Gemeinsam unterwegs in Sachen Ökumene
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Lutherischer Weltbund und Papst begehen Reformationsgedenken

Gemeinsam unterwegs in Sachen Ökumene

Papst Franziskus und Spitzenvertreter des Lutherischen Weltbundes gedachten in Lund gemeinsam der Reformation. Nicht nur auf die Farbe der Stola hatten sie sich vorab verständigt.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA) |  Lund - 01.11.2016

Der Präsident des Lutherischen Weltbunds, Bischof Munib Younan, breitet die Arme aus, Papst Franziskus geht auf ihn zu, beide umarmen sich herzlich, hauchen sich gar ein Küsschen rechts und links auf die Wange. So besiegeln sie die Gemeinsame Erklärung anlässlich des katholisch-lutherischen Reformationsgedenkens, die sie vor rund 450 Gästen in der lutherischen Kathedrale von Lund unterzeichneten.

In der südschwedischen Stadt wurde 1947 der Lutherische Weltbund (LWB) gegründet, der heute rund 74 Millionen Christen repräsentiert. Aus diesem Grund hatte Papst Franziskus die Einladung der Lutheraner nach Schweden zum Gedenken an den 500. Jahrestag der Reformation angenommen.

Papst und Younan zeigen Gemeinsamkeiten

Das Motto "Vom Konflikt zur Gemeinschaft - Verbunden in Hoffnung" wurde auch im Inhalt der Gemeinsamen Erklärung deutlich, in der unter anderem das Thema gemeinsames Abendmahl angesprochen wird. Beide Seiten versichern, sie seien sich ihrer "gemeinsamen pastoralen Verantwortung" bewusst, dem "geistlichen Hunger und Durst unserer Menschen, eins zu sein in Christus, zu begegnen". Diese "Wunde im Leib Christi" zu heilen, schreiben sie als Ziel der ökumenischen Bemühungen fest. Um es zu erreichen, solle auch der Einsatz im theologischen Dialog erneuert werden.

Der Doms zu Lund in Südschweden wurde ab 1080/1103 im romanischen Baustil errichtet und ist damit der älteste Dom Skandinaviens. Heute ist er Bischofssitz im Bistum Lund der Schwedischen Kirche (evangelisch-lutherisch). Hier wurde die Gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

Gemeinsamkeiten zeigten Papst und Munib nicht nur darin, dass beide die Erklärung mit einem schwarzen Stift besiegelten, sie waren zudem auch in ähnlichen Farben gekleidet: weiß mit roter Stola.

Auch der LWB-Generalsekretär Martin Junge und Franziskus hatten sich vorab verständigt - beide predigten auf Spanisch. Junge äußerte den Wunsch, künftig nicht nur gemeinsam Brücken zu bauen, sondern auch "Tische - ja, Tische - an denen wir Brot und Wein, die Gegenwart Christi, miteinander teilen können". Ähnlich auch der Tenor der beiden Predigten: Die Einheit von Katholiken und Lutheranern, die sich konkret in einer Mahlgemeinschaft zeigen würde, ist das Ziel. Dorthin sei man gemeinsam unterwegs.

Junge und Papst erinnern an Spaltung

Als "verheißungsvoll" und "anstrengend" zugleich charakterisierte Junge den Weg zur Einheit, der sich auf "noch intensivere Dialoge" stützen müsse. Sowohl er als auch Papst Franziskus erinnerten an das durch die Reformation verursachte Leid und die Spaltung. Die Voraussetzungen, den Weg zur Einheit weiter zu gehen, seien nun jedoch besonders günstig, so Franziskus. Das gemeinsame ökumenische Gedenken sieht er als Gelegenheit und betont, dass sich nicht nur die Reformation 2017 jährt, sondern auch der Dialog zwischen LWB und katholischer Kirche, der dann seit 50 Jahren währt.

Linktipp: Ziel ist das gemeinsame Abendmahl

Papst Franziskus hat in Schweden Geschichte geschrieben. Mit dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, hat er beim Reformationsgedenken in Lund eine Erklärung zum gemeinsamen Abendmahl unterzeichnet. Katholisch.de dokumentiert den Text im Wortlaut.

"Jetzt haben wir im Rahmen des gemeinsamen Gedenkens der Reformation von 1517 eine neue Chance, einen gemeinsamen Weg aufzunehmen", sagte er. Dies sei die "Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wiedergutzumachen, indem wir Kontroversen und Missverständnisse überwinden". Gleichzeitig betonte er, die Einheit der Christen sei eine Gnade Gottes. "Gewähre uns das Geschenk der Einheit, damit die Welt an die Macht deiner Barmherzigkeit glaubt."

Franziskus geht über seine Vorgänger hinaus

Bemerkenswert ist nicht nur, dass Papst Franziskus am Reformationstag in einer lutherischen Kathedrale gesprochen hat, sondern auch, dass er in seiner Predigt nicht nur den Reformator Martin Luther würdigte - wie vor ihm bereits Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. Franziskus sagte in seiner Predigt auch, es habe auf beiden Seiten, bei Katholiken wie Lutheranern, "den ehrlichen Willen, den wahren Glauben zu bekennen und zu verteidigen" gegeben. Damit ging er über die Aussagen seiner Vorgänger im Petrusamt hinaus.

Auch wenn die "große Reise", wie der Weg zur Einheit in der Gemeinsamen Erklärung genannt wird, erst begonnen hat - das Gedenken in Lund und Malmö kann als Schritt auf diesem Weg gewertet werden. Was das für Deutschland bedeutet, muss sich zeigen: Die Gemeinsame Erklärung von Vatikan und LWB ist hierzulande vorerst nur für die elf lutherischen Kirchen verbindlich, die dem LWB angehören.

Papst Franziskus und Bischof Younan reisten nach dem ökumenischen Gebet in Lund jedenfalls schon mal symbolisch gemeinsam weiter: Im Minibus zur nächsten Veranstaltung im Stadion von Malmö.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA)