Distanzierung von Luthers Judenfeindschaft geplant
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EKD-Synode erarbeitet Erklärung zum Antisemitismus des Reformators

Distanzierung von Luthers Judenfeindschaft geplant

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) plant eine Distanzierung vom Antisemitismus Martin Luthers. Ein entsprechender Entwurf wurde am Montag vorgelegt. Eine hessische Synodale forderte zudem eine Absage an die Judenmission.

Bremen - 09.11.2015

Luther habe zentrale Einsichten seiner Theologie mit judenfeindlichen Denkmustern verknüpft. "Heute sehen wir, dass Luthers Sicht des Judentums und seine Schmähungen gegen Juden im Widerspruch zum Glauben an den einen Gott stehen, der sich in dem Juden Jesus offenbart hat", heißt es weiter in dem Entwurf, der von der Synode an die Ausschüsse überwiesen wurde und voraussichtlich am Mittwoch beschlossen wird.

Mit dem Text wolle die Synode nichts relativieren, sagte Schwaetzer. "Wir wollen den Blick so klar machen wie es nötig ist und wie es mit Recht von uns erwartet wird." Schwaetzer kündigte zudem an, dass sich die Synode in den nächsten Monaten intensiver mit dem Thema Judenmission beschäftigen wolle. "In unseren Reihen sind unterschiedliche Strömungen vertreten", so die Präses der Synode. "Das gibt uns nicht nur das Recht, sondern auch die Verpflichtung, uns mit der Frage auseinanderzusetzen, was wir dazu gemeinsam sagen können."

Synodale fordert Ablehnung der Judenmission

Die Hessen-Nassauische Synodale Gabriele Scherle beklagte, dass der Abschnitt zur Judenmission in der aktuellen Erklärung fehle. Schon vor 25 Jahren habe ihre Landeskirche der Judenmission eine Absage erteilt. "Es gibt im Blick auf die Judenmission theologisch nichts mehr zu sagen", so Scherle. "Wir können das Reformationsjubiläum nicht mit gutem Gewissen feiern, wenn wir die für heute notwendigen Konsequenzen einfach verweigern - und dazu gehört die Absage der Judenmission." (KNA)

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