Benedikt XVI. im Profil
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Früherer Nuntius in den USA hatte Vorwürfe gegen Franziskus erhoben

Gänswein: Benedikt äußert sich nicht zu Skandalpapier

Hat Benedikt XVI. die Vorwürfe des früheren Nuntius in den USA gegen Franziskus bestätigt? Diese Gerüchte wies Erzbischof Gänswein jetzt zurück. Außerdem wurde bekannt, dass die Veröffentlichung vom Sonntag wohl eine konzertierte Aktion war.

Bonn - 28.08.2018

Behauptungen, der frühere Papst Benedikt XVI. habe das "Memorandum" eines ehemaligen Vatikanbotschafters bestätigt, in dem dieser Papst Franziskus zum Rücktritt aufruft, sind offenbar falsch. "Papst Benedikt hat sich zum 'Memorandum' von Erzbischof Vigano nicht geäußert und wird es auch nicht tun", zitiert "Die Tagespost" (Online-Ausgabe Dienstag) den Privatsekretär von Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein.

Gänswein: Das sind "Fake News"

US-Medienberichten zufolge behauptet ein Vorstandsmitglied des Nachrichtenkanals EWTN, der emeritierte Papst habe Vorwürfe von Erzbischof Carlo Maria Vigano bestätigt, der von 2006 bis 2011 Nuntius in Washington war. Das seien "Fake News", so Gänswein laut "Tagespost".

Erzbischof Carlo Maria Vigano

Erzbischof Carlo Maria Viganò, von 2011 bis 2016 Apostolischer Nuntius in den USA.

Am Dienstag wurde außerdem bekannt, dass die Veröffentlichung der schriftlichen Aussage offenbar eine konzertierte Aktion von katholischen Bloggern in mehreren Ländern war. Vigano habe diese zuvor kontaktiert und als Publikationszeitpunkt den 26. August festgelegt, berichtet der italienische Journalist Aldo Maria Valli. Auf diese Weise sollte der Papst am gleichen Tag "auf dem Rückweg von Dublin Gelegenheit zur Erwiderung haben, wenn er Journalistenfragen im Flugzeug beantwortet", so Valli am Dienstag in seinem Blog. Valli zählt zu den konservativen Kritikern von Franziskus.

Vigano verreist und wechselt Mobilfunknummer

Die Übergabe des elfseitigen Schreibens, in dem Vigano Anschuldigungen gegen Kurienmitglieder und US-Bischöfe vorträgt, sei erst nach drei konspirativen Treffen erfolgt, die sich über mehrere Wochen erstreckten. Vigano habe offenbar auch prüfen wollen, auf welcher Seite sein Gegenüber stehe. Anschließend sei er unbekannt verreist und habe seine Mobilfunknummer gewechselt.

In der Niederschrift, die am Sonntag veröffentlicht wurde, behauptet Vigano, er habe Papst Franziskus bereits im Sommer 2013 persönlich gesagt, der frühere Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick habe "Generationen von Seminaristen und Priestern verdorben" und sei von Benedikt XVI. zu einem zurückgezogenen Leben in Buße verurteilt worden. Hintergrund waren laut Vigano zahlreiche homosexuelle Aktivitäten des prominenten Kardinals.

Franziskus entließ den 88-jährigen McCarrick Ende Juli aus dem Kardinalsstand. Eine Woche zuvor hatte er ihm die öffentliche Ausübung priesterlicher Aufgaben untersagt, nachdem das Erzbistum New York erstmals Vorwürfe sexueller Vergehen auch an Minderjährigen als "glaubwürdig und substanziell" einstufte.

Papst will sich nicht äußern

Der Papst sagte auf dem Rückflug von Dublin am Sonntagabend vor Journalisten, das Dokument von Vigano spreche für sich. Er werde dazu nichts sagen und vertraue auf die journalistische Kompetenz, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Wörtlich antwortete er eine entsprechende Frage: "Lesen Sie es selbst aufmerksam und bilden Sie sich ein eigenes Urteil." (gho/KNA)

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Mitten in Vergebungsbitten für den Missbrauch in Irland platzte der Vorwurf, Franziskus selbst habe einen Täter gedeckt. Doch der Angreifer hat selbst "Leichen im Keller", sagen Kenner der Kirchenszene.