Eine Aufsicht auf die Vollversammlung des Zentralkomitees deutscher Katholiken in einem großen Saal.
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Die Herbstvollversammlung des ZdK ging zu Ende

Immer papsttreu - oder zumindest nie unpäpstlich

Auf der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK) in Bonn wurde auch hitzig diskutiert - unter anderem darüber, wie papsttreu das ZdK ist. Ein Rückblick.

Von Thomas Jansen |  Bonn - 25.11.2017

Hätte Thomas Sternberg einfach das Wörtchen "immer" weggelassen, dann wäre ihm vielleicht der kurze, aber bezeichnende Disput über Selbstverständnis und Positionierung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) erspart geblieben. Doch das tat er zur Eröffnung der ZdK-Herbstvollversammlung in Bonn nicht. In seinem "Bericht zur Lage" sagte der ZdK-Präsident am Freitag: "Entgegen aller Etikettierungen, mit denen das gerne in Zweifel gezogen wird, waren wir immer papsttreu". Zuvor hatte er zustimmend einen Aufruf zur Papsttreue zitiert, den ein jüngst verstorbener Kardinal formulierte hatte, der zu Lebzeiten selten Gewährsmann des ZdK war: Joachim Meisner.

Das war einer Delegierten offenbar zu viel der Papsttreue. Sternbergs Aussage entspreche nicht ihrem eigenen Selbstverständnis und auch nicht ihren Erfahrungen, sagte sie in der anschließenden Aussprache. Das ZdK müsse ein "kritisches Potenzial" haben. Als Stichwort nannte das ZdK-Mitglied "Donum vitae" und spielte damit auf die gegensätzlichen Auffassungen von ZdK und Vatikan im Konflikt über die Schwangerenkonfliktberatung an. Sternberg nahm die Kritik auf und formulierte neu: Das ZDK nehme eine kritische Haltung in der Kirche ein, sei aber "nie antipäpstlich oder antikirchlich" gewesen, sagte er jetzt.

Da bin ich dran.

Zitat: ZdK-Präsident Sternberg zum Frauendiakonat

Doch am meisten Kritik gab es an den Aussagen des ZDK-Präsidenten über die Rolle der Frau in der Kirche und das Frauendiakonat. Es sei zu erwarten, dass die "pastorale Notsituation" die bessere Einbindung von Frauen in Leitungspositionen beschleunigen werde, hatte Sternberg gesagt. In puncto Frauendiakonat beließ er es bei der Feststellung, dass es "leider noch keine Neuigkeiten" gebe. Insgesamt nahm das Thema in dem neunseitigen Bericht drei Zeilen ein. Sternberg hatte politische Themen, wie den Familiennachzug von Migranten, den Islam und den Ausgang der Bundestagswahl in den Vordergrund gestellt.  

Das wollten einige weibliche Delegierte so nicht unkommentiert stehen lassen. Das Diakonat der Frau sei "keine Frage der Not, sondern der Glaubwürdigkeit und der Zukunftsfähigkeit der Kirche", wies eine Delegierte Sternberg zu Recht. Eine andere fragte mit Blick auf in Aussicht gestellte Gespräche mit der Bischofskonferenz und den deutschsprachigen Vertretern in der vatikanischen Kommission zum Frauendiakonat in vorwurfsvollem Ton "Sind sie da dran?" Ein weiteres Statement war noch deutlicher: "Mit dem, was die Amtskirche zu Frauen sagt, bin ich nicht einverstanden. Es wäre schön, wenn das ZdK das stärker unterstützen würde". Sternberg versicherte "Da bin ich dran". Aber derzeit gebe es eben noch "keinen effektiven Fortschritt" zu vermelden.

Linktipp: ZdK: Wenden uns nicht gegen Papst und Kirche

Das ZdK sei nicht kirchentreu und linksliberal, lauten Vorwürfe. Das sei "geradezu grotesk", meint jedoch das Gremium. Präsident Thomas Sternberg erklärt, wen das Komitee wirklich repräsentiert.

Auch wenn es an diesen Punkten von einigen Delegierten an Sternbergs Bericht Kritik gab: Seiner Wiederwahl zum ZdK-Präsidenten mit deutlicher Mehrheit tat das am Freitag keinen Abbruch. Als prominentestes Mitglied wurde Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) als Sprecherin für den Sachbereich "Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung" in den Hauptausschuss des ZdK gewählt. Insgesamt wurden die Wahlen für die verschiedenen Gremien von ZdK-Mitgliedern dominiert, die hauptamtlich für den Verband oder die Organisation tätig sind, die sie entsandt haben. "Echte" Ehrenamtliche, die in den Diözesanräten stark vertreten sind, bilden hier die Minderheit. Eine Erklärung von Kennern des ZdK ist, dass der zeitliche Aufwand für solche Ämter für diese Gruppe nur schwer zu leisten sei.

Große Einigkeit beim Thema Asylpolitik

Große Einigkeit herrschte hingegen beim Schwerpunkt der diesjährigen Vollversammlung, der Asylpolitik. Die Vollversammlung verabschiedete einstimmig einen Beschluss, in dem sie auf eine "menschenwürdige" Asylpolitik in der EU drängt. Das ZdK fordert legale Zugangswege und die Vergabe humanitärer Visa. Der Beschluss wendet sich zudem gegen Vorschläge, Asylverfahren außerhalb von EU-Ländern durchzuführen. Zugleich fordert das ZdK eine "echte Reform" des Dublin-Verfahrens, dass Schutzsuchende verpflichtet, ihren Antrag in der Regel in dem EU-Staat zu stellen, den sie zuerst betreten.

Auch die deutsche Asylpraxis wird vom ZdK kritisiert. Behinderte, Minderjährige, Schwangere und Personen mit Traumata erhielten auch in Deutschland nach wie vor kein auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnittenes Asylverfahren. Die entsprechende EU-Richtlinie sei auch in Deutschland bislang nur "unzureichend" umgesetzt, heißt es in dem Beschluss. ZDK-Präsident Sternberg hatte bereits in seiner Eröffnungsrede die Forderung nach einem Familiennachzug auch für Migranten mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung bekräftigt, den die Bundesregierung bis März 2018 ausgesetzt hat. Allerdings hatte er auch vor einer moralischen Stigmatisierung der Kritiker gewarnt. Er äußerte Verständnis für kommunale Spitzenvertreter, die sich angesichts von Problemen mit der Integration von Migranten gegen einen Familiennachzug aussprechen. Diese dürften nicht einfach als "unchristlich" abgestempelt werden, so Sternberg.

Das Präsidium des ZdK steht hinter dem Logo der Organisation für ein Gruppenbild.
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Das ist das ZdK-Präsidium (v.l.): Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg und Geistlicher Assistent, Christoph Braß, Vizepräsident; Karin Kortmann, Vizepräsidentin; Claudia Lücking-Michel, Vizepräsidentin; Thomas Sternberg, Präsident; Wolfgang Klose, Vizepräsident; Stefan Vesper, Generalsekretär.

Das kirchenpolitisch heikelste Thema stand zum Schluss der Herbstvollversammlung auf der Tagesordnung. Unter dem Titel "Stärkung überdiözesaner Aufgaben der katholischen Kirche in Deutschland" verabschiedete das ZdK eine Erklärung, in der es kritisiert, dass die Bistümer zu wenig Geld für überdiözesane Aufgaben zur Verfügung stellten. Konkrete Beispiele werden nicht genannt. In der Vergangenheit hatte das ZdK etwa die Auslandsseelsorge als Beispiel genannt. Das Zentralkomitee fordert, dass drei Prozent des jährlichen Kirchensteueraufkommens in Deutschland als Regelumlage in den Haushalt des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) gehen. Zuletzt lag der Anteil 2016 bei gut zwei Prozent, 2004 waren es vier Prozent.

Stärkere Beteiligung an finanziellen Entscheidungen gefordert

Zudem fordert das ZdK eine stärkere Beteiligung von Laien an den finanziellen Entscheidungen im VDD, der das Geld für die überdiözesanen Aufgaben vergibt. Auf Bundesebene gebe es bislang kein äquivalentes Gremium zu den diözesanen Kirchensteuerräten und den Finanzgremien in den Pfarreien, heißt es in der Erklärung. Heinz-Wilhelm Brockmann, der maßgeblich an dem Papier mitgewirkt hatte, forderte einen "Bundeskirchensteuerrat". Die heikelste Forderung, die Sternberg jüngst in einem Aufsatz in der Zeitschrift "Herder-Korrespondenz" erhoben hatte, kommt in der Erklärung allerdings nicht mehr vor: Die Umverteilung der Kirchensteuermittel zugunsten der Pfarreien. Sternberg hatte sogar das Schweizer Modell als Vorbild genannt, wo die Bischofskonferenz finanziell nahezu vollständig von Laiengremien und Gemeinden abhängig ist.

Am kontroversesten diskutiert wurde aber ein anderes Thema: die gesetzliche Landeöffnung am Heiligabend. Dazu lagen sechs verschiedene Anträge vor. Im Grundsatz waren sich die Delegierten zwar einig, dass man am Heiligabend nicht shoppen sollte. Doch wie strikt man sein sollte und wie religiös oder theologisch man argumentieren sollte, war strittig. Ein Delegierter sagte, am Heiligabend sei Gott Mensch geworden, da sollte man sich nicht um Geschenke kümmern. Andere meinten, man sollte nicht zu bevormundend sein. Herausgekommen ist schließlich eine Erklärung, die zuerst mit dem Grundgesetz argumentiert und auch grundsätzlich vor einer weiteren Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag warnt. Am Sonntag sei gemeinsame Zeit "unerlässlich für Familien, Freundeskreise und Verbände, für Kirchengemeinden und andere religiöse Vereinigungen".

Von Thomas Jansen

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Video: © katholisch.de

Wo gibt es Berührungspunkte zwischen Rechtspopulisten und der katholischen Kirche? Bettina Jarasch vom ZdK plädiert dafür, sich selbstkritisch damit auseinanderzusetzen.