Papst Franziskus besucht das Fest der Familien zum Weltfamilientag
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Papst Franziskus beim achten Weltfamilientag in Philadelphia

"Hab den Mut, wirklich glücklich zu sein"

Die Familie stand im Mittelpunkt des Papstbesuchs in Philadelphia - nicht jedoch die kontroversen Themen der bevorstehenden Bischofssynode im Vatikan. Stattdessen gab es viel Jubel, reichlich Showbiz und einen gut gelaunten Franziskus.

Von Thomas Jansen |  Philadelphia - 27.09.2015

Der Papst wollte beim achten katholischen Weltfamilientreffen ganz offensichtlich nicht Kirchenpolitik machen und auch nicht über die Theologie der Ehe referieren. Er sprach am Benjamin Franklin Parkway weder über wiederverheiratete Geschiedene noch über Abtreibung. Das "Fest der Familien" mit mehreren zehntausend Menschen sollte ein Fest bleiben.

Es gibt nichts Besseres als die Familie

Franziskus konzentriert sich auf Grundsätzliches. Seine Ansprache ist ein engagiertes Plädoyer für die Familie. Die Botschaft lautet in Kurzform: Auch wenn nicht immer alles perfekt läuft - es gibt nichts Besseres als eine Familie. Sie habe "göttliches Bürgerrecht". Gott habe seinen Sohn Jesus Christus, sein größtes Geschenk an die Menschen, schließlich nicht in einem Palast oder einer Firma zur Welt kommen lassen, sondern in einer Familie, so Franziskus.

Weit holt er aus und fängt im Wortsinn bei Adam und Eva an. Garniert war die Rede mit lebensnahen und humorvollen Einsichten eines langjährigen Seelsorgers: "In Familien fliegen auch schon mal Teller. Und Kinder machen Kopfschmerzen - von den Schwiegermüttern gar nicht erst zu sprechen."

Zuvor hatten sechs Familien dem Papst auf der Bühne ihre Lebensgeschichten geschildert. Den Anfang machte ein junges Paar aus Australien, das bald heiraten will und bewusst auf Sex vor der Ehe verzichtet; dies sei der "sicherste Weg zu einer glücklichen Ehe". Es folgten unter anderen die alleinerziehende Mutter eines behinderten Kindes, die aus der Ukraine in die USA ausgewandert war, und ein seit 60 Jahren verheiratetes Ehepaar aus der Geburtsstadt des Papstes, Buenos Aires, das mittlerweile ebenfalls in den USA lebt. Ein anderes Paar schildert, wie seine Ehe in eine schwere Krise geriet, weil ihr Kinderwunsch zunächst nicht in Erfüllung ging. Die Themen, die während der bevorstehenden Bischofssynode besonders kontrovers diskutiert werden dürften, kamen nicht zur Sprache.

Großes Kino

Dafür geht es sehr "amerikanisch" zu: Durch das Programm des Abends führt Katholik, Hollywood-Star und Ex-Calvin-Klein-Model Mark Wahlberg; der Papst auf einer Bühne, die einer Samstagsabendshow im Privatfernsehen alle Ehre machen würde. Nach der Lesung des Evangeliums vom Verlorenen Sohn applaudiert das Publikum - und Franziskus schließt sich an. Für die Musik sorgen Soul-Legende Aretha Franklin, die den Gospel "Amazing Grace" singt, und der blinde italienische Star-Tenor Andrea Bocelli.

Papst Franziskus bedankt sich bei Andrea Bocelli
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Papst Franziskus bedankt sich bei dem Tenor Andrea Bocelli, der das Lied "Vater Unser" gesungen hat.

Als Vorleser für einen Auszug aus dem Schreiben "Familiaris consortio" von Johannes Paul II. hat man den Jesus-Darsteller aus Mel Gibsons "Die Passion Christi", Jim Caviezel, gewonnen. Auf dieses Schreiben aus dem Jahr 1981 berufen sich vor allem die Verteidiger der geltenden Morallehre.

"Hab den Mut, wirklich glücklich zu sein", wird Franziskus auf Plakaten zitiert. Ob er selbst glücklich war mit diesem Programm, bleibt ungewiss. Jedenfalls wirkte Franziskus nach einem anstrengenden Tagesprogramm erstaunlich frisch und gut aufgelegt; er begrüßte die Familien, die ihre Lebensgeschichten erzählten, herzlich. Auch die mehreren zehntausend Menschen ließen sich ihre Stimmung nicht dadurch verderben, dass zwei große Pressetribünen den meisten die Sicht auf den Papst versperrten.

Stimmungsbarometer für die Familiensynode?

Das achte katholische Weltfamilientreffen in Philadelphia wurde vor der Reise oft als Stimmungsbarometer für die bevorstehende Bischofssynode betrachtet. Das Großereignis mit rund 20.000 Dauerteilnehmern war auch der eigentliche Anlass für die USA-Reise des Papstes - die dann immer länger und um eine Kuba-Reise erweitert wurde. Seit seiner Ankunft in den USA am Dienstag wurden all seine Reden und Predigten daraufhin gelesen; das Thema war zwar stets präsent, spielte aber bislang keine zentrale Rolle. Womöglich wollte Franziskus der Bischofssynode in Rom nicht vorgreifen.

Von Thomas Jansen