Stefan Heße, der Erzbischof von Hamburg, spricht.
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Finanzsituation im Erzbistum Hamburg angespannt

Heße: Müssen 20 Millionen Euro pro Jahr sparen

Obwohl aktuell noch genügend Kirchensteuern fließen, steht das Erzbistum Hamburg vor großen finanziellen Herausforderungen. Deshalb kündigte Erzbischof Stefan Heße Einsparungen an.

Hamburg - 12.11.2016

Das Erzbistum Hamburg muss bis zum Jahr 2020 jährlich 20 Millionen Euro in seinem Haushalt kürzen. Das kündigte Erzbischof Stefan Heße am Samstag vor den mehr als 500 Teilnehmern einer Auftaktveranstaltung zum diözesanen Erneuerungsprozess im Hamburger Mariendom an. "Die finanzielle Lage des Erzbistums ist sehr schwierig", sagte Heße.

Zwar würden die Mitgliederzahlen des 400.000 Katholiken in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg umfassenden Erzbistums derzeit nicht sinken. Auch sorge die wirtschaftliche Lage für aktuell gute Kirchensteuereinnahmen. "Dem gegenüber steht aber eine riesige Zahl von Kirchen, Gemeindehäusern, Kindergärten, Bildungshäusern und Schulen, deren Unterhalt jedes Jahr viel Geld kostet", so der Erzbischof. Hinzu kämen steigende Personalkosten und Pensionsverpflichtungen.

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400.000 Katholiken leben in Deutschlands größtem Flächenbistum im Norden. Wie leben sie ihren Glauben?

Derzeit werden nach Angaben der Erzdiözese 90 Prozent des Haushalts des Erzbistums durch die Kirchensteuer gedeckt. Nach dem letzten vorliegenden Finanzbericht lagen die Ausgaben 2014 bei rund 109 Millionen Euro. Bis 2050 werde es aufgrund der demografischen Entwicklung aber voraussichtlich 40 Prozent weniger Kirchenmitglieder geben, sagte Heße. Wolle die Diözese dann finanziellen Spielraum behalten, müsse sie mit Einschnitten von etwa 50 Prozent rechnen. Nur durch Einsparungen bleibe den Katholiken in Norddeutschland heute noch "Luft für Neues".

Für künftige Investitionen fehlt das Geld

Für 60 Prozent der anstehenden Investitionen fehle dem Erzbistum heute schon schlicht das Geld. "Es geht an die Substanz", so Heße. Der Erzbischof betonte, dass der geplante Erneuerungsprozess kein reiner Strukturprozess sein solle. "Ich bin der festen Überzeugung: Bei allen Veränderungen in der Kirche kommen wir nicht weiter, wenn wir hier oder da die Stellschrauben ein wenig nachjustieren", so Heße. Bei allen Strukturfragen müsse die Frage "Fördert das unsere Beziehung zu Christus?" im Mittelpunkt stehen. "Wir können uns als Kirche nicht mit dem Kreisen um uns selbst begnügen", so Heße. "Kirche sind wir immer und zuerst für die Anderen."

Heße kündigte für Sonntag ein Hirtenwort zur aktuellen Situation und dem Start des Erneuerungsprozesses an. Bereits seit dem Frühjahr hatten sich die Gremien der Erzdiözese mit der finanziellen Situation befasst; Sonderbeilagen der Kirchenzeitung hatten darüber informiert. Zudem werden derzeit die 214 Pfarreistandorte in 28 Pastoralen Räumen zusammengefasst. Vier dieser Pastoralen Räume sind bereits gegründet. (KNA)