Ein Blick ins Schlafzimmer der Päpste
Franziskus öffnet Sommerresidenz Castel Gandolfo für Besucher

Ein Blick ins Schlafzimmer der Päpste

Nur wenige Male hatte Papst Franziskus die päpstliche Residenz in Castel Gandolfo besucht. Nun macht er ernst und überlässt den früheren Urlaubspalast der Päpste für einen anderen Zweck.

Vatikanstadt - 14.10.2016

Einen Blick ins Schlafzimmer der Päpste können Besucher künftig in Castel Gandolfo werfen: Die päpstliche Sommerresidenz bei Rom öffnet nun auch die Privatgemächer von Benedikt XVI. und seinen Vorgängern für die Öffentlichkeit. Das teilte der Vatikan am Freitag mit.

Franziskus hatte bereits zuvor große Teile der Sommerresidenz als Museum, und auch Teile der zugehörigen Gärten für Besucher zugänglich gemacht. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Benedikt XVI. und Johannes Paul II. verzichtet er darauf, die Sommermonate im in den Albaner Bergen gelegenen Castel Gandolfo zu verbringen und bleibt im Vatikan.

Bürgermeisterin nennt möglichen Eröffnungstermin

Einen genauen Termin für die Öffnung teilte der Vatikan nicht mit. Journalisten sind für den 21. Oktober eingeladen. Die Bürgermeisterin von Castel Gandolfo, Milvia Monachesi, nannte in einem Interview der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" (Freitag) diesen Tag als Eröffnungsdatum.

Linktipp: Auf den Spuren der Päpste in Castel Gandolfo

Im heißen römischen Sommer zogen sich die Päpste gewöhnlich auf ihren kühleren Sitz in Castel Gandolfo zurück. Papst Benedikt XVI. verbringt dort noch immer einige Sommertage. Papst Franziskus hat mit dieser Tradition gebrochen - und das Areal für Besucher geöffnet. (Artikel von August 2016)

Die "Päpstlichen Villen von Castel Gandolfo" sind seit fast 400 Jahren Sommersitz der Päpste. Das oberhalb des Albaner Sees 30 Kilometer südöstlich von Rom gelegene Städtchen zählt zu den "Castelli Romani". In diesen höher gelegenen Ortschaften haben schon seit der Antike wohlhabende Römer ihre Sommervillen.

Die Päpstliche Sommerresidenz umfasst drei Villen sowie Park- und Gartenanlagen. Den heutigen "Apostolischen Palast", einen schlichten Barockbau, in dem sich das Appartement des Papstes mit Blick auf den Albaner See befindet, erwarb 1596 Papst Clemens VIII. (1592-1605). Clemens XIV. (1769-1774) fügte die benachbarte "Villa Cybo" hinzu. Schließlich wurde das Anwesen unter Pius XI. (1922-1939) nach den Lateranverträgen mit dem italienischen Staat durch den Kauf der "Villa Barberini" vervollständigt.

Benedikt und Franziskus am 23.03.13 beim Gespräch in Castel Gandolfo.

Nach seiner Wahl zum Papst begegnete Franziskus seinem Vorgänger Benedikt XVI. zum ersten Mal am 23. März 2013 in Castel Gandolfo.

Die gesamte Anlage gehört zum extraterritorialen Besitz des Heiligen Stuhls. Mit einer Fläche von 55 Hektar ist sie größer als der Vatikanstaat am Tiber. Knapp die Hälfte des Geländes wird für einen kleinen Bauernhof mit Milchvieh, Olivenbäumen und Obstanbau genutzt. Der erste Papst, der sich längere Zeit in Castel Gandolfo aufhielt, war 1626 Urban VIII. (1623-1644).

Benedikt blieb dem Castel auch nach seinem Rücktritt treu

Nach dem Untergang des Kirchenstaates 1870 verfielen die Gebäude; erst unter Pius XI. (1922-1939) wurden sie restauriert. Seither verlegten die Päpste während ihres Sommeraufenthalts auch einen Teil ihrer Amtsgeschäfte in die Sommerresidenz. Zwei von ihnen starben dort: Pius XII. am 9. Oktober 1958 und Paul VI. am 6. August 1978. Während Papst Benedikt XVI. auch nach seinem Rücktritt mehrfach in Castel Gandolfo weilte, verzichtete Franziskus auf einen längeren Aufenthalt dort. (KNA)