Schwester Pascalina (1894-1983) war die Privatsekretärin und Vertraute von Papst Pius XII..
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Gottes mächtige Dienerin

Ohne Frauen läuft in der Kirche nichts. Ihr Beitrag ist unersetzlich, wie selbst Papst Benedikt XVI. verlauten ließ. Ob er dabei an seine Landsfrau gedacht hat, sei dahingestellt. Wie keine andere Frau hatte die aus Bayern stammende Schwester Pascalina Lehnert (1894-1983) als Privatsekretärin und Vertraute von Pius XII. Einfluss im Vatikan. Die Historikerin Martha Schad spürte "Gottes mächtiger Dienerin" in einer 2007 erschienenen Biografie nach.

- 07.01.2015

Ihrem geistlichen Herrn gegenüber verhielt sich Schwester Pascalina stets diskret. "Es existiert kein einziges Foto, das sie an seiner Seite zeigt", erzählt die bei Augsburg lebende Autorin. Zeitlebens gab die Ordensfrau auch keine Interviews, schrieb aber ihre Erinnerungen unter dem Titel "Ich durfte ihm dienen" nieder. Schad: "Für die Schwester war dieser Mann ein Seelenfreund, und so schützt sie ihn wie eine Mutter ihr Kind vor allen Angriffen." Rund 90 Zeitzeugen hat die Historikerin befragt und eine Unmenge zum Teil unveröffentlichter Briefe gelesen.

Von Altötting in die Münchner Nuntiatur

Als siebtes von zwölf Geschwistern kam Josefine Lehnert, wie sie mit Taufnamen hieß, am 29. August 1894 als Tochter eines Postboten in Ebersberg bei München zur Welt. Nach einer Ausbildung zur Handarbeitslehrerin trat die 19-Jährige in die Kongregation der Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz in Altötting ein und nahm den Namen Pascalina an. Als Ordensfrau wollte sie in die Mission, doch es sollte anders kommen.

In der Münchner Nuntiatur suchte Eugenio Pacelli 1918 dringend Schwestern für den Hausdienst. Kardinal Michael Faulhaber empfahl ihm, in Altötting anzufragen. Die Oberin stimmte zu und entsandte Pascalina mit zwei Schwestern "aushilfsweise" für acht Wochen. Als die 24-Jährige den italienischen Geistlichen sah, stockte ihr der Atem. Sie erblickte eine "hohe schlanke Gestalt, das sehr schmale, bleiche Antlitz, dem zwei seelenvolle Augen eine eigene Schönheit gaben".

Die Rechte Hand des Papstes

Schnell machte sich Pascalina unentbehrlich. Sie sorgte dafür, dass italienische Kost auf den Tisch kam und ihrem Chef ein Heim bereitet wurde. Pacelli vertraute ihr derart, dass sie in seiner Abwesenheit die Briefe öffnen durfte und ihm Notizen für die Antwortschreiben vorlegte. Als für den Nuntius 1926 der Umzug nach Berlin anstand, suchte sie die passende Immobilie und richtete diese ein.

Die dauerhafte Anwesenheit der Schwester musste sich Pacelli erkämpfen. Immer wieder rang er der Oberen ab, dass Pascalina in seinem Dienst bleiben durfte. Entgegen den Gepflogenheiten blieb Pascalina bei Pacelli, als er 1930 Kardinalstaatssekretär wurde. Von Rom aus begleitete sie ihn nach Übersee und brachte sich selbst Englisch bei. Als der Kardinal 1939 Papst wurde, wollte die Schwester abreisen. Doch Pius XII. behielt sie im päpstlichen Haushalt. Nun konnte sie Audienzen zulassen oder auch verhindern.

Als rechte Hand des Papstes hatte die Ordensfrau Zugang zu vielen einflussreichen Bischöfen. Nach dem Tod von Pius XII. nutzte sie ihre Kontakte, um die Seligsprechung "ihres" Papstes voranzutreiben. Erlebt hat sie diese nicht mehr. Nach einem Besuch in Wien 1983 sackte sie im Flieger nach Rom noch vor dem Start zusammen. Drei Tage später starb sie im Krankenhaus. Ihre letzte Ruhe fand die Schwester auf dem Campo Santo, dem traditionellen deutschen Friedhof in Rom, der nur vom Vatikan aus zugänglich ist.

Von Barbara Just