit Euch, wart Ihr eigentlich auch immer brav?" "Ach Herr Nikolaus, Sie müssen sicher schnell weiter. Paul wartet doch nebenan", antworteten wir im Chor.

Als die Tür sich geschlossen hatte, sahen wir uns besorgt nach unseren Kindern um. "Alles okay bei Euch? Wie fandet ihr den Nikolaus?" "Supernett", riefen sie mit leuchtenden Augen. "Der weiß alles, und zaubern kann der auch", konstatierte unsere Tochter. "Wieso zaubern?", fragte ihre Freundin. "Na, wie ist er denn sonst im Glitzer-Schlitten, so ganz ohne Schnee hierhergekommen?!"

Von Janina Mogendorf