Die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika.
Bischöfe und Katholiken in den USA haben unterschiedliche Erwartungen an die Umweltenzyklika

Ein Land mit Hitzewallungen

Die anstehende Umweltenzyklika von Papst Franziskus sorgt für erhitzte Gemüter - besonders in den USA. Nun versuchen die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung, die Amerikaner von der Bedeutung des Lehrschreibens zu überzeugen.

Von Sophia Michalzik |  Bonn/St. Louis - 11.06.2015

Der Veröffentlichungstermin der Enzyklika in der kommenden Woche ist auch Thema bei der Vollversammlung der US-Bischöfe, die seit Mittwoch in St. Louis im Bundesstaat Missouri tagt. So erhofft sich Miamis Erzbischof Thomas Wenski von der Umweltenzyklika, die den Namen "Laudato si" tragen wird, einen "bedeutsamen Moment im Leben der Kirche". Der Oberhirte ist innerhalb der Bischofskonferenz für Umweltfragen zuständig. Ginge es nach ihm, solle das Rundschreiben des Papstes nicht als wissenschaftliche oder politische, sondern als pastorale Botschaft verstanden werden. "Wir haben große Hoffnung auf das, was die Enzyklika für die Bewahrung der Schöpfung und den Klimawandel beitragen kann." Er finde es erstaunlich, wie ablehnend sich einige Katholiken zu den Inhalten äußerten, die ihnen noch gar nicht bekannt seien.

Mit dieser Aussage wendet sich Wenski in Richtung der vielen schrillen Stimmen, die seit Wochen versuchen, Stimmung gegen das Lehrschreiben des Papstes zu machen. So hatte etwa der konservative Präsidentschaftskandidat Rick Santorum den Papst dazu aufgerufen, "die Wissenschaft den Wissenschaftlern zu überlassen". Er habe zum Klimawandel keine Lehrautorität. Mit diesem Satz erntete Santorum aber auch viel Gelächter – Papst Franziskus ist de facto Wissenschaftler und besitzt sogar ein Diplom als Chemie-Ingenieur.

Einschüchtern lassen sich seine Mitstreiter von so etwas freilich wenig. Maureen Mullarkey, Kolumnistin des katholischen Magazins "First Things" rät ebenfalls, Franziskus solle sich aus Dingen heraushalten, von denen er nichts verstehe. Mit ihrer Meinung sind Mullarkey und Santorum nicht allein: Auch wenn Klimaskeptiker unter Katholiken in den USA in der Minderheit sind – 69 Prozent erkennen laut einer Umfrage einen menschlichen Anteil an der Klimaveränderung an – ist ihre Stimme dennoch oft laut zu vernehmen. Auch in den sozialen Netzwerken wird die Debatte geführt: So bezeichnet ein Twitter-User die Veröffentlichung der Enzyklika als womöglich dümmsten Fehler seit der Vatikan mit dem Dritten Reich 1933 das sogenannte Reichskonkordat beschloss.

Die Debatte ist also hitzig. Das wissen auch die Bischöfe und versuchen auf ihrer Vollversammlung nun die Diskussion um die Umweltenzyklika zu versachlichen und die Bedeutung des Lehrschreibens zu betonen. Der Fokus liegt dabei aber nur auf einem Teil des Episkopats. Neben Wenski gilt auch der Bostoner Erzbischof Sean O’Malley als einer der wenigen Vertreter des US-Klerus, der mehr auf der Linie von Papst Franziskus liegen. Zudem ist er der einzige US-Amerikaner im Kardinalsrat zur Kurienreform.

In die Reihe der Befürworter gehört außerdem Bischof Oscar Cantu aus Las Cruces im Bundesstaat New Mexico, der in der Bischofskonferenz für das Thema soziale Gerechtigkeit zuständig ist. Er mahnte beim jetzigen Treffen an, die Enzyklika nicht als ein beliebiges Dokument zu behandeln und kritisiert damit auch Aussagen, dem Papst mit Blick auf Klimawandel und Umweltschutz die nötige Kompetenz abzusprechen. Die anstehende Enzyklika falle in die Kategorie des "weisen Urteils", das es im Gebet abzuwägen gelte, so Cantu. Gemeinsam mit Wenski plädiert er dafür, sich der Umweltthematik zu stellen. "Wir können uns aus dieser Diskussion nicht heraushalten", so Wenski. "Wir haben eine erhebliche Verantwortung dafür sicherzustellen, dass die Lösungen, die wir finden müssen, sich der Kultur der Verschwendung widersetzen, die Armen und Verletzlichen schützen und die Heiligkeit und Würde des Lebens respektieren."

Viel Zeit, um ihre Gläubigen von der Notwendigkeit des Lehrschreibens zu überzeugen, bleibt den US-Bischöfen nicht mehr. Zudem gibt es auch in ihren eigenen Reihen Skeptiker: So tut sich beispielsweise der Erzbischof von Philadelphia, Charles Chaput, schwer mit dem neuen Kurs des Papstes – auch wenn er sich mit öffentlicher Kritik zurückhält. Zum anderen haben die 250 Oberhirten schlicht ein Problem mit ihrer öffentlichen Wahrnehmung. John Gehring, langjähriger Kenner der US-Bischofskonferenz und Mitglied der katholischen Laienorganisation "Faith in Public Life", ist beispielsweise der Auffassung, die Kirchenführer hätten sich in den vergangenen Jahren zu sehr in die Kulturkämpfe des Landes hineinziehen lassen. Zu oft würden sie jetzt auf ihre konservative Haltung in Sachen Abtreibung, "Homo-Ehe" und Zugang zu künstlichen Verhütungsmitteln reduziert. Damit strahlten sie etwas anderes aus als Papst Franziskus, erklärt Gehring. "Vergleichen Sie das mit der ansteckenden Freude, die Papst Franziskus mit seinem Aufruf zu einer 'armen Kirche für die Armen' gebracht hat". (mit Material von KNA)

Von Sophia Michalzik