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Leiter des Katholischen Büros über Politik, Gesellschaft und Glaube

Jüsten: Ohne religiöse Bindung mehr Populismus

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Berlin - Viele Menschen fühlten sich abgehängt und ungerecht behandelt, sagt der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten. Ohne spirituelle Bindung seien sie dann leichte Beute für Populisten.

Der Verlust religiöser Bindungen ist nach Auffassung von Prälat Karl Jüsten ein Grund für das Erstarken von Populismus und Nationalismus. "Wenn Menschen keine spirituelle Bindung haben, dann wissen sie nicht mehr, woran sie ihr Koordinatensystem ausrichten sollen und suchen ein innerweltliches Heil", sagte der Leiter des Katholischen Büros in Berlin der Online-Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" (Dienstag). Das mache sie für Populisten zur leichten Beute.

Die Verunsicherung durch Entwicklungen wie etwa die Globalisierung sei ein Nährboden für Nationalisten und Populisten, die einfache Antworten auf komplexe Probleme gäben, beklagte Jüsten. Er führte auch den verbreiteten Hass in sozialen Medien auf diese Verunsicherung zurück. Viele Menschen fühlten sich abgehängt und wirtschaftlich, sozial oder politisch ungerecht behandelt. Sie fänden besonders in den sozialen Medien Resonanzkörper für ihre Befindlichkeiten und Ängste.

Jüsten: Sehr komplexe ethische Entscheidungen

Nach Einschätzung von Jüsten belastet dieser Hass die Politiker am stärksten. Zugleich beklagte er ein mangelndes Verständnis für die teilweise schwierigen Entscheidungen von Politikern: "Die Abgeordneten stehen oft vor sehr komplexen ethischen Entscheidungen. Ich erlebe, dass sie es sich alles andere als leicht damit machen - oft ringen sie über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg um die richtige Entscheidung. Das wird in der Öffentlichkeit viel zu wenig gewürdigt".

Mit Blick auf die AfD sprechen nach Jüstens Worten "viele Gründe vom Parteiprogramm über Äußerungen der Parteifunktionäre bis hin zu deren Verhalten dafür, dass ein Christ dort nicht zu Hause sein kann". Weiter sagte er: "Wenn man die Reaktionen führender AfD-Politiker auf den grausamen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt betrachtet, dann drängen sich mit Blick auf das Menschenbild und den seriösen Umgang dieser Partei mit Problemen grundlegende Zweifel auf. Politische Verantwortung möchte man in solche Hände nicht legen." Gleichwohl sei die AfD eine zugelassene Partei und habe das Recht, in diesem Land zu Wahlen anzutreten. (KNA)

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