Der Tempelberg in Jerusalem.
Bischöfe veröffentlichen Erklärung zur Unterstützung der Kirche im Heiligen Land

"Ihr seid nicht vergessen"

Zum Abschluss des Bischofstreffens im Heiligen Land haben die Teilnehmer eine Erklärung veröffentlicht. Darin rufen sie dazu auf, denen, die nicht gehört werden, eine Stimme zu geben. Katholisch.de dokumentiert die Erklärung im Wortlaut.

Bonn - 14.01.2016

"Wir müssen wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben und dass es sich lohnt, gut und ehrlich zu sein." (Laudato si' 229)

Als Bischöfe der "Holy Land Coordination" wiederholen wir den Appell von Papst Franziskus in seiner jüngsten Enzyklika, der an unsere gegenseitige Abhängigkeit in einer integrierten Welt erinnert. Während unseres Besuchs in diesem Land, das Juden, Christen und Moslems heilig ist, wurde uns die beständige Präsenz der Kirche unter den Schwachen und Verletzlichen sowie den allzu oft Vergessenen erneut deutlich. Wir nehmen die Erzählungen mit, die wir gehört haben. Wir müssen denen, die nicht gehört werden, eine Stimme geben.

Die anhaltende Gewalt zeigt, wie dringlich es ist, allen beizustehen und sie nicht aus den Augen zu verlieren, besonders jenen am Rand und jenen, die ein Leben in Gerechtigkeit und Frieden suchen.

An die christliche Gemeinschaft und die jungen Menschen von Gaza: Ihr seid nicht vergessen. Der Krieg 2014 führte zur Zerstörung von tausenden Häusern und der Infrastruktur von Gaza, ebenso wie zu Toten auf beiden Seiten, Israelis und Palästinensern. Eineinhalb Jahre später sind weiterhin viele obdachlos und traumatisiert vom Krieg, auch wenn es Zeichen der Hoffnung gibt und die Widerstandskraft der Bevölkerung bemerkenswert ist. Die Blockade macht ihr Leben weiterhin hoffnungslos und sie leben wirklich wie in einem Gefängnis. In der Pfarrei zur Heiligen Familie wurde uns gesagt: "In diesem Jahr der Barmherzigkeit ist ein Akt der Barmherzigkeit, Gefangene zu besuchen, und ich danke euch, dass ihr das größte Gefängnis der Welt besucht." Die Fähigkeit so vieler Christen und Muslime, sich in dieser Situation gegenseitig zu unterstützen, ist ein sichtbares Zeichen der Hoffnung und ein Beispiel für uns alle in einer Zeit, in der so viele versuchen, Gemeinschaften zu spalten.

An die christliche Gemeinschaft in Beit Jala, in der die israelische Enteignung von Land und die gegen internationales Recht verstoßende Ausweitung der Sperrmauer in das Cremisan-Tal ihre Präsenz im Heiligen Land weiter unterminieren: Ihr seid nicht vergessen. In diesem Jahr 2016 müssen wir den Fokus der nationalen und internationalen Öffentlichkeit auf euer schwerwiegendes Schicksal richten.

An jene Israelis und Palästinenser, die Frieden suchen: Ihr seid nicht vergessen. Das Recht Israels auf ein Leben in Sicherheit ist offenkundig, aber die andauernde Besatzung zerfrisst die Seele beider, des Besatzers und des Besetzten. Politische Führer überall auf der Welt müssen größere Energie auf eine diplomatische Lösung zur Beendigung von fast 50 Jahren Besatzung verwenden und den andauernden Konflikt beenden, sodass die beiden Völker und drei Religionen in Gerechtigkeit und Frieden zusammenleben können.

An die christlichen Flüchtlinge, die wir in Jordanien getroffen haben: Ihr seid nicht vergessen. Wir haben von dem Trauma gehört und den Schwierigkeiten bei dem Versuch, ein neues Leben aufzubauen. Für die meisten ist eine Rückkehr in ihre Heimat nicht länger eine Option. Flüchtlinge stellen fast ein Viertel der Bevölkerung Jordaniens und das Land kämpft mit der Bewältigung. Die Anstrengungen von Ortskirche und Nichtregierungsorganisationen, um alle Flüchtlinge, Christen und Muslime zu erreichen, sind erheblich und verdienstvoll, aber die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, um ihre Not zu lindern und für Frieden in der Region zu sorgen.

An die Priester, religiösen Gemeinschaften und Laien in der jordanischen Kirche: Ihr seid nicht vergessen. Die Kirche in Jordanien ist lebendig und wächst, aber Christen haben Angst vor dem wachsenden Extremismus in der Region.

Es bleibt zu hoffen, dass uns der am 1. Januar in Kraft getretene Grundlagenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Palästina ein Modell des Dialogs und der Kooperation zwischen Staaten bietet, das den Frieden der Religionen und die Gewissensfreiheit für alle Menschen respektiert und schützt.

Mit dem Versprechen aktiver Solidarität machen wir uns das Gebet von Papst Franziskus in Laudato si' zu eigen: "Gott der Armen, hilf uns, die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde, die so wertvoll sind in deinen Augen, zu retten."

Erzbischof Stephen Brislin, Südafrika
Bischof Pierre Bürcher, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Schweden
Bischof Oscar Cantú, USA
Erzbischof Rodolfo Cetoloni, Italien
Bischof Christopher Chessun, Kirche von England
Bischof Michel Dubost, Frankreich
Bischof Lionel Gendron, Kanada
Bischof Felix Gmür, Schweiz
Bischof William Kenney, England und Wales, COMECE
Bischof Declan Lang, England und Wales
Bischof John McAreavey, Irland
Bischof William Nolan, Schottland
Bischof Thomas Maria Renz, Deutschland
Erzbischof Joan Enric Vives, Spanien

Bild: © KNA

Weihbischof Thomas Maria Renz aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart hat als Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Naher und Mittlerer Osten" der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz an dem Bischofstreffen im Heiligen Land teilgenommen.

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Der gewaltlose Widerstand der Kirche gegen den Nahostkonflikt zeigt keine Wirkung, resümiert der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Naher und Mittlerer Osten" der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Thomas Maria Renz, im Interview.