Ehevorbereitung wie es uns gefällt?
Projekt der katholischen Kirche hat junge Paare begleitet

Ehevorbereitung wie es uns gefällt?

Wer heiraten will, ist oft im Organisationsstress. Die Beziehung kann dabei zu kurz kommen - obwohl sie eigentlich das Kernthema sein sollte. Ein kirchliches Online-Projekt unterstützt Paare dabei.

Von Julia Martin |  München/Bonn - 31.08.2017

Nicola Neubauer betreibt ein Hochzeitsblog. Sie gibt Paaren Tipps  zur individuellen und kreativen Gestaltung, stellt Locations vor und bietet Hochzeitscoachings an. Und dann ist sie Redakteurin bei "Heiraten wie es uns gefällt". Eine Hochzeitshomepage der katholischen Kirche. Doch das sieht der Leser erst in der Selbstvorstellung. Über ein Jahr sind dort Paare während ihrer Hochzeitsvorbereitungen begleitet worden. In Video-Interviews erzählen sie über ihre Details ihrer Hochzeitsplanung, aber setzen sich auch mit Aspekten ihrer Beziehung auseinander: Liebe, Glück, Optimismus, Zweifel. Der Hintergrund: Mit "Expeditiven und Hedonisten über das Thema Spiritualität in Kontakt zu kommen" – und das am Beispiel des Themas Hochzeit, erklärt Redakteurin Nicola Neubauer.

Normalerweise steht nach der Verlobung bis zur Hochzeit Planungsstress für die Paare an. Hochzeitstermin, Location, Catering, Gästeliste, Einladungen – und dann geht es erst an die Detailplanung. Statt Zweisamkeit basteln sie oder delegieren Aufgaben an Trauzeugen und Familie. Stress statt Vorfreude. Für die Teilnehmer von "Heiraten wie es uns gefällt" kam noch etwas dazu: Über die Beziehung mit dem Partner zu reflektieren. Eine Belastung war das aber nicht, wie Andrea Fichtel, eine der Bräute, erzählt: "Das hat uns immer wieder erinnert, um was es eigentlich geht." Sie und ihr Mann haben in einer freien Trauung geheiratet. Ursprünglich hatten sie vor, kirchlich zu heiraten, haben sich dann aber wegen fehlender Kirchenbindung dagegen entschieden. "Wir gehen nie in die Kirche und das wäre für uns wie eine Heuchelei gewesen."

Bei dem Projekt wollte Andrea Fichtel dennoch mitmachen. Sie kannte Nicola Neubauer von ihrer Arbeit als Hochzeitsfotografin und war neugierig, wie sich andere Paare auf ihre Hochzeit vorbereiten. Sie und ihr Partner haben sich vor den Interviews ausgiebig mit den Fragen beschäftigt. Vertrauen, Optimismus aber auch Zweifel waren die Themen. "Uns hat das in gewisser Weise noch einmal näher zusammengebracht", erzählt Fichtel. Vielleicht wären sie in einer kirchlichen Ehevorbereitung zum gleichen Ergebnis gekommen. Diese haben sie aus verschiedenen Gründen aber nicht gewollt. Einer davon: Als Paar "unter sich zu sein".

Beziehungsanalyse statt Hochzeitsplanung

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Jasmin Quast. Sie und ihr Mann Steven haben vor der kirchlichen Trauung an einem Ehevorbereitungstag in der Pfarrei teilgenommen. Zufrieden waren sie damit allerdings nicht. Es seien zu viele Teilnehmer gewesen. "Man kannte sich nicht und dann redet man auch nicht so offen", sagt sie. Ihr Mann und sie seien eher zurückhaltend gewesen. Im Nachhinein habe die beiden auch der Inhalt enttäuscht: "Wir haben nicht so viel über die Beziehung gesprochen, das war nur ein kleiner Teil." Die meiste Zeit sei es um Organisatorisches gegangen: Ablauf des Gottesdienstes, Mitgestaltungsmöglichkeiten, Voraussetzungen für die Trauung. Das kannten die beiden allerdings bereits aus dem Traugespräch mit ihrem Priester.

Etwas anderes hätten sich Jasmin und Steven Quast mehr gewünscht. Eine Vertiefung ihres Traugesprächs, in dem es um die Veränderungen ihrer Beziehung nach der Ehe ging. "Unser Pfarrer hat uns dort mit auf den Weg gegeben, dass wir dann den richtigen Partner gefunden haben, wenn wir bei ihm so sein können wie wir sind und uns nicht verstellen müssen. Und dass wir immer das gegenseitige Wohlwollen im  Fokus haben sollen", erzählt Quast. Mehr von diesen wegweisenden Worten habe sie sich vom Ehevorbereitungstag erhofft. Im Rahmen des Projekts "Heiraten wie es uns gefällt" habe sie sich aber mit diesen Punkten auseinandergesetzt. "Das hat die Vorbereitung noch besser gemacht, weil das Thema so für uns intensiver war."

Als Paar über seine Beziehung zu sprechen und zu reflektieren ist etwas, was in der Vorbereitung auch laut Hochzeitsblog-Betreiberin Nicola Neubauer zu kurz kommt. Mit derartigen Themen dürften und sollten sich ihrer Meinung nach Paare neben der organisatorischen Planung auseinandersetzen. Eine Chance, die die Kirche im Rahmen von Ehevorbereitungsseminaren bereits nutzt? "Natürlich hat die katholische Kirche Angebote für Paare." Es gebe Angebote, die auch gut zugeschnitten sind wie gemeinsames Segeln auf dem Bodensee oder im Hochseilgarten mit erlebnispädagogischen Aspekten. "Das Gros der Angebote geht aber zu wenig von den Erwartungen der Brautpaare aus", bemängelt sie. Die meisten Ehevorbereitungsseminare seien "klassische Stuhlkreise". Selbst, wenn diese inhaltlich gut seien, würde die äußerliche Ansprache an der Lebenswirklichkeit der Paare vorbeigehen.

Ansprechen statt Abwarten

Und nicht nur die äußerliche Ansprache, sondern vor allem die Kommunikation stimme noch nicht. Entweder die Paare müssten direkt auf die Internetseiten der Pfarreien und Bistümer gehen oder es werde lediglich über kirchliche Medien, die in Schaukästen der Kirchen aushängen, kommuniziert: "Die Information kommt zu vielen Brautpaaren gar nicht." Das Projekt "Heiraten wie es uns gefällt" sieht Neubauer als Chance, den Dialog zu kirchenfernen Paaren aufzubauen. Der Lerneffekt des Projekts: "Kirche kann durchaus zu diesen Menschen Zugang finden, indem sie auf sie proaktiv zugeht und nicht darauf wartet, dass gerade junge Menschen von sich aus kommen." Viele Menschen würden sich auf sozialen Netzwerken durchaus mit Spiritualität auseinandersetzen, daran könne die Kirche anknüpfen. Eine große Chance sei dabei die Foto-App Instagram, das unter Bräuten als Austauschplattform genutzt wird.

Nicht anders ist Neubauer damals vorgegangen: Die Brautpaare hat sie nämlich über Social Media gefunden. Menschen, die dort sowieso schon zum Thema Hochzeit aktiv waren. Wie Jasmin Quast. Kurz nach ihrer Verlobung fing sie an, auf Instagram ihre Hochzeitsvorbereitungen zu teilen.  Als sie von "Heiraten wie es uns gefällt" angesprochen wurde, sei sie anfangs skeptisch gewesen. Ein Projekt der Katholischen Kirche? Doch nach dem ersten Videodreh sei diese Sorge verflogen. Als sehr entspannt beschreibt die 23-Jährige die Atmosphäre mit Nicola Neubauer und dem Team.

Jasmin Quast hat ihren Partner Steven im Juli geheiratet. Standesamtlich und kirchlich. Und das wörtlich nach dem Motto der Homepage. Im Traugottesdienst hätten die beiden weltliche Lieder gewollt. Unter anderem ein Lied von Helene Fischer, das ihre Beziehung beschreibt. Für ihren Traupfarrer war das kein Problem. Auch nicht, dass ihr Vater sie zum Altar führt. Andernfalls hätten sie sich wahrscheinlich für "eine andere Variante der Trauung entschieden, für eine freie Trauung oder hätten nur standesamtlich geheiratet", so Quast in einem Beitrag auf der Homepage. Sie seien jung und modern, dementsprechend sollte auch ihre Trauung ablaufen. "Und wenn die Kirche das nicht zugelassen hätte, wenn das unser Pfarrer nicht zugelassen hätte, dann glaube ich nicht, dass wir kirchlich geheiratet hätten."

Individuell statt standardisiert

Viele Priester lassen mittlerweile die individuellen Wünsche der Paare zu – solange dabei die Trauung als Sakrament unberührt bleibt. Doch wie kann gerade kirchenfernen Menschen dieser Aspekt  vermittelt werden? Bischof Stefan Oster hatte dies erst vor kurzem bemängelt. Vielen Paaren sei nicht mehr klar, was eine sakramentale Trauung bedeutet. Seine Begründung dafür: Mängel in der kirchlichen Ehevorbereitung. Ein Aspekt, den auch die Familiensynode 2015 in den Fokus nahm. Doch in der öffentlichen Debatte wurde im nach Veröffentlichung des Abschlussdokuments vorrangig über wiederverheiratet Geschiedene diskutiert.

Doch gerade bei der kirchlichen Ehe seien auch glaubensferne junge Leute wieder ansprechbar für die christliche Botschaft, erklärte Papst Franziskus im Januar. An diesem Lebenswendepunkt müsse die Kirche mit speziell ausgebildeten Seelsorgern da sein. Oder, wie Nicola Neubauer sagt, sich an der Lebenswirklichkeit der Paare orientieren. Etwas, was die Kirche in Bistümern bereits vereinzelt umsetzt, an anderen Stellen aber noch großen Nachholbedarf hat.

Von Julia Martin

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