Ein Essen mit Bischof Helmut Dieser - auf "hoher" See
"Wenn Holland nicht wär, läg Aachen am Meer" - diesen Spruch kennt fast jedes Kind aus den Bistum Aachen. Zwar konnten die Teilnehmer des "Meet and eat" mit Aachens Bischof Helmut Dieser nicht an die Küste fahren. Das Bistum charterte in dieser Woche stattdessen ein Schiff auf dem Rursee. Dort hat katholisch.de mit Bischof Dieser gesprochen - über den Austausch mit den Gläubigen und die Handreichung der Bischöfe für protestantische Ehepartner.
Frage: Bischof Dieser, Sie haben heute mit 123 Menschen aus dem Bistum Aachen auf einem Schiff zu Abend gegessen und viele Gespräche geführt. Haben Sie das Gefühl, dass Sie mit jedem Teilnehmer gesprochen haben?
Dieser: Nein, mit jedem nicht und auch mit einigen zu kurz. Das haben mir die Gäste selbst gesagt, als das Signal zum Tischwechsel kam. Aber das ist eben der Kompromiss: Wir laden offen ein und viele Menschen kommen. Da können wir nur zehn Minuten im Schnitt anbieten. Aber es ist natürlich nicht umsonst: Denn das, was gesagt wird, wird von uns aufgeschrieben. Und auch die Begegnung der Gäste untereinander ist sehr wertvoll - nicht nur die Gespräche mit mir als Bischof.
Frage: Welches Feedback haben Sie heute Abend mitgenommen?
Dieser: Das allermeiste ist sehr positiv: Man hat mir gesagt, dass das Format ansprechend und zur Nachahmung geeignet ist. Dieses Hingehen zu anderen, um erstmal zu verstehen, wo Menschen stehen, was sie denken und fühlen, wie sie handeln, kämpfen, leiden, siegen und sterben müssen. All das erfahre ich beim "Meet and eat" und der Küchentisch-Tour. Einige sagen mir sogar, dass sie der Kirche eine so gute Idee gar nicht zugetraut hätten.
Frage: Ein Ziel des "Synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess Heute bei Dir" ist es, kirchenferne Menschen zu erreichen. Haben Sie die bei dem "Meet and Eat" gefunden?
Dieser: Beim "Meet and eat" weniger. Dort sind es eher die Leute, die ohnehin in unseren Gemeinden leben. Die bringen aber alle die Perspektive ihrer Kinder und Enkel mit, die leider mittlerweile zu eben diesen Kirchenfernen gehören – was die Teilnehmer alle bedauern. Die Kirchenfernen selbst treffe ich eher bei unserem anderen Projekt, der Küchentisch-Tour. Und das ist sehr schön, ihnen dort dann auch begegnen zu können.
Frage: Ein Thema, das die Gläubigen momentan umtreibt, ist die Handreichung zum Eucharistie-Empfang für evangelische Ehepartner. Spielt das in Ihrer Diözese auch eine Rolle?
Dieser: Ja, das war auch in dieser Woche beim "Meet and eat" noch Thema. Zuvor, als es gerade aktuell und in den Medien war, allerdings noch häufiger. Da wollten die Leute wissen: Was sagt unser Bischof dazu? Ich konnte die Gelegenheit nutzen, das Thema etwas zu umreißen: in welchem Kontext die ganze Diskussion steht, dass wir in Bezug auf unsere deutschen Verhältnisse vor einem großen Problem stehen und dass ich glaube, dass das Thema noch nicht abgeschlossen ist. Er wird die Kirche weiter beschäftigen.
Frage: Waren die Menschen mit der Antwort zufrieden?
Dieser: Ich glaube schon. Sie wurden sehr nachdenklich, weil sie verstehen, dass es dabei nicht um Nebensachen des Glaubens geht, sondern um zentrale Elemente. Sie sind der Grund dafür, dass wir als evangelische und katholische Kirchen noch getrennt sind. Es muss uns im Ganzen noch viel mehr darum gehen, die gesamte Einheit wieder zu gewinnen. Es wird darauf ankommen, ob sich die Kirchenleitungen in diesem Thema nun wirklich auch verbindlich miteinander auf den Weg machen.
Frage: Das heutige Essen war die siebte von acht Veranstaltungen der "Meet and Eat" Reihe. Es steht noch ein Abend im Borussia-Park in Mönchengladbach aus. Wird die Reihe fortgesetzt?
Dieser: Dieses Format sicher nicht eins zu eins. Das hatte jetzt seine Berechtigung im Auftakt des Prozesses. Aber dieses "Hingehen" und mit Menschen sprechen, ist richtig, stimmig und wichtig – das haben wir daraus gelernt. Und deshalb werden wir dahingehend weiterhin ähnliche Dinge tun.