Die dunkle Seite wird erschüttert
Am Donnerstag startet "Star Wars: Episode VII" in den Kinos

Die dunkle Seite wird erschüttert

Das Warten hat ein Ende: Fans weltweit freuen sich auf "Das Erwachen der Macht", den neuen "Star Wars"-Film . Das große Weltraum-Epos transportiert trotz aller dunklen Seiten ein grundlegend positives Menschenbild.

Von Felicitas Kleiner |  Bonn - 16.12.2015

Und sogar der dunkle Ritter, der sich anschickt, in die Fußstapfen des Superfinsterlings Darth Vader zu treten, bekennt seinem Meister, dass er trotz seines festen Vorsatzes, der dunklen Seite zu dienen, die Sirenenstimme der hellen Seite noch in sich spürt. Als er später dennoch die abscheulichste Gräueltat verübt, der sich je ein "Star Wars"-Schurke schuldig gemacht hat, tut er einem fast Leid, weil man weiß, dass er damit nicht zuletzt seine eigene, bessere Natur zu ermorden versucht.

Das grundlegend positive Menschenbild, das sich in solchen Charakterisierungen abzeichnet, ist einer der Aspekte, die die Science-Fiction-Fantasien von Regisseur J.J. Abrams so liebenswert machen. Selbst wo er in seinen "Star Trek"-Filmen und jetzt in "Star Wars: Das Erwachen der Macht" von düsteren Zuständen erzählt, vertritt Abrams den optimistischen Glauben daran, dass der Mensch einen instinktiven Hang zum Guten in sich trägt. Und lässt das Ganze auch noch bestechend gut aussehen: moralische Entwicklungen als spektakuläre Abenteuer in sternschimmernden 3D-Weltraumweiten, fein austariert zwischen augenzwinkerndem Humor und ganz großer Gefühlsoper.

Die Hauptrollen im siebten Teil der "Star-Wars"-Saga übernehmen zwei Newcomer: Daisy Ridley als "Rey" (l.) und John Boyega als "Finn" (r.).

Wo sich die "Star Wars"-Filme der Jahre 1999 bis 2005 damit überstrapazierten, noch mythischer sein zu wollen als die längst zum modernen Mythos gewordene Original-Saga (1977-1983), halten sich Abrams und sein Co-Drehbuchautor Lawrence Kasdan klugerweise zurück: Sie versuchen erst gar nicht, etwas von staatstragender Bedeutsamkeit zum "Star Wars"-Kosmos hinzu zu erfinden. Vielmehr lehnen sie sich deutlich an "Krieg der Sterne", den ersten "Star Wars"-Film aus dem Jahr 1977 an, um in diesem Rahmen umso kreativer alle Energie in die Ausgestaltung zu stecken.

Ohne die Jedis hat die dunkle Seite der Macht leichtes Spiel

Luke Skywalker, der letzte der Jedi-Ritter, ist verschwunden – so teilt es der Titelvorspann mit, und damit sind die Erzählprämissen gesetzt: Ohne die Jedis hat die dunkle Seite der Macht in neuer Gestalt die Herrschaft in der Galaxis an sich gerissen. Wieder gibt es mutige Rebellen, die gegen diese Diktatur aufbegehren, und wieder verschlägt es einen drolligen Droiden, der eine für die Freiheitskämpfer wichtige Botschaft trägt, auf einen gottverlassenen Wüstenplaneten, wo ein einfacher, aber doch ganz besonderer junger Mensch lebt, der seine (diesmal: ihre) Berufung zur guten Seite erst noch entdecken muss.


So weit, so vertraut. Und so soll es auch sein: Han Solos Dialogzeile "Chewie, we’re home" ist ein Versprechen, das der Film einhält: Regisseur Abrams zelebriert das Franchise als fiktive Heimat, die er mit den Fans teilt. Allerdings ruht er sich nicht in Nostalgie aus, sondern schlägt mit gut entwickelten Figuren neue Funken aus dem alten Stoff.

Die in wenigen präzisen Sequenzen neu eingeführten Charaktere (die junge Wüstenplanet-Bewohnerin Rey, der Sturmtruppen-Deserteur Finn und der Rebellen-Pilot Poe) tragen dazu ebenso bei wie die bittersüße Fortschreibung der Beziehungsgeschichte von Leia und Han, die einst durch eine Tragödie auseinander gerissen wurden, sich nun aber wieder finden, um erneut den Kampf gegen die dunkle Seite aufzunehmen. Das Schmieden von Freundschaften und Allianzen, das Ringen der Helden mit der Last der Verantwortung, der tragische Schatten familiärer Verstrickungen: Sie sind der emotionale Zündstoff, der all den Weltraumschlachten und Abenteuern auf fremden Planeten erst den richtigen Drive gibt.

Stellungnahme der Filmkommission

Knapp 40 Jahre nach der "Rückkehr der Jedi-Ritter" droht die dunkle Seite der Macht in Gestalt des "First Order" erneut die Herrschaft in der Galaxis an sich zu reißen. Rebellen unter Führung von General Leia leisten Widerstand. Ein junger Sturmtruppensoldat desertiert aus der Armee des Bösen, und ein Droide, der Daten zum Auffinden des verschollenen Helden Luke Skywalker bewahrt, begegnet einer jungen Frau auf einem Wüstenplaneten, was Ereignisse in Gang setzt, die die dunkle Seite erschüttern. Die Fortführung der "Star Wars"-Reihe lehnt sich deutlich an den ersten Film aus dem Jahr 1977 an und feiert ebenso genüsslich wie augenzwinkernd ein Wiedersehen mit Motiven und Figuren, während gut konturierte neue Figuren und Konfliktlinien das Geschehen emotional stimmig weiterführen. Die detailreiche Ausstattung kreiert die plastische fiktive Welt als Grundlage für eine fein austarierte Mischung aus Humor, Action und großer Gefühlsoper. – Sehenswert ab 12.

Filmdienst

Die Filmkritik wurde katholisch.de vom Magazin "Filmdienst" zur Verfügung gestellt. Seit 1947 begleitet der Filmdienst wie kein anderes Magazin kritisch das Kinofilmgeschehen. Herausragende Porträts von Filmschaffenden stehen neben umfassenden Filmkritiken zu jeder Kinopremiere in Deutschland, spannende Debatten neben aufschlussreichen Interviews, Hintergrundberichte neben Neuigkeiten aus der Filmwelt. Die Beilage "Film im Fernsehen" informiert über sehenswerte Filme im Fernsehen. Die Datenbank CinOmat ist ein beispielloses Nachschlagewerk, das mehr als 250.000 Filmschaffende mit fast 75.000 Filmen verknüpft. Der Filmdienst ist darüber hinaus Herausgeber des "Lexikons des Film", zeichnet neue DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen mit dem "Silberling" aus und verleiht gemeinsam mit dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit jährlich den "Caligari-Filmpreis".

Von Felicitas Kleiner