Der DOCAT.
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Der DOCAT ist der Nachfolger des Jugendkatechismus YOUCAT

Klein, blau und für die Revolution

Gibt es friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen? Ist Sterbehilfe erlaubt? Ist Wohlstand unethisch? Auf diese Fragen will der DOCAT jungen Lesern antworten. Karl-Olaf Bergmann hat das Buch rezensiert.

Von Karl-Olaf Bergmann |  Bonn - 08.09.2016

Das Buch mit dem himmelblauen Einband wirkt harmlos. Unter dem großen Y auf der Coverseite, das manchen gleich bekannt vorkommen wird, steht mit fetten weißen Lettern: DOCAT, darunter nicht mehr als die simple Frage: "Was tun?" Der DOCAT kommt im gleichen Format daher wie alle Bücher der "YOUCAT Foundation": kaum höher und breiter als ein A5-Blatt und zweieinhalb Zentimeter dick. Auch der Einband des DOCAT ist wieder griffig, das Blättern fällt leicht, ein praktisches Stoffbändchen dient als Lesezeichen. Robust und solide liegt das Buch in der Hand. Fast unauffällig erscheint es bis dahin.

Beim Wenden stoße ich auf ein Zitat: "Ein Christ, der in diesen Zeiten kein Revolutionär ist, ist kein Christ." Nur mittelgroß geschrieben, lese ich zweimal die vier kurzen Zeilen. Christ und Revolution? Kann das stimmen? Erneut schaue ich auf die Coverseite. Mir fällt auf, dass die Frage "Was tun?" Verschiedenes ausdrücken kann: Unsicherheit oder Ratlosigkeit, Suche oder Aufforderung. Worum geht es dem DOCAT? Und von wem stammt das Zitat?

Am 17. Juni 2013 wandte sich Papst Franziskus mit eindringlichen Worten an die Teilnehmer der Pastoraltagung der Diözese Rom: "Es gibt viele Revolutionäre in der Geschichte, es hat viele gegeben. Aber niemand hatte die Kraft dieser Revolution, die Jesus uns gebracht hat: eine Revolution, die die Geschichte verwandelt, eine Revolution, die das Herz des Menschen zutiefst verändert." Noch bevor ich die erste Seite des Buches gelesen habe, wird mir klar: Der DOCAT will genau diese Revolution auslösen. Eine Revolution, die zunächst ganz unauffällig und harmlos daherzukommen scheint, weil sie im Inneren des Menschen beginnt.

Linktipp: "Ein Buch wie Feuer!"

Papst Franziskus hat ein sehr persönliches Vorwort für die "Youcat"-Jugendbibel geschrieben. Darin bezeichnet er seine eigene Bibel als seinen "kostbarsten Schatz". Gleichzeitig warnt er vor den Gefahren, die von der Heiligen Schrift ausgehen.

Doch an wen wendet sich der DOCAT und warum? Besonders junge Menschen sollen sich angesprochen fühlen, schreiben die 26 Autoren selbst über das Buch, deren Team Kardinal Christoph Schönborn (Wien) und Kardinal Reinhard Marx (München-Freising) anleiteten. In seinem Vorwort zum DOCAT spricht sie auch Papst Franziskus direkt an: "Liebe Jugendliche!" Er selbst möchte den jungen Leuten dieses Buch "übergeben", schreibt er, es sei so etwas "wie eine Gebrauchsanweisung, die uns hilft, mit dem Evangelium erst einmal uns selbst, dann unser nächstes Umfeld und am Ende die ganze Welt zu verändern."

Den Traum des Papstes wahr werden lassen

Mit der eigens zum DOCAT programmierten App für Smartphones (für iOS und Android) machen die Herausgeber einen großen Schritt auf junge Leute zu. Beim Start erscheint auf dem Display das Gesicht von Papst Franziskus, und als würde er die User direkt ansprechen, folgen die Worte: "Mein Traum: Eine Million junger Christen. Ja, am besten eine ganze Generation, die 'Soziallehre auf zwei Beinen' sind." In der App folgt darauf die Einladung: "Lass den Traum des Papstes wahr werden…"

Der Inhalt des DOCAT umfasst auf 320 Seiten 12 große Themen: (1) Der Masterplan Gottes: Die Liebe; (2) Gemeinsam sind wir stark: Die Kirche und das Soziale; (3) Einmalig und unendlich wertvoll: Die menschliche Person; (4) Gemeinwohl, Personalität, Solidarität, Subsidiarität: Die Prinzipien der Soziallehre; (5) Das Fundament der Gesellschaft: Die Familie; (6) Beruf und Berufung: Die menschliche Arbeit; (7) Wohlstand und Gerechtigkeit für alle: Die Wirtschaft; (8) Macht und Moral: Die politische Gemeinschaft; (9) Eine Welt – eine Menschheit: Die internationale Gemeinschaft; (10) Die Schöpfung bewahren: Die Umwelt; (11) Leben in Freiheit und Gewaltlosigkeit: Der Friede; (12) Das persönliche und gemeinschaftliche Engagement: Die Liebe tun.

Screenshots der DOCAT-App.
Bild: © katholisch.de

Auch digital: Zum DOCAT wurde eigens eine Smartphone-App programmiert, die kostenlos verfügbar ist.

Im DOCAT führen durchgehend fett hervorgehobene Fragen durch alle Themen und bringen den Inhalt auf den Punkt. Sie schaffen eine dialogische Gliederung, weil sie den Leser direkt ansprechen. Der ganze Inhalt ist ferner auf 328 Absätze durchnummeriert. Jeder umfasst einen Gedanken, eine Aussage bzw. eine Antwort, die wiederum durch Querverweise mit anderen Stellen im DOCAT verbunden ist. Dabei kommt methodisch wieder ein Kanon intuitiv verständlicher Symbole und Zeichen zum Einsatz. Sie sind praktisch und helfen dabei, den Inhalten zu folgen, sie zu vertiefen und in den Zusammenhang zu stellen.

Zahlreiche Fotos, viele Zitate

Voller Leben sprühen erneut die Illustrationen von Alexander von Lengerke. Zahlreiche Fotos – vor allem von Jugendlichen – und stimmungsvolle Motive machen das Lesen des DOCAT zu einem Erlebnis. Die meisten Fotos entstanden bei einem weltweiten Fotowettbewerb. Am Ende jedes der zwölf Themen-Kapitel werden die wichtigsten, damit inhaltlich verbundenen kirchlichen Dokumente benannt und kurz vorgestellt. Außerdem flankieren fast unzählige Zitate die Themen und Fragen im DOCAT. Sie stammen bunt gemischt von Heiligen und Wissenschaftlern, Literaten und Politikern. Ein umfassendes Namensregister und Stichwortverzeichnis am Ende des Buches verschaffen Überblick.

Der neue DOCAT spricht nicht nur die meisten den Jugendlichen wichtigen Themen an, sondern bringt sie und die Zusammenhänge konzentriert auf den Punkt und wagt schließlich das, was bei komplexen Themen heute vielen unmöglich scheint: konkrete und fundierte Antworten, die nicht nur Jugendlichen eine klare Orientierung und Sicherheit bieten können. Allein der Mut dazu mag überraschen. Der Volksmund sagt: Den Mutigen gehört die Welt! Der DOCAT beweist diesen Mut, den Traum von einer besseren Welt zu leben. Er ist kein Lesebuch, er will auch mehr als ein modernes Nachschlagewerk sein, das bewährtes und neues Wissen zu zeitlosen und aktuellen Fragen des menschlichen Miteinanders zusammenführt

Das Autorenteam, zu dem unter anderem renommierte Sozialwissenschaftler und Theologen wie Arnd Küppers und Peter Schallenberg gehörten, präsentiert die Soziallehre der Katholischen Lehre stattdessen als eine befreiende Botschaft, einen großen Traum, der auch Wirklichkeit werden kann. Sie machen deutlich, wie eng Evangelium und Soziales im christlichen Glauben verbunden sind, dass der christliche Glaube nicht auf das Private reduziert werden kann. Der DOCAT macht letztlich Mut, unserem christlichen Glauben Großes zuzutrauen und sich von ihm erfüllt in die Welt hinaus aufzumachen. Ob er die Sehnsucht nach einer besseren Welt, das Ideal dafür wecken und die Leidenschaft für deren Umsetzung wird auslösen bzw. fördern können? Wesentlich wird auch das von Zeugen gelebten, christlichen Glaubens abhängen, die das Feuer und die "Revolution der Herzen" in den Jugendlichen entfachen.

Etwas ausrichten und etwas verändern

"Dein Versprechen…" heißt es schließlich auf der App zum DOCAT, "gib dem Papst dein Versprechen, dass du mithilfe der DOCAT App die Welt verändern willst." Von innen nach außen: Erst müssen wir uns selbst ändern, dann können wir die eigene Umgebung und schließlich die Welt verändern, damit sie zu "einem besseren Ort" werden kann. Den Jugendlichen wird somit sehr viel zugetraut. Sie sollen jetzt gleich damit anfangen, ermutigt die App, und Teil einer großen Bewegung werden. Damit macht der DOCAT auch deutlich, dass der christliche Glaube konkret, im eigenen Leben und in der Gesellschaft – unter den Bedingungen unserer Zeit – etwas ausrichten und verändern kann. Dass er nicht nur eine Idee oder Lehre ist, sondern die reale Kraft hat, in den Alltag hineinzuwirken.

Der DOCAT

Der neue DOCAT, unter Projektleiter Bernhard Meuser, ist ein Werk der "YOUCAT Foundation" und wird herausgegeben von der Österreichischen Bischofskonferenz. Er kostet im Handel 14,99 Euro. Die DOCAT-App ist kostenlos und kann im Apple App-Store oder bei Google-Play heruntergeladen werden.

Von Karl-Olaf Bergmann