Die Erde.
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Wissenschaftler diskutieren, ob sich Gottes Existenz beweisen lässt

Gibt es Gott?

Religion schadet - diese These vertreten seit einigen Jahren die so genannten "Neuen Atheisten" um Richard Dawkins oder Michael Schmidt-Salomon. Sie argumentieren überwiegend empirisch-naturwissenschaftlich, warum es Gott aus ihrer Sicht nicht gibt. Allerdings findet sich unter Philosophen auch eine Gegenströmung, die der Frage nachgeht, ob sich die Existenz Gottes beweisen lässt.

Von Burkhard Schäfers |  München - 14.12.2013

Der Glaube an Gott ist Jahrtausende alt. Der endgültige Beweis, dass dieser Gott existiert, ist bisher niemandem gelungen. Ebenso wenig allerdings das Gegenteil, obwohl manche Wissenschaftler genau das versuchen. Autoren um Richard Dawkins fordern, die Gesellschaft solle sich offen mit religiösen Vorstellungen auseinander setzen - und dabei aktuelle Erkenntnisse der Naturwissenschaft und der Philosophie berücksichtigen. Diesen "Neuen Atheisten" bläst Gegenwind aus unterschiedlichen Richtungen ins Gesicht.

Dafür stehen Bücher mit Titeln wie "Darwin im Kreuzverhör" von Phillip Johnson oder "Evolution - Ein kritisches Lehrbuch" von Reinhard Junker und Siegfried Scherer. Die Autoren treten den Versuch an, Gottes Existenz zu beweisen. So entwickelten sie die These vom so genannten Intelligent Design: Das Leben auf der Erde habe einen intelligenten Urheber. Diese Annahme widerspricht der Evolutionsbiologie des britischen Naturforschers Charles Darwin.

Den biblischen Gott beweisen?

Die Vertreter des Intelligent Design suchen in der Tier- und Pflanzenwelt nach Phänomenen, die sich - zumindest bisher - evolutionstheoretisch nicht erklären lassen. Ihre Begründung: Viele Vorgänge in der Natur und Lebewesen seien so komplex, dass jemand oder etwas als Urheber fungieren müsse. "Intelligent Design versteht sich als eine wissenschaftliche Theorie", erklärte der Münchner Fundamentaltheologe Armin Kreiner vor einigen Wochen bei einer Tagung der Katholischen Akademie Bayern. Dabei sei jedoch weder von einem Schöpfer noch von Wundern die Rede: "Es geht also angeblich nicht darum, den biblischen Gott zu beweisen."

Berühmtes Kunstwerk, auf dem der ältere bärtige Mann (Gott, rechts oben) seine Hand dem jüngeren nackten Adam (links unten) entgegenstreckt.
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"Die Erschaffung Adams" vom Michelangelo.

Dennoch stehen die allermeisten Naturwissenschaftler und Theologen, auch die katholische Kirche, dem Intelligent Design kritisch bis ablehnend gegenüber. Professor Kreiner ist skeptisch, denn nur selten finde sich in der Natur die ideale Lösung für ein Problem: "Vielmehr arbeitet die Evolution wie ein Flickschuster." Dieser beschäftige sich mit schon vorhandenen Dingen – im Gegensatz zum Designer, der etwas völlig Neues schaffen könnte. "Schauen Sie sich die Wirbelsäule des Menschen an oder unsere Zähne", sagt Armin Kreiner, der an der Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt. Ein Designer hätte hier schon längst etwas Neues entwickelt, das weniger anfällig ist.

Deshalb ist sich die Wissenschaftsgemeinde nahezu einig: Intelligent Design sei keine wissenschaftliche Theorie, sondern eine neue Form des Kreationismus. Dessen Vertreter glauben, Gott habe das Universum genau so erschaffen, wie es im Buch Genesis berichtet wird. Auffällig viele Anhänger des Intelligent Design finden sich im US-amerikanischen, evangelikalen Protestantismus.

Winfried Löffler vom Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck fürchtet, Gott werde in diesem Modell zum Lückenbüßer: "Wer Gottes Existenz zur Füllung von Erklärungslücken in den Wissenschaften postuliert, der muss sich auf ein Rückzugsgefecht einstellen angesichts fortschreitenden biologischen Wissens." Denn immer, wenn Naturwissenschaftler eine Begründung für bisher rätselhafte Phänomene finden, ginge ein weiteres Argument für Gottes Existenz verloren.

Verschiedene Naturkonstanten mussten feinabgestimmt sein, damit Leben möglich ist.

Zitat: Christian Weidemann, Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen der Universität Bochum

Zielführender ist es deshalb wohl, sich mit dem so genannten Feinabstimmungsproblem aus der Kosmologie auseinanderzusetzen, dem physikalische Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Es besagt, dass Leben in diesem Universum nur existieren kann, weil die Größen verschiedener Naturkonstanten, zum Beispiel die Schwerkraft, im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Wurde das Universum von einem außerirdischen Informatiker programmiert?

Eine minimale Abweichung hätte zur Folge gehabt, dass sich nach dem Urknall keine Galaxien hätten bilden können. "Verschiedene Naturkonstanten mussten feinabgestimmt sein, damit Leben möglich ist", erklärt Christian Weidemann vom Lehrstuhl für Philosophisch-Theologische Grenzfragen der Universität Bochum. Daraus ließe sich die Existenz eines Weltbaumeisters ableiten, der die Naturgesetze entsprechend feinabgestimmt und so ein lebensfreundliches Universum hervorgebracht hat. Er wäre in seinem Tun eingeschränkt durch die Tauglichkeit der Stoffe, die er bearbeitet. Dieses physikalische Erklärungsmodell ist freilich nicht zu verwechseln mit dem Intelligen Design, das evolutionsbiologisch argumentiert.

Die physikalische Gotteshypothese könne eine Grundlage sein, um in den Diskurs mit jenen einzutreten, die versuchen, die Existenz Gottes empirisch-naturwissenschaftlich zu widerlegen. Allerdings lasse sich mit Hilfe des Feinabstimmungsproblems noch kein biblischer Gott herleiten, sagt Christian Weidemann: "Aus den Eigenschaften unseres Universums kann man nicht schließen, dass es sich dabei um den vollkommenen Gott der christlichen Tradition handelt." Eine interessante Vermutung, wer oder was dieser Weltbaumeister sein könnte, äußert der schwedische Philosoph Nick Bostrom. Es könne sein, so Bostrom, das unser Universum von einem außerirdischen Informatiker programmiert wurde - und wir selbst nichts weiter sind als Figuren in einer gigantischen Computersimulation.

Von Burkhard Schäfers