Ernste Lage: Kopten demonstrieren in Kairo.
Muslimische Würdenträger überbringen Wünsche zum Fest

Kopten feiern Weihnachten im Schatten des Terrors

In Ägypten feiern die koptischen Christen Weihnachten im Schatten des jüngsten Anschlags auf eine Kirche in Kairo. Hochrangige muslimische Würdenträger überbrachten Wünsche zum Fest.

Kairo - 06.01.2017

In Ägypten feiern die koptischen Christen Weihnachten im Schatten des jüngsten Anschlags auf eine Kirche in Kairo. Das koptische Weihnachtsfest fällt wie in Teilen der orthodoxen Kirche auf den 7. Januar. Grund dafür ist, dass die betreffenden Kirchen statt des Gregorianischen Kalenders von 1582 ein älteres Kalendersystem verwenden. Den Angaben zufolge wird Papst-Patriarch Tawadros II. die großen Weihnachtsliturgien in der Kairoer Markus-Kathedrale leiten. In den vergangenen Jahren nahm auch Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi an dem Gottesdienst am Heiligen Abend teil. Laut der Agentur "Aina" wird er auch an diesem Freitagabend in der Kathedrale erwartet, offiziell bestätigt ist dies bislang nicht.

Weitere Verdächtige festgenommen

In der unmittelbar an die Kathedrale anschließende Kirche St. Peter und Paul hatte sich am 11. Dezember ein Selbstmordattentäter während eines Gottesdienstes in die Luft gesprengt und 27 Menschen getötet. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Attentat. In dieser Woche gab die ägyptische Polizei bekannt, man habe weitere Verdächtige festgenommen, darunter einen mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags. In den dreieinhalb Wochen seit dem Anschlag wurde die Kirche von Soldaten der ägyptischen Armee wieder instand gesetzt. Die Arbeiten seien auf Anweisung der Regierung rechtzeitig vor dem koptischen Weihnachtsfest fertiggestellt worden, teilte die Armee laut ägyptischen Medienberichten mit.

Regierungsvertreter zeigten sich vor dem Weihnachtsfest solidarisch mit den Kopten im Land. Papst-Patriarch Tawadros empfing in den vergangenen Tagen an seinem Amtssitz in Abbasiya unter anderem Verteidigungsminister Sedki Sobhi, den Minister für religiöse Stiftungen, Mohamed Mokhtar Gomaa, sowie den früheren Interims-Staatschef Adli Mansur. Auch der Großimam der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tayyib, überbrachte dem Patriarchen in Begleitung einer hochrangigen muslimischen Delegation Wünsche zum Weihnachtsfest.

Viel Gottvertrauen und Stärke

Unter den Christen in Ägypten herrschten nach dem Anschlag weiterhin Trauer und Angst, sagte der koptisch-katholische Bischof Kyrillos William Samaan in einem von der Organisation "Kirche in Not" veröffentlichten Interview. Gleichzeitig erlebe man viel Gottvertrauen und Stärke. Unter der überwiegend muslimischen Bevölkerung im 94-Millionen-Einwohner-Staat Ägypten leben unterschiedlichen Angaben zufolge bis zu zehn Millionen Christen. Seit Ende 2010 waren ihre Kirchen wiederholt Ziel von Anschlägen islamistischer Extremisten. Der weitaus größte Teil der koptischen Christen in Ägypten gehört der koptisch-orthodoxen Kirche an. Die Zahl der Katholiken gibt der Vatikan mit 240.000 an. (KNA)

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