Zweites: Vatikanisches Konzil: Kardinal Julius Döpfner (rechts), Erzbischof von München und Freising, als Moderator in der Konzilsaula.
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Tagung zum 100. Geburtstag von Kardinal Julius Döpfner

Franke mit Weitblick

Mühsamer Wiederaufbau, Konfrontation zwischen Ost und West und eine wachsende Säkularisierung der Gesellschaft. Das waren die Rahmenbedingungen, in denen Julius Döpfner (1913-1976) 1948 das Amt des Bischofs von Würzburg übernahm. Doch als ein "Diener des Glaubens", wie er sich sah, packte er der damals 35-Jährige entschieden an. Unter dem Motto "In dieser Stunde der Kirche" hatte die Katholische Akademie in Bayern anlässlich des 100. Geburtstags von Döpfner zu einer zweitägigen Tagung vom 28. bis 29. Juni nach Bad Kissingen geladen.

Bad Kissingen - 01.07.2013

Die Sorgen und Nöte der Menschen waren ihm wichtig, ihnen wollte er "den Gekreuzigten verkünden". So hielt er es später auch in Berlin und München. Zugleich boten ihm das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), wo der Kardinal als Moderator mitwirkte, und die Würzburger Synode (1971-1975) die Möglichkeit, an der Neugestaltung der katholischen Kirche mitzuarbeiten.

In Bad Kissingen, im heutigen Stadtteil Hausen, war er als Sohn einfacher Leute am 26. August 1913 zur Welt gekommen. Seiner Heimat, in der der bodenständige Franke am liebsten als einfacher Dorfpfarrer gewirkt hätte, blieb er zeitlebens verbunden. So sei es ihm gar als Erzbischof von München-Freising einmal passiert, dass er bei der Wallfahrt anlässlich des Bistumspatrons Korbinian in der Predigt versehentlich vom heiligen Kilian, dem Würzburger Frankenapostel, sprach, wie sich sein früherer Sekretär Gerhard Gruber (84) erinnerte.

Viele Zeitzeugen im Publikum

Der langjährige Weggefährte Döpfners, auch als Münchner Generalvikar, stand eigentlich gar nicht auf der Referentenliste. Doch unter den Teilnehmern im Publikum saßen viele, für die Döpfner Teil ihrer Lebensgeschichte war. So nutzten die an Jahren wesentlich jüngeren Professoren, die über die Stationen des Bischofs aus ihren Quellenstudien berichteten, die Gelegenheit, bei den Zeitzeugen nachzufragen.

Einer, der Döpfner erst als Journalist erlebte, ist der frühere Würzburger Bischof Paul Werner Scheele (85). Während der dritten Konzilssession berichtete er über die Vorgänge für ein deutsches Blatt. Bei der Kirchenversammlung habe sich Döpfner "vom Glauben und vom gesunden Menschenverstand führen lassen", zitiert Scheele dessen Moderatorenkollegen Kardinal Leon-Joseph Suenens.

Einer der großen Bischöfe der Weltkirche.

Zitat: Jospeh Ratzinger über Julius Döpfner

So habe ihn das Problem der Mischehe besonders bewegt. Deshalb habe Döpfner Papst Paul VI. gebeten, dieses Problem noch vor der Reform des neuen Kirchengesetzbuches zu regeln. Das geschah 1970 tatsächlich.

Auch dass nach der umstrittenen Enzyklika "Humanae vitae" (1968) die deutschen Bischöfe die "Königsteiner Erklärung" verabschiedeten, geht auf Döpfner zurück. Für die Sitzung hatte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz eigens seinen Sommerurlaub abgebrochen. Anders als noch die Enzyklika gestand die Erklärung Eltern bei der Familienplanung eine Gewissensentscheidung zu.

Noch Material in den Archiven

Ob auf dem Konzil oder später bei der Synode in Würzburg, nirgends war es leicht, die unterschiedlichen Ansichten von Bewahrern und Progressiven unter einen Hut zu bringen. Doch was Gruber noch heute fasziniert, ist, dass Döpfner, der aufbrausend sein konnte, dennoch eine Persönlichkeit war, die Meinungen und Ansichten der Leute zusammenführte: "Er hat sich nie auf eine Seite festgelegt, beide Seiten gehört und alle fühlten sich verstanden."

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, von Döpfner 1963 in Rom zum Priester geweiht, hält dessen Führungsstil auch deshalb für glaubwürdig, weil der Mann selbstkritisch geblieben und zu notwendigen Korrekturen bereit gewesen sei. Döpfner habe um das Bewahrenswerte in der Kirche gewusst, aber auch um die Reform als eines ihrer Wesenselemente.

Noch liegt einiges Material unerforscht in den Archiven. "Aufeinander zugehen, miteinander reden und gemeinsam sprechen, den Geist Christi bezeugen und daraus handeln" - so lautet Döpfners Vermächtnis. Der Kardinal starb überraschend am 24. Juli 1976. Joseph Ratzinger, der sein Nachfolger als Erzbischof von München-Freising wurde, sagte über ihn bereits ein Jahr später, er sei einer der "großen Bischöfe der Weltkirche".

Von Barbara Just (KNA)