Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Kaplan Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Jesus, der Exorzist

Jesus treibt einen unreinen Geist aus einem besessenen Mann aus. Was auf viele wohl sehr fremd wirkt, ist im Markusevangelium bei weitem kein singuläres Ereignis. Kaplan Christian Olding legt das Sonntagsevangelium aus.

Von Christian Olding |  Bonn - 27.01.2018

Impuls von Kaplan Christian Olding

Jesus als Exorzist. Das wirkt für etliche wohl sehr fremd und regt eher zum Lachen und Schmunzeln an. Der aufgeklärte und moderne Mensch hat es nicht so mit Dämonen und bösen Geistern. Den Teufel haben wir schließlich längst in die Märchenkiste verbannt. Für die meisten gibt es auch keine Hölle mehr. Da mutet es schon fast komisch an, dass der Himmel so lange überlebt hat.

Würden wir aus dem Markusevangelium alles streichen, was in Verbindung mit Dämonen und unreinen Geistern steht, bliebe nicht mehr viel übrig. Es offensichtlich doch um Wesentliches an diesen Stellen. Vielleicht klingt die biblische Sprache von unreinen Geistern und Besessenheit etwas freundlicher und harmloser, wenn wir formulieren, jemand sei zum Beispiel abhängig oder etwas. Besessen zu sein bedeutet, sich selbst nicht mehr ganz zu besitzen, fremdbestimmt und so nicht mehr Herr und Herrin seines Lebens zu sein. Ich bin nicht mehr frei.

Da ist der kleine Dämon Ungeduld, der in meinen Gedanken schon vorwegnehmen will, was im anderen noch arbeiten und reifen muss. Da ist der unreine Geist, der meinen Mitmenschen nicht gelten lassen kann, der schon mit ihm fertig ist und zu ihm sagt: "Ich kenne dich!" Da ist der Rückzugsgeist, die Flucht vor der Verbindlichkeit oder vor allem, was vielleicht peinlich sein könnte. Da ist der Dämon, der ständig sagt: "Ja - aber..." Da ist der unreine Geist, der mir zuflüstert: "Mach dich nicht von anderen abhängig!" Da sind die hochfliegenden Pläne, die mich hindern, die konkreten Mitmenschen und den Alltag anzunehmen. Da sind die Zerstreuung und die Beliebigkeit - und wie sie alle noch heißen...

Wie oft erlebe ich, dass andere Menschen und ich selbst unfrei und gebunden sind. Und wer hätte nicht schon mal gerne seinen Mitmenschen etwas ausgetrieben: Den Dickkopf, die Eifersucht, die Erbsenzählerei, die ungehaltene Art oder was auch immer. Übrigens, bei jeder Taufe sprechen wir einen kleinen Exorzismus, ein Befreiungsgebet, ebenso wie bei der Tauferneuerung in der Osternacht: "Widersagt ihr dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können?" Es geht um eine Entscheidung, es geht um Erneuerung meines Lebens: Die Absage an das Böse und die Hinwendung zu Gott. Das ist Befreiung.

Eine höfliche Frage zum Schluss: Und was nimmt von uns Besitz, entweder offenkundig, im Verborgenen, als Kuhhandel, auf Bankauszügen oder hinter unserer Sehnsucht? Sicherlich, die Antwort geht nur jeden einzelnen etwas an. Denken Sie nur dran: "Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!" Jesus ist größer. Das will uns das Evangelium mitgeben. Jesus ist der Herr über Alles, auch über solche Gebundenheiten, über alles, was uns unfrei macht. 

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Markus (Mk 1, 21-28)

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl. Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Der Autor

Christian Olding ist Kaplan in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

Ausgelegt!

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