Marschflugkörper erhellen den nächtlichen Himmel über Damaskus während einer militärischen Operation am 14. April 2018.
DBK und EKD rufen zu Abkehr von Militäreinsätzen auf

Kirchenvertreter kritisieren Militärschlag gegen Syrien

In der Nacht auf Samstag haben westliche Staaten bereits erwartete Militärschläge gegen Syrien durchgeführt. Kardinal Reinhard Marx zeigte Verständnis für den Angriff – und übte zugleich deutliche Kritik.

Bonn - 14.04.2018

Militärschläge können nach Ansicht der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland im Syrien-Konflikt keine Lösung bringen. "Militärische Lösungen wird es nicht geben. Und auch Militärschläge führen nicht zum Ziel", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Samstag in Trier. "Der Weg der Gewalt wird keine Lösung bringen", betonte auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

Die Spitzenvertreter der beiden großen christlichen Kirchen forderten eine politische Lösung des Konflikts. Die könne es nur geben, "wenn die großen Mächte sich jetzt wirklich mit gutem Willen an den Tisch setzen", sagte Kardinal Marx.

Marx: Militärschläge sind verständlich, aber keine Lösung

Die Großmächte hätten leider "keinen Weg gefunden, dieses Schlachten, so muss man eigentlich sagen, zu beenden". Er fügte hinzu: "Giftgas einzusetzen, das ist so entsetzlich und so furchtbar, dass wir eigentlich nur sprachlos sind über eine solche Gewalt. Und dass dann Reaktionen kommen, das kann man verstehen – nur die Lösung für dieses Land und für die Menschen besteht nicht in militärischen Aktionen."

"Der Giftgasangriff auf unschuldige Menschen empört uns und viele Menschen haben das Gefühl, dass man das nicht so einfach auf sich beruhen lassen kann", sagte Bedford-Strohm. "Jetzt geht es darum, dass die Großmächte wieder zueinander finden, dass der Weg der Eskalation der Gewalt endlich aufhört und dass wirklich wirksame Wege zum Frieden gefunden werden."

Linktipp: Papst: Nichts kann Einsatz von Giftgas rechtfertigen

Papst Franziskus hat den mutmaßlichen Giftgasangriff auf Duma in Syrien entschieden verurteilt. Zuvor nannte er es bei einer Messe ein "Drama", wenn Menschen sich für nichts mehr schämten.

In einer persönlichen Note erinnerte sich Marx an einen Syrien-Besuch mit Studenten im Jahr 2000. Er habe dieses Land "wirklich geliebt". "Und deswegen leide ich sehr, wenn ich die Bilder sehe aus Homs, aus Damaskus." Bedford-Strohm betonte: "Wir beten jeden Tag für die Opfer in Syrien." Die Vertreter der beiden großen Kirchen äußerten sich am Rande der bundesweiten Eröffnungsfeier der ökumenischen "Woche für das Leben".

In der Nacht zum Samstag hatten die USA, Großbritannien und Frankreich Ziele in Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen. Dies wird mit Vergeltung für den Einsatz von Chemiewaffen begründet, für den der Westen Syriens Regierung unter Baschar al-Assad verantwortlich macht und bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Die Bundesregierung unterstützt den Angriff der Westmächte. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Einsatz am Samstag als "erforderlich und angemessen". Das mit der Assad-Regierung verbündete Russland verurteilte den Angriff hingegen. Präsident Wladimir Putin forderte am Samstag eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates.

Ackermann kritisiert Trumps Twitter-Politik

In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur äußerte auch der Vorsitzende der Deutschen Kommission "Justitia et Pax", Triers Bischof Stephan Ackermann, seine Besorgnis über den jüngsten Angriff: "Meine Angst ist, dass durch diese Militärschläge die Eskalationsschraube sich weiter dreht." Er kritisierte besonders deutlich US-Präsident Donald Trump: "Über Twitter werden irgendwelche Dinge angekündigt, also wirklich stärkste militärische Mittel: das finde ich verheerend für die internationale Politik." (kim/dpa/KNA)