Kurienerzbischof Georg Gänswein bei einer päpstlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz.
Kurienerzbischof erklärt seine Fastenvorhaben

Gänswein verzichtet auf Süßes und Wein

Erzbischof Georg Gänswein will in der Fastenzeit auf Süßigkeiten und Wein verzichten. In einem Interview erklärte der deutsche Prälat, welche Bedeutung die vorösterliche Zeit für ihn hat und mit welchen Vorsätzen er in diese 40 Tage geht.

Bonn/Berlin - 10.02.2016

"Damit will ich zeigen: Ich bin bereit, um eines höheren Zieles willen auf etwas in sich Gutes zu verzichten", sagte Gänswein. Auch bei Musik und der Lektüre im Internet  sei bei ihm in der Fastenzeit "Mäßigung angesagt". "Das Fasten der Sinne hilft mir, dass ich mich nicht von Außeneinwirkungen dirigieren lasse, sondern den Blick auf das Eigentliche lenke."

Christliches Fasten sei nicht mit bloßer Wellness zu verwechseln, so Gänswein: "Wellness heißt: Ich lebe, esse, trinke, schlafe, massiere mich in ein Wohlgefühl hinein." Dabei würde jedoch außer Acht gelassen, dass der Mensch nicht bloß Körper, sondern auch Seele besitzt. Mit Blick auf die Fastenzeit sei dies von besonderer Bedeutung. "Die Kirche hat klugerweise erkannt, dass alle großen Ereignisse einer entsprechenden Vorbereitung bedürfen, und zwar an Leib und Seele", so Gänswein.

Die 40-tägige Fastenzeit soll die Gläubigen auch durch die körperliche Übung des Fastens auf das Osterfest hinführen. Für Gänswein ist damit eine wichtige geistliche Erfahrung verbunden. "Die christliche Askese erinnert mich 'leibhaftig' an etwas, das gänzlich in Vergessenheit geraten ist: Leib und Seele bilden eine Einheit." Das Fasten helfe ihm, "tiefer in mich hinabzusteigen, innerlich freier zu werden", so der Erzbischof.

Fastenexerzitien beginnen nach der Papstreise

Die Fastenzeit beginne Gänswein gewöhnlich mit anderen Geistlichen des Vatikan in einwöchigen Exerzitien. "Die sind verpflichtend und eine willkommene Hilfe als Einstieg in die Fastenzeit!" Aufgrund der anstehenden Mexiko-Reise von Papst Franziskus müssten die Exerzitien in diesem Jahr eine Woche später beginnen, erklärte Gänswein. Nach der Rückkehr des Pontifex würden sich die Geistlichen dann an einen "stillen Ort außerhalb Roms" zurückziehen. "Das schenkt den nötigen Raum, um das zu erkennen, was wesentlich ist und bleiben muss. Das innere Ohr muss gereinigt werden, und damit auch das Herz." (kim/dpa)

Unser Kirchenjahr: 40 Tage ohne

Die Fastenzeit bezeichnet die österliche Bußzeit, die 40 Tage dauernde Vorbereitung auf Ostern. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit der Osternacht. Die Gläubigen sollen in der Fastenzeit auf Dinge verzichten. Eine Hungerkur muss aber nicht zwingend sein.