Screenshot einer Videobotschaft des von Terroristen entführten Priesters "Chito" Suganob.
Priester ist seit einer Woche in Gewalt von Islamisten

Entführter Priester fleht in Video um sein Leben

Seit einer Woche befindet sich der philippinische Priester Teresito "Chito" Suganob in der Gewalt islamistischer Terroristen. Nun ist eine Videobotschaft von ihm im Internet aufgetaucht.

Bonn - 31.05.2017

Der von Islamisten entführte Priester Teresito "Chito" Suganob hat sich in einer Videobotschaft an den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte gewandt. Darin bittet der Priester um ein Ende der Kämpfe um die Stadt Marawi: "Herr Präsident, wir befinden uns mitten im Krieg. Wir bitten Sie um Ihre Hilfe, bitte geben Sie Ihren Feinden, wonach sie fragen", sagt Suganob in der Aufnahme, die seit Dienstag im Internet kursiert.

"Wir wollen noch einen Tag leben"

Nach Aussage Suganobs seien derzeit etwa 240 "Kriegsgefangene" in der Gewalt der Terroristen. "Herr Präsident, ich bitte Sie aus der Tiefe meines Herzens, bitte denken Sie an uns!", fleht der Priester in dem Video mit gebrochener Stimme. "Wir wollen noch einen Tag länger leben. Wir wollen noch einen Monat länger leben." In der knapp fünf Minuten langen Aufnahme sind Schüsse zu hören, im Hintergrund sieht man zerstörte Gebäude. "Die Stadt ist ruiniert", erklärt Suganob.

Vor einer Woche war der Priester zusammen mit einigen Mitarbeitern in der Stadt Marawi von Islamisten in Geiselhaft genommen worden. Die Terrororganisation "Maute", ein Ableger des "Islamischen Staates", liefert sich derzeit auf der Insel Mindanao heftige Kämpfe mit Regierungstruppen. Die Terroristen hatten öffentliche Gebäude besetzt und andere, darunter eine Kirche, niedergebrannt. Präsident Duterte verhängte das Kriegsrecht über die Region.





Eindringlich fordert Suganob, die Forderungen der Islamisten zu erfüllen. "Sie bitten um nichts weiter als den Rückzug der Regierungstruppen und ein Ende der Luftschläge", so Suganob. Mehrfach mahnt er Duterte, dass der weitere Einsatz von Gewalt gegen die Terroristen sinnlos sei, weil diese "bereit sind, für ihre Religion zu sterben". Die Aufnahme schließt mit dem verzweifelten Hilferuf Suganobs: "Wenn Sie wollen, dass ich vor Ihnen in die Knie gehe, werde ich das zum Wohle der weinenden Familien tun!"

Philippinische Bischöfe verurteilen den Terrorismus

Der zuständige Bischof von Marawi, Edwin de la Pena, wollte sich zu dem Video zunächst nicht äußern, hieß es auf einer Seite der philippinischen Bischofskonferenz. Bereits am vergangenen Freitag hatten sich die Bischöfe der Region in einer Botschaft an "alle Menschen guten Willens" gewandt. Darin verurteilten sie den Terrorismus: "Er ist eine Ideologie, die total gegen die Grundsätze aller Religionen gerichtet ist."

Weiter erklärten die Bischöfe, das Kriegsrecht müsse dennoch als moralisch fragwürdige ultima ratio angesehen werden: "Wir haben viele Sorgen. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir schlichtweg keine ausreichenden Informationen, um die Verhängung des Kriegsrechts als moralisch absolut verwerflich zu bezeichnen", so die Bischöfe. Jeder Missbrauch sei zurückzuweisen. Von der Regierung forderten sie, durch gerechte und verantwortungsvolle Arbeit für das Gemeinwohl die Ursachen des Terrorismus zu bekämpfen. (kim)

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