Chinesische Fabrikarbeiterinnen in einer Textilfabrik im Osten Chinas.
Franziskus besucht das Zentrum der italienischen Textilindustrie

Der Papst in China-Town

Am Dienstag will Papst Franziskus bei seiner zehnten Inlandsreise die Stadt Prato in der Toskana besuchen. In den dort ansässigen Textilfirmen arbeiten Tausende oft illegal eingewanderte Chinesen unter katastrophalen Bedingungen.

Von Thomas Jansen (KNA) |  Vatikanstadt - 09.11.2015

Die Stadt bietet nach den Worten ihres Bischofs, Franco Agostinelli, "genau die Themen, um die es Franziskus geht: Arbeit, Aufnahme und Integration von Fremden". Mit ihren rund 110 vertretenen Nationalitäten sei Prato ein "Labor für das, was die Gesellschaft der Zukunft sein könnte, für eine multiethnische, multirassische, multireligiöse Gesellschaft", sagte Agostinelli dem Sender "Radio Vatikan". Von den gut 190.000 Einwohnern der Stadt sind nach Agostinellis Angaben rund 30.000 Chinesen.

Eine chinesische Textilfabrik steht zwar nicht auf dem Besuchsprogramm von Franziskus. Doch eine Begegnung mit der "Welt der Arbeit". Bei dieser Gelegenheit dürfte der Papst auch mit einigen Arbeitern aus dem "Reich der Mitte" zusammentreffen. Der Kampf gegen alle Formen der modernen Sklaverei ist ihm ein besonderes Anliegen.

Katastrophale Bedingungen für die Arbeiter

In die Schlagzeilen gerieten Prato und seine chinesischen Textilfabriken im Dezember 2013. Damals kamen durch einen Brand in einer der Fabriken sieben chinesische Arbeiter ums Leben. Die Ermittlungen der italienischen Justiz förderten eklatante Sicherheitsmängel und katastrophale Arbeitsbedingungen zutage. Die Arbeiter lebten in provisorischen Unterkünften aus Gips und Karton innerhalb der Fabrik, in der sie beschäftigt waren. Daraufhin entbrannte in Italien eine Debatte über die chinesisch geführten Textilfabriken in Prato und Umgebung.

Der Kampf gegen die moderne Sklaverei im Arbeitsleben ist eines der Kernanliegen von Papst Franziskus.
Bild: © KNA

Der Kampf gegen die moderne Sklaverei im Arbeitsleben ist eines der Kernanliegen von Papst Franziskus.

Prato ist die erste Station der zehnten inneritalienischen Reise von Franziskus seit seinem Amtsantritt. Erst danach reist Franziskus dorthin, wo es den gemeinen Toskana-Touristen hinzieht: nach Florenz. In der norditalienischen Stadt nimmt er an der fünften nationalen Versammlung der katholische Kirche Italiens teil. Die Veranstaltung mit dem Titel "In Jesus Christus. In einen neuen Humanismus" ist der offizielle Anlass seiner Reise. Es handelt sich um eine Art Synode, bei der Bischöfe, Priester, Ordensleute und kirchliche engagierte Laien über die Zukunft der Kirche im Land debattieren. Ins Leben gerufen wurden diese Versammlungen 1976, um den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils voranzubringen.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Franziskus der katholischen Kirche Italiens eine grundlegende Reform und Neuausrichtung verordnet. Seine Predigt vor der Versammlung im städtischen Stadion von Florenz wird daher mit Spannung erwartet.

Themenseite: Papstreisen

Als Oberhaupt der katholischen Kirche absolviert Papst Franziskus regelmäßig Reisen innerhalb Italiens und in andere Länder. Diese Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Reisen des Heiligen Vaters.

Die Affäre um die Weitergabe vertraulicher Dokumente aus dem Vatikan an Journalisten begleitet den Papst bis nach Florenz. Der Berater des dortigen Bürgermeisters für die Beziehungen zu den christlichen Kirchen und den interreligiösen Dialog, Mario Benotti, legte am Wochenende seine Ämter vorübergehend nieder. Der hohe Regierungsbeamte und frühere Journalist taucht in den Ermittlungsakten der italienischen Justiz über Francesca Chaouqui auf. Die 33 Jahre alte italienische PR-Fachfrau wird zusammen mit einem spanischen Priester vom Vatikan des Geheimnisverrats beschuldigt. Benotti streitet jede Verwicklung in die Affäre ab.

Kein Treffen mit dem Ministerpräsidenten

Irritationen gab es vor der Reise über Berichte, Franziskus habe ausdrücklich den Wunsch geäußert, nicht mit Ministerpräsident Matteo Renzi zusammenzutreffen. Renzi war zuvor Bürgermeister von Florenz. Der Vatikan wies diese Behauptung zurück. Renzi könne aufgrund anderweitiger Verpflichtungen nicht nach Florenz kommen, um den Papst zu treffen, teilte der Leiter des vatikanischen Presseamtes, Federico Lombardi, am Wochenende mit. Renzis Familie werde jedoch an dem Gottesdienst mit Franziskus in Florenz teilnehmen.

Von Thomas Jansen (KNA)