Benedikt XVI. im Porträt
Benedikt XVI. dementiert Spekulationen über nicht veröffentlichte Passagen

"Kein geheimer Visionsbericht von Fatima"

Benedikt XVI. hat Spekulationen über nicht veröffentlichte Passagen des dritten Geheimnisses von Fatima zurückgewiesen. Eine amerikanische Internetseite hatte über unterschlagene Teile der Vision berichtet.

Vatikanstadt - 21.05.2016

Vor einer Woche hatte die US-amerikanische Internetseite OnePeterFive unter Berufung auf den früheren Moraltheologen Ingo Dollinger berichtet, Joseph Ratzinger habe als Präfekt der Glaubenskongregation kurz nach der Veröffentlichung der "Geheimnisse von Fatima" 2000 in einem Telefonat mit Dollinger eingeräumt, die Publikation sei nicht komplett erfolgt. Unterschlagene Teile der Vision, die 1917 im portugiesischen Fatima erfolgte, beträfen "ein schlechtes Konzil und eine schlechte Messe", die in naher Zukunft bevorstünden.

Benedikt: Veröffentlichung ist vollständig

Die Geschichte von OnePeterFive war in den vergangenen Tagen von einzelnen italienischen Medien aufgegriffen worden. Benedikt XVI. dementierte nun, jemals mit Dollinger über Fatima gesprochen zu haben. Zu dem fraglichen Visionsbericht erklärte er wörtlich: "Die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses von Fatima ist vollständig."

Linktipp: Die Geheimnisse von Fatima

Am 13. Mai 1917 begannen die Marienerscheinungen von Fatima. Die Geschichte fängt bei Hirtenkindern an und reicht bis zu einem Papst-Attentat. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Ereignisse rund um den portugiesischen Wallfahrtsort.

Um den Umfang und die Deutung der Botschaften, die von drei portugiesischen Seherkindern in mehreren Visionen im Jahre 1917 empfangen wurden, gibt es immer wieder Mutmaßungen. Die Protokolle der ersten beiden Marienerscheinungen wurden bereits 1941 veröffentlicht. Der dritte Teil, der zunächst geheim blieb und dem Papst persönlich zugeleitet wurde, war im Jahr 2000 publiziert worden. Er enthielt Visionen, die mit dem Papstattentat von 1981 und den kommunistischen Diktaturen in Osteuropa in Verbindung gebracht wurden.

Johannes Paul II. schrieb seine Errettung Fatima zu

In den ersten "Geheimnissen" ruft die Gottesmutter die Menschheit zu Buße und Umkehr angesichts schwerer Bedrohungen auf. In düsteren Bildern ist dabei von Kriegen, Hungersnöten und Kirchenverfolgungen die Rede, insbesondere von Attacken eines militanten Atheismus gegen die Kirche. Der dritte Text spricht von einem weiß gekleideten Bischof, der von Soldaten erschossen wird. Diese Vision wurde später mit dem Attentat auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981 in Verbindung gebracht. Der Papst selbst schrieb seine wunderbare Errettung der Gottesmutter von Fatima zu und schenkte dem portugiesischen Wallfahrtsort die Pistolenkugel, die ihn schwer verletzt hatte. (KNA)

Linktipp: Von Fatima bis Kibeho

Papst Franziskus hat sich jüngst kritisch zu Marienerscheinungen geäußert. Berühmte Orte dieser Erscheinungen sind Fatima, Lourdes oder Kevelaer. Ihre Bedeutung verdanken sie stets Visionen einzelner Menschen. Katholisch.de stellt eine Auswahl berühmter Pilgerziele vor.