Kardinal Reinhard Marx begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel
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Merkel spricht am Montag beim Diözesanempfang

Die Kanzlerin kommt zu den Katholiken

Es ist nicht nur eine Rede auf einem Diözesanempfang: In Würzburg wird Bundeskanzlerin Merkel zum katholischen Deutschland sprechen. Auch Kardinal Marx nimmt teil - ein Politiker kommt jedoch nicht.

Von Christian Wölfel (KNA) |  Würzburg - 22.01.2017

Es dürfte ein Heimspiel werden für Angela Merkel - ausgerechnet in Bayern. Am Montag wird die Bundeskanzlerin beim Würzburger Diözesanempfang sprechen, und die Nachfrage nach Plätzen war so enorm, dass die Veranstaltung von der Universität ins Congress-Centrum der Stadt verlegt werden musste. Trotzdem kann das Bistum nur rund die Hälfte der über 4.000 Anmeldungen aus Kirche, Politik und Gesellschaft berücksichtigen, die die Kanzlerin zum Thema "Verbundenheit in offener Gesellschaft: Pluralität und Identität - Herausforderung und Chance" hören wollen.

Der Empfang mit der CDU-Chefin ist zunächst einmal ein Coup für den Würzburger Ortsbischof Friedhelm Hofmann, der dieses Jahr nach seinem 75. Geburtstag aus dem Amt scheiden wird. "Es ist wichtig, dass wir uns mit den Grundlagen unseres Zusammenlebens beschäftigen", ließ Hofmann wissen, als der Termin veröffentlicht wurde.

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Zum CSU-Parteitag kam sie nicht nach Bayern. Zur Kirche aber wird sie kommen. Im Januar spricht Kanzlerin Angela Merkel beim Würzburger Diözesanempfang. Im Publikum: Ortsbischöfe aus ganz Deutschland.

Dass die Zusage in direktem Zusammenhang mit des Bischofs scharfer Kritik an den Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zu einem ministrierenden und Fußball spielenden Senegalesen stehe, ist wohl eher eine Legende. Denn so ein Termin hat in der Regel mehr als nur wenige Monate Vorlauf. Doch dass Merkel den Auftritt auf einer prominenten katholischen Veranstaltung in Bayern ganz ohne strategische Überlegungen zusagt, dürfte ebenso unwahrscheinlich sein - noch dazu in einem Wahljahr.

Dafür lohnt sich ein Blick acht Jahre zurück. Im Juli 2009, ebenfalls wenige Monate vor einer Bundestagswahl, sprach die Kanzlerin im Münchner Kardinal-Wendel-Haus über "Politisches Handeln aus christlicher Verantwortung". Da war der Streit um das Agieren von Benedikt XVI. rund um die Rücknahme der Exkommunikation des Holocaust-Leugners, Bischof Richard Williamson, von den Piusbrüdern nur wenige Monate alt. Merkel hatte den Papst zuvor zu einer eindeutigen Klarstellung über den Umgang mit dem Holocaust aufgefordert - ein Akt, der von manchem Katholiken als äußerst unfreundlich empfunden wurde. Die Kanzlerin hatte etwas geradezurücken.

Die Ausgangslage ist eine andere

Die Ausgangslage ist diesmal anders. Denn immer noch finden sich gerade unter den Ehrenamtlichen in den Gemeinden viele, die die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik schätzen - trotz des EU-Türkei-Abkommens und so manch anderer Verschärfung. Die Rede in Würzburg: Sie könnte so etwas wie die Botschaft an das katholische Deutschland sein. Und das ist dann passenderweise auch noch an diesem Tag zu Gast in der Stadt am Main - zumindest in Gestalt der Diözesanbischöfe, die zwei Tage lang ihren Ständigen Rat abhalten.

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Ernsthafter Streit zwischen CSU und katholischer Kirche waren in Bayern über Jahrzehnte undenkbar. Doch spätestens mit den jüngsten Vorschlägen der CSU zur Flüchtlingspolitik werden die Differenzen in der Sache deutlich und der Ton scharf. Begonnen hatte die Entfremdung schon viel früher. (Artikel von Oktober 2016)

Auch wenn längst nicht alle Oberhirten im Congress-Centrum vertreten sein werden, so kommt doch immerhin mit Kardinal Reinhard Marx nicht nur deren höchster Repräsentant, sondern auch ein Kirchenmann, der immer wieder lobende Worte für Merkel findet. Fehlen dagegen wird in Würzburg wohl einer, der 2009 in München noch im Publikum saß: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Er lässt sich von Justizminister Winfried Bausback vertreten.

Im vergangenen Herbst hatte der Aschaffenburger CSU-Politiker auf Facebook deutlich gemacht, dass das Verhältnis zwischen Christsozialen und Kirche in Bayern schon einmal besser war. "Die Kritik der Eminenzen" an seiner Partei sei "vielfach überzogen, undifferenziert und meines Erachtens auch unchristlich". Und es knirscht immer noch. Das mag auch daran liegen, dass die verbindenden Kräfte weniger werden in der Partei. Mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wird eine davon mit in Würzburg im Publikum sitzen.

Ebenfalls mit von der Partie ist Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. Er macht den Termin für Merkel ebenfalls zum Heimspiel. Denn Schuchardt gehört nicht nur der CDU an, sondern ist ein konsequenter Verfechter des "Wir schaffen das" - auch bei Konferenzen im Vatikan.

Von Christian Wölfel (KNA)