Kirche sucht Missbrauchsopfer per Brief
Ungewöhnliches Vorgehen der evangelischen Kirche in Niedersachsen

Kirche sucht Missbrauchsopfer per Brief

Rund 320 Briefe hat die evangelische Kirche in Niedersachsen an ehemalige Konfirmanden in der Grafschaft Schaumburg verschickt. Mit diesem ungewöhnlichen Mittel sucht sie nach Missbrauchsopfern.

Rinteln - 23.05.2016

In dieser Zeit unterrichtete dort ein damaliger Superintendent Jugendliche, der nun in den Verdacht geriet, mindestens einen Konfirmanden sexuell missbraucht zu haben. Das mutmaßliche Missbrauchsopfer habe sich erst jetzt, 50 Jahre nach der Tat, aus Anlass seiner Goldenen Konfirmation offenbart, sagte der heutige Superintendent Andreas Kühne-Glaser. "Es gibt Grund zu der Annahme, dass der 1990 verstorbene damalige Superintendent weitere Schutzbefohlene missbraucht hat."

In den Briefen räumt die Kirche eine Mitschuld an der Vielzahl von Missbrauchsfällen in der Vergangenheit ein und bittet mögliche Opfer, sich zu melden. Ein Sprecher der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover bezeichnete die Aktion zum Auffinden von Missbrauchsopfern am Montag als beispiellos. Das Ganze sei mit der Landeskirche abgestimmt. (dpa)